Achilles' Ferse Ein bisschen Schwund ist immer
Liebes Achilles-Team!
Ich bin 49 Jahre alt, wiege 60 Kilogram und bin 1,68 Meter groß. Bei mir wurde vor Kurzem am rechten Knie Gelenkverschleiß und ein kleiner Riss im Außenmeniskus diagnostiziert. Grund für die Untersuchung war, dass mein Knie angeschwollen war und wehtat. Mein Arzt rät mir vom Laufen ab, verbietet es mir jedoch auch nicht ausdrücklich. Er sagt, ich solle lieber Radfahren und Schwimmen. Ich bin davor zwei bis vier Mal die Woche gelaufen, immer zwischen zehn und 17 Kilometer pro Lauf, auch gern im Winter. Und es fehlt mir sehr. Das Knie ist immer noch nicht schmerzfrei, aber auch nicht mehr dick. Was würdet ihr mir raten? Ich würde freuen, wenn ihr mir ein paar Tipps geben könntet. Ich fahre ohnehin fast jeden Tag Rad (40 Kilometer, im Sommer mehr).
Liebe Grüße von Jutta!
Liebe Jutta,
40 Kilometer Rad am Tag, das sind fast 300 die Woche. Ich würde es Training nennen. Jetzt noch acht Kilometer Schwimmen die Woche und fertig ist die Triathletin. Das bisschen Laufen am Ende machst du locker.
Viel Spaß, Achim
Liebe Jutta,
zuerst musst du schmerzfrei sein, bevor du überhaupt an weiteres Laufen denkst. Ich bin natürlich pro Laufen eingestellt. Dennoch solltest du erst einmal bei Radfahren und Schwimmen bleiben, bis du beim normalen Gehen keine Probleme mehr hast. Wenn du mutig bist, kannst du dann vorsichtig wieder mit dem Laufen beginnen. Beobachte dabei genau, was mit deinem Knie passiert. Übertreibe es nicht und beginne mit 20 Minuten. Und führe gut Protokoll. Es gibt ganz sicher eine Grenze an Dauer und Tempo, bei der dein Knie als Schwachstelle wieder reagieren wird. Wenn du Glück hast, kommst du mit normalen Laufbelastungen um einen operativen Eingriff herum, aber ich übergebe mal an unseren Doc!
Viele Grüße, Klemmbrett-Karraß
Liebe Jutta,
die Frage ist, ob ein akuter Reiz die Beschwerden verursacht hat, oder aber der Verschleiß. Gab es eine Verletzung, oder ein Verdrehen, was den Meniskusriss und die Beschwerden erklären könnte? Das wäre ein Problem, das verheilt, oder unter Umständen operativ lösbar wäre. Das muss aber der Kollege vor Ort entscheiden. Basieren die Beschwerden auf einer fortgeschrittenen Arthrose
wären die therapeutischen Optionen weniger zahlreich , denn Knorpel können wir auch im Jahr 2011 noch immer nicht vollständig ersetzen. Hier würde man dir sicherlich zu einer Reduktion des Lauftrainings raten. Aber auch dies kann nur anhand der Befunde entschieden werden. Denn ein leichter Gelenkverschleiß ist mit 49 Jahren nicht ungewöhnlich und muss keineswegs solche Beschwerden verursachen. Wie immer gilt: Erst die Diagnose, dann die Therapie. Versuche also, bezüglich der hier aufgeworfenen Fragen mit deinem Arzt Antworten zu suchen. Einige Dinge klären sich aber auch erst im Verlauf, also während der Doc die Behandlung des ihm bekannten Patienten beobachtet. Ärzte-Hopping ist also keine Lösung!
Alles Gute wünscht dir Dr. Run
Hallo Achilles-Team,
habt ihr Erfahrungen mit Post-Infarkt-Läufern? Ich, 58 Jahre alt, hatte vor sechs Jahren einen Herzinfarkt beim Laufen und laufe seit der dritten Reha-Woche regelmäßig drei bis vier Mal in der Woche zehn bis 15 Kilometer. Außerdem nehme ich an drei, vier Zehn-Kilometer-Wettkämpfen im Jahr teil. Ohne Zeitvorgabe sind in warmen Jahreszeiten auch mal bis zu 20 Kilometer drin. Ich halte meinen Puls bei 125 Schlägen pro Minute in der Ebene und bis 135 bei Steigungen. Mein Ruhepuls liegt bei 54 Schlägen in der Minute. Das Laufen findet beschwerdefrei statt. Als Sommertraining fahre ich mit dem Rad zur Arbeit nach Lübeck, das sind zwei Mal 30 Kilometer am Tag.
Es grüßt Manfred
Lieber Manfred,
noch bin ich Pre-Infarkt-Läufer. Aber ich finde es großartig, dass du dein Training einfach durchziehst.
Besten Gruß, Achim
Hallo Manfred,
ich bin froh, dass du alles gut überstanden hast. Laufen alleine schützt eben nicht immer vor Herzinfarkt. Genetische Faktoren, Belastungen wie erhöhte Blutfette, hoher Blutdruck und Stress, vor allem aber Zigaretten können im höheren Lebensalter zuschlagen. Dich hat es ja ganz offenbar trotz deiner guten Laufleistungen erwischt. Nach einem Herzinfarkt nimmt man üblicherweise eine Reihe von Medikamenten ein, die das Überleben nachweislich verlängern. Neben Aspirin, ACE-Hemmern (Blutdrucksenker) und Statinen (Fettsenker) kommen dabei auch Betablocker zum Einsatz. Diese senken den Blutdruck und verringern die Herzfrequenz. Unter Betablockertherapie können sich daher die Pulsbereiche ganz wesentlich verändern. Dies solltest du mit einem Sportmediziner klären und gegebenenfalls im Rahmen einer Leistungsdiagnostik überprüfen lassen, damit du nicht mit zu hohen Intensitäten trainierst. Insgesamt ist aber natürlich sehr erfreulich, dass du weiterhin läufst und dich viel bewegst. Das ist zweifelsohne das Beste, was du nun für deinen Körper tun kannst. Übrigens geht die Mehrheit der Herzspezialisten davon aus, dass EIN (!) Glas Rotwein am Tag der Verkalkung von Arterien vorbeugen kann. Achim und ich glauben bereitwillig jede Studie, die dies bestätigt und ignorieren jede Studie, die daran zweifelt. Wahrscheinlich ist Zurückhaltung und Maßhalten wie immer am besten, weshalb ich gerne ein Glas Wein jeden zweiten Tag empfehle (eine Flasche pro Woche).
Gruß, Dr. Run
Moment mal, Doc,
wir haben relativ große Gläser hier in Berlin. Mit einer Flasche die Woche ist allenfalls auszukommen, wenn es sich um die in Medizinerkreisen übliche Magnum handelt.
Prost, Achim