Achilles' Ferse: Ente in Laufschuhen - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Ente in Laufschuhen

Eigentlich traut sich Achilles-Leser Peter nicht zum Arzt, sein schmerzender Fuß ließ dem Hypochonder aber keine andere Wahl. Doch statt schmerzhafter Untersuchungen bekam er von der Orthopädin eine ganz simple Diagnose gestellt: Er watschelt durch die Gegend wie eine Ente.
Achilles-Leser Peter: Wie eine Ente durch die Gegend watschelnd
Achilles-Leser Peter: Wie eine Ente durch die Gegend watschelnd

Achilles-Leser Peter: Wie eine Ente durch die Gegend watschelnd

Foto: David Ebener/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In den vergangenen Wochen war ich nicht besonders fleißig. Weder aus Faulheit, noch aus mangelnder Motivation. Es liegt an meinem Fuß. Er ist der Bösewicht, der mich an meinem liebsten Hobby hindert. Wäre er nicht unersetzlich, würde ich die Scheidung einreichen. Seelische Grausamkeit wird ja als Grund anerkannt.

Seit Mitte Januar plagt er mich nun. Bislang habe ich den Quälgeist nach dem Motto "was von alleine kommt, geht auch von alleine wieder" behandelt. Doch die Beschwerden dachten nicht mal im Traum daran zu verschwinden. Es war nicht so, dass mir vor Schmerz der Fuß abgefallen wäre, aber es war ein unangenehmes Gefühl, das mir signalisierte, dass etwas nicht stimmte.

Letzte Woche habe ich endlich meine Arztphobie überwunden und schlug bei einer Orthopädin auf, um einen Termin zu ergattern. Diese Orthopädin läuft übrigens auch, was ein wichtiger Grund für meine Wahl war. Eigentlich werden in dieser Praxis keine neuen Patienten mehr angenommen. Aber ein Tröpfchen Vitamin B und ein Quetscher aus der persönlichen Schleimtube, und die Schwester nahm mich in die Patientenkartei auf.

Im Mai schon genesen oder tot

Aber die nächste Überraschung wartete schon auf mich: Der erste Termin, der mir angeboten wurde, war im Mai. Im Mai? Ich war völlig von der Rolle. Da überwinde ich dieses riesige Gebirge von Abneigung gegen Arztbesuche und dann das! Im Mai brauche ich keinen Arzt mehr. Da bin ich entweder irgendwie genesen oder tot. Meine Erwartungen an die Ärztin waren minimal und beliefen sich auf folgendes Szenario: Fuß abtasten, Röntgen, keine Ahnung haben, und mit einer fragwürdigen Beruhigungstherapie, zum Beispiel Ultraschall, verabschiedet werden. Das Übliche eben.

Ich war kurz davor, dankend abzulehnen und wieder zu gehen. Aber der verdatterte Eindruck den ich machte, blieb nicht ohne Folgen. Da ich nicht gleich aus meiner Schockstarre erwachte, hatte die Schwester ein Einsehen und kramte tatsächlich einen Termin für eine Woche später heraus. Ich sagte umgehend zu, bevor sie auf die Idee kam, es sich noch einmal anders zu überlegen.

Dann war es endlich so weit. Ich stand überpünktlich auf der Matte, was mir eine fast zweistündige Wartezeit in einem überfüllten, miefigen Wartezimmer mit stöhnenden, schnaufenden und schnatternden alten Omas leider nicht ersparte. Wenn sie etwas zu schnattern hatten, war immerhin vom Stöhnen und Schnaufen nichts mehr zu vernehmen. Das heißeste Thema, an dem ich ungefragt teilhaben durfte, war ein Gespräch darüber, wie lange der Gatte bereits verstorben war. Ich musste mir unwillkürlich vorstellen, wie meine Frau in ferner Zukunft im Wartezimmer sitzt und darüber schwadroniert wie lange ich schon tot bin. Na toll.

Bei der Betrachtung der Patienten kam ich mir wie ein Hypochonder  vor. Ich war der einzige, der kein offensichtliches Leiden vorzeigen konnte. Endlich im Behandlungszimmer angelangt, musste ich nicht mehr lange auf die Ärztin warten - und sie kam auch gleich zur Sache. Zuerst dachte ich, es würde eine berechtigte Ansage geben, weil ich den Arztbesuch so lange hinausgezögert hatte. Die blieb aber zu meiner Überraschung aus. Auch gut. Statt dessen befragte sie mich zu meinen Trainings- und Wettkampfgewohnheiten und verfrachtete mich auf die Liege, um an meinem Fuß herumzudrücken.

Diagnose Spreizfüße

Mir schwante schon wie es weitergeht, aber ich wurde schon wieder überrascht. Die Diagnose platzte aus ihr heraus, kerzengerade und punktgenau: Spreizfüße . Jetzt ist es raus. Nach langem Überlegen erschien mir die Diagnose plausibel.

Ich bin also eine Ente und watschel durch die Gegend. Erschwerend kommt hinzu, dass mein Mittelfußknochen, an dem der große Zeh hängt, kürzer ist als der vom zweiten Zeh, und ich somit die Kraft mehr über die Fußmitte auf den Boden bringe. Letzteres wusste ich allerdings schon. Mir gehen unangenehmer Weise öfters die Zehennägel  flöten. Durch diese ganzen Unzulänglichkeiten meiner unteren Extremitäten wird irgendetwas zu stark belastet. Deshalb brauche ich jetzt Einlagen für meine Entenfüße.

Das obligatorische Röntgen blieb trotzdem nicht aus, um eventuelle strukturelle Schäden auszuschließen. Das sehe ich sogar ein. Und es ging sogar recht schnell. Anschließend nahm eine Arzthelferin noch zwei Fußabdrücke von mir und wenn ich es recht verstanden habe, sind in ein paar Tagen meine Einlagen einsatzbereit.

Meine Stimmung hat sich seitdem von latenter Verzweiflung in frohe Hoffnung gewandelt. Der Arztbesuch hat mich positiv überrascht und mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen, wenn ich mit den Einlagen meine Probleme loswerden sollte. Deshalb habe ich mir einen großen Denkzettel hinters Ohr geklemmt: Das nächste mal warte ich nicht so lange!

Ich wünsche euch viel Spaß beim Laufen und gesunde Füße. Quak!