Achilles' Ferse Geduld ist eine Tugend
Stau auf der Autobahn: Mangelnde Geduld kann böse Folgen nach sich ziehen
Foto: dapd
Hallo Achim & Team,
mein Problem ist eine Achillessehnenentzündung im rechten Fuß. Sie ist chronisch entzündet, wie mein Orthopäde mir vor drei Wochen eröffnete. Laut Befund gibt es keinen körperlichen Grund dafür, den er feststellen konnte. Er empfahl mir, gegebenenfalls
eine Laufanalyse durchzuführen, sobald das Ganze ausgeheilt ist. Ich habe zugegebenermaßen schon länger damit zu kämpfen und vermutlich immer wieder zu früh mit dem Laufen angefangen. Geduld ist nicht meine Stärke. Und so habe ich jetzt die Quittung: Ich soll mindestens zwölf Wochen Pause machen - Höchststrafe! Schwimmen, Radfahren und Spazieren gehen (meint mein Orthopäde damit etwa Nordic Walking? Nur über meine Leiche!) dürfte ich zwar in der Zwischenzeit, das sind aber keine Alternativen, die mich glücklich machen. Erste Frage: Was kann ich tun, um den Heilungsprozess zu unterstützen oder zu verkürzen? Bisher mache ich Ultraschallbehandlungen und zwei Mal täglich diese typischen Stärkungsübungen an der Treppenstufe. Gibt es da nicht noch mehr? Pillen? Öle? Salben? Kraftübungen? Kultische Tänze? Anbetung spezieller Laufgötter? Zweite Frage: Was kann ich künftig tun, um nicht wieder in diese missliche Lage zu kommen? Das Schlimme ist: Ich habe schon jetzt keine Schmerzen mehr, sieht man von dem nicht nennenswerten Stechen im Fersenbein bei den ersten Schritten nach dem Aufstehen morgens ab.
Bitte helfen Sie mir, danke und liebe Grüße an das gesamte Achilles-Team, Elke
Liebe Elke,
mit dem Anbeten bestimmter Laufgötter hast du natürlich schon den wesentlichen Schritt zur Heilung erkannt. Ich selber bete ja stets Achim Achilles an und habe seitdem kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich die Laufrunde gegen ein Glas Rotwein eintausche. Spaß bei Seite: Mit diesen "typischen" Stärkungsübungen an der Treppenstufe hast du die wesentliche Säule deiner Achillessehnenentzündungstherapie beschrieben. Achte aber zwingend darauf, dass du mit dem schmerzenden Fuß nur exzentrisch, das heißt von oben nach unten arbeitest und dich unter Entlastung wieder nach oben bewegst, um die nächste Bewegungsdurchführung zu starten. Diese Übung machst du bitte mit drei Mal 15 Wiederholungen täglich für mindestens zwölf Wochen. Ergänzen kannst du das Ganze wie folgt:
- Bürste deine Achillessehne jeden Tag fünf Minuten mit einer mittelharten Nagelbürste und massiere dabei eine entzündungshemmende Salbe wie Voltaren Emulgel ein.
- Trainiere deine Kraft und Koordination auf einem Stabilisationstrainer.
- Ergänze die antientzündliche Therapie durch drei Mal zwei Tabletten Phlogenzym, das du eine Stunde vor den Mahlzeiten einnimmst. In jedem Fall brauchst du vor dem erneuten Laufstart die optimale Schuh- und Einlagenversorgung. Ich würde bereits in vier Wochen einen medizinische Bewegungsanalyse durchführen lassen, so dass etwaige Fußfehlstellungen zeitnah versorgt werden.
- Ergänzen kannst du die Maßnahmen durch die tägliche Einnahme von Leinöl (wegen der Omega-3-Fettsäuren) und von Ackerschachtelhalm.
Ich empfehle dir, die nächsten zwölf Wochen so zu gestalten. Wenn die Schmerzen nach acht Wochen bereits rückläufig sind, kannst du mit einem moderaten Lauftraining von drei Mal zehn bis 15 Minuten pro Woche wieder einsteigen und die Belastung in kleinen Schritten steigern. Halten die Schmerzen an, so sollten die zwölf Wochen mit dem exzentrischen Wadenkrafttraining in jedem Falle vollständig absolviert werden, bevor man über weitere Behandlungsmaßnahmen wie Stoßwellentherapie nachdenkt.
Gute Besserung wünscht dir Dr. Marquardt
Liebe Elke,
der Doc ist für seinen Charme berüchtigt. Er sieht nicht nur toll aus, sondern macht auch Klimmzüge an einem Finger während er auf den anderen neun je einen Kasten Herrenhäuser Pils balanciert. Der Typ ist einfach der Hammer.
Ehrfürchtig, Achim
Hallo Dr. Marquardt,
seit längerem plage ich mich - mal mehr, mal weniger - mit einem schmerzenden Schienbein herum. Um die Wadenmuskulatur zu stärken, gehe ich hier mit gezielten gymnastischen Training vor. Es erweist sich jedoch als ziemlich langwierig. Was kann ich tun, um hier schneller Abhilfe zu schaffen? Laufen ist nun mal mein Lebenselixier. Würde mich sehr freuen, hier ein paar Tipps zu erhalten. Herzlichen Dank von einer ambitionierten Läuferin, Laufmaus
Liebe Laufmaus,
wichtig wäre es zu wissen, ob dir die Schienbeinkante an der Vorderseite des Unterschenkels oder an der Innenseite des Unterschenkels weh tut, da beide Schmerzbereiche völlig unterschiedliche Therapien erfordern. Bei einem Vorderen Schienbeinkantensyndrom wäre ein alleiniges Training der Wadenmuskulatur kaum von Erfolg gekrönt. Für den innenseitigen Schienbeinschmerz wäre dieses Wadentraining zwar sinnvoll, aber sicherlich nicht die alleinige Lösung für das Problem. Hierfür muss unterschieden werden, ob du mit deinem Fuß beim Laufen nach innen oder außen verkippst und vielleicht dadurch bestimmte Sehnen am Unterschenkel überlastest, die die von dir beklagten Schmerzen auslösen. Ich schlage also vor, dass du ärztlich untersuchen lässt, ob es sich um ein so genanntes mediales (innenseitiges) Schienbeinkantensyndrom oder um ein vorderes Schienbeinkantensyndrom handelt, um dann die richtige Therapie einzuleiten.
Viele Grüße und gute Besserung von Dr. Marquardt