Achilles' Ferse Hamster ohne Handschuhe
Hallo Achim,
ich habe vergangenes Jahr im Mai mit dem Laufen angefangen. Letzten Winter bin ich aus Verletzungs- und Krankheitsgründen weder regelmäßig noch viel gelaufen. In diesem Jahr habe ich mich für den Halbmarathon in Berlin angemeldet. Die Tage sind kurz und kalt, die Abende lang und noch viel kälter. Ich trage lange Laufhosen und möchte gerne wissen, in welche Oberteile ich am besten investiere. Ich hasse nichts mehr als zu überhitzen. Stimmt es, dass Laufen bei kaltem Wetter für die Lungen gefährlich ist? Ist es ratsam mit Mütze und Handschuhen zu laufen? Gibt es Winterlaufsocken?
Grüße, Jessica
Hallo Jessica,
wenn Du einen lockeren Dauerlauf absolvierst, also ein Tempo, bei dem Du noch reden könntest, wird Deine Atmung sehr ruhig und auch nicht so tief erfolgen wie bei einem Tempolauf. Bei dieser Belastung kannst Du mindestens bis minus zehn Grad zum Training gehen, ohne Angst haben zu müssen. Denn die einströmende Luft erwärmt sich auf dem Weg in die Bronchien und dringt auch nicht so tief ein. Zur Bekleidung: Mütze ist Pflicht, auch wenn es doof aussieht. Handschuhe brauche ich erst ab minus 15 Grad, aber dann wird ohnehin nicht gelaufen. Meine Hände werden nach fünf Minuten von alleine wohlig warm. Zur Oberbekleidung gilt der Ratschlag: Vor dem Laufen sollte man leicht frieren, dann stimmt später beim Lauf die Temperatur.
Gruß, Jens Karraß
Liebe Jessica,
da helfen nur Versuchsreihen, zumal viele Funktionsklamotten nicht funktionieren, auch wenn viele bunte Bildchen mit großen Pfeilen das Gegenteil beweisen wollen. Wer gute Schuhe macht, muss von Klamotten noch lange keine Ahnung haben. Ein Mensch, der behauptete, sich mit all diesen Materialien auszukennen, schwor auf die angeblich konkurrenzlos tolle Technologie von "Windstopper"-Klamotten, die nicht so dick sind wie Goretex, dafür aber viel besser atmen. Ich als Schnell-, Gern- und Vielschwitzer komme bis minus zwei Grad mit einem mitteldicken "Schießer" und einem innen angerauten Winterhemd aus. Bei langsameren Läufen und größerer Kälte vielleicht noch eine dünne Schicht mehr. Jacke bringt mich um. Es gilt die Regel: Wer läuft, friert nicht. Ich jedenfalls war noch nie, nie, nie zu dünn angezogen, aber schon 100 Mal zu dick.
Schwitzend, Achim
Lieber Achim,
ich bin 20 Jahre jung, 1,82 Meter groß und 65 Kilogramm leicht. Ich laufe seit einem Jahr. Wie ist mein idealer Trainingspuls und wie messe ich ihn beim Laufen am besten?
Danke, Peter
Lieber Peter,
was ist besser: Benzin, Parfüm oder Milch? Jede Flüssigkeit wird zu einem völlig anderen Zweck benutzt. Das gleiche gilt für Deinen Trainingspuls: Je nachdem, welche Fähigkeiten man entwickeln will, trainiert man bei einem anderen Puls, also mit einer anderen Intensität. Eine etwas ungenaue Methode, die aber für Anfänger ausreicht, funktioniert folgendermaßen: Zuerst wird der Maximalpuls festgestellt, zum Beispiel am Ende eines sehr intensiven Laufes oder eines harten Wettkampfes. Die Trainingsbereiche werden dann mit Hilfe dieses Maximalpulses definiert: Bis 70 Prozent des Maximalpulses ist das Training regenerativ, das Training zwischen 70 und 80 bis 85 Prozent dient der Entwicklung der Grundlagenausdauer, ein Training bei noch höheren Puls ist nur sinnvoll für wettkampfsorientierte Läufer. Für eine genaue Erfassung der Pulswerte beim Laufen ist eine Pulsuhr zu empfehlen. Wer es genau wissen will, der gönnt sich eine Leistungsdiagnose, die viele Sportmediziner, ich auch, anbieten. Die Krankenkasse zahlt einen solchen Check allerdings nicht. Die Untersuchung kostet aber weniger als ein Paar gute Schuhe und gibt dem ambitionierten Läufer eine Menge wertvoller Hinweise. Außerdem kann man versteckte Herzprobleme entdecken.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo
Lieber Peter,
das Problem mit dem Maximalpuls ist, dass man ihn allein kaum feststellen kann. Denn wer quält sich allein im Training schon so, dass ihm die Augen rausfliegen? Also liegt die Maximalfrequenz immer höher, als man denkt. Aber nur eine genaue Bestimmung lässt auch eine genaue Trainingssteuerung zu. Also: husch, husch zur Leistungsdiagnose.
Laktat-Junkie Achim
Lieber Achim,
ich habe vor sechs Wochen mit dem Laufen auf dem Laufband angefangen. Ich laufe etwa 60 Minuten bei vier bis sechs Prozent Steigung und lege zehn Kilometer zurück. Inzwischen habe ich schon stolze neun Kilogramm auf dem Laufband verbrannt. Ich würde gern Deine Einschätzung wissen, welche Steigung einer Laufbandmaschine dem Laufen auf dem flachen Land von der Anforderung her gleichkommt, so dass etwa die gleiche Anstrengung stattfindet?
Grüße, Uli
Hallo Uli,
um den fehlenden Luftwiderstand zu simulieren, reicht ein Steigungswinkel von zwei Grad völlig aus. Damit setzt Du Deinen Lauf virtuell in die Landschaft. Du hat also bisher einen sehr bergigen Kurs gewählt, was aber Deiner Entwicklung offenbar sehr gut getan hat. Weiter so!
Viele Grüße, Jens Karraß
Mann, Uli, alte Ex-Fleischwurst,
neun Kilogramm in sechs Wochen, das nenne ich eine stramme Leistung. Kleiner Tipp: Eine Stunde am Tag darfst Du jetzt auch mal runter. Oder willst Du Testfahrer für Hamsterräder werden?
Ehrfürchtigen Gruß, Achim