Achilles' Ferse Heldenhafte Hüfte
Lieber Achim,
ich laufe schon seit fast einem Jahr, aber jedes Mal nach etwa 45 Minuten komme ich an einen toten Punkt und muss einfach aufhören, weil ich weder die Kraft noch Lust habe, weiterzulaufen. Ist das normal?
Gruß, Udo
Lieber Udo,
es kann gut sein, dass nach einer Dreiviertelstunde einige Glykogenvorräte aufgebraucht sind und dein Körper sich den Treibstoff aus anderen Depots holen muss. Das kann sich gerade in der Magengegend zuweilen unangenehm anfühlen und eine Weile der Müdigkeit mit sich bringen. Möglichkeit eins: Du nimmst einfach ein paar Kalorien mit, im Trinkgürtel, als Energieriegel oder in Form einer Banane. Würde ich aber nicht empfehlen, weil der Körper ja gerade lernen soll, sich die Energie auch aus seinen eigenen Lagern zu holen. Also Möglichkeit zwei: Du läufst einfach langsam weiter. Wähle einfach eine Strecke, die es unmöglich macht, aufzuhören: weit und breit keine Bushaltestelle, keine U-Bahn, kein Taxi und ganz weit weg von zuhause. Wenn du zwei- oder dreimal über diesen Punkt hinausgelaufen bist, hält dich nichts mehr. Und hör auf zu jammern.
Gruß, Achim
Lieber Achim,
nach mehrmonatigem, unbefriedigendem Training im Fitnessstudio habe ich Ende Januar mit dem Laufen begonnen. Der Anfang war hart, aber jetzt läuft es prima. Einen ersten Halbmarathon habe ich gut überstanden. Jetzt liegt mein Pensum bei drei- bis viermal die Woche neun Kilometer. Trotzdem habe ich nach wie vor einen Durchschnittspuls von 160 bis 170. Ist das nicht ziemlich hoch? Laufe ich zu schnell oder braucht mein Körper Zeit, um sich anzupassen?
Herzliche Grüße, Claudia
Liebe Claudia,
die Regel besagt, dass die Herzfrequenz bei einem effektiven Ausdauertraining 70 bis 85 Prozent des Maximalpulses betragen soll. Ein Training darüber ist nur für Wettkämpfer sinnvoll. Ob Sie mit 160 bis 170 pro Minute richtig liegen, hängt von Ihrem Maximalpuls ab. Junge, untrainierte Menschen haben häufig einen Maximalpuls von über 200 pro Minute. Der entspricht einem Trainingpuls von knapp 170. Im Laufe des Alters nimmt der Maximalpuls ab. Bei einem 50-Jährigen liegt dieser bei etwa 170, was einem Trainingspuls von 135 pro Minute entspricht. Die Spannbreite ist allerdings gewaltig und kann innerhalb einer Trainingsgruppe von unter 150 bis über 200 reichen. Es führt kein Weg daran vorbei: Sie müssen Ihren eigenen Maximalpuls bestimmen, entweder beim Arzt durch ein Belastungs-EKG oder, etwas ungenauer, selbst, zum Beispiel am Ende einer Maximalbelastung oder eines Rennens. Es ist allerdings schwierig, bis zur vollständigen Verausgabung, also am Anschlag, zu wetzen. Melden Sie sich doch noch mal mit Ihren ermittelten Werten.
Gruß, Dr. Fernando Dimeo
Lieber Achim,
es war einmal ein wunderbarer Sommer (2003), da lief ich montags, mittwochs und freitags morgens um 6 Uhr für 40 Minuten über den Feldweg - ich fühlte mich fit, ausgeglichen und dünn (seufz). Im Herbst versuchte ich dann das erste Mal, auf einem Laufband im Fitness-Studio zu flitzen - völliger Reinfall. Und noch viel schlimmer: Meine Hüfte tat danach weh. Igitt! Also nur noch Laufen auf Feldweg. Aber jetzt schmerzt die Hüfte auch beim Feldweglaufen. Sollte meine Läuferkarriere schon mit 39 beendet sein? Achim, hilf mir! Mach mich wieder zur Jüngerin!
Deine Silvia
Liebe Silvia,
aber gern. Alles was du brauchst, hast du schon: einen funktionierenden Körper und, ganz wichtig, den Willen zur Jüngerin! Stell' dir vor: Ein romantisches Wäldchen, der Boden weich mit Tannennadeln bedeckt, leichte Brise, rötliches Licht der Abendsonne. Jeder Schritt sitzt wie eine Eins: kräftig und doch locker, raumgreifend und doch genau die richtige Länge. Du atmest tief, aber voll in Kontrolle. Es strengt dich herrlich an. Es ist dein Lauf, dein Tempo. Du bist Teil des Abends. Du schießt dahin und merkst es gar nicht. Deine Beine sind mehr in der Luft, als dass du den Boden berührst. Hüfte? Welche Hüfte? Du und die Welt sind eins. Das klappt, jede Wette.
Viel Freude, Jens Karraß
Hallo Achim,
ich hatte vor zwei Jahren einen Hinterwand-Infarkt und zusätzlich zwei Stents eingesetzt bekommen, um Schlimmeres zu verhindern. Nun geht es mir eigentlich wieder prima, ich möchte aber etwas mehr für den Wiederaufbau von Herzmuskelmasse tun. Fahrradfahren geht ja nicht immer. Wie gehe ich das Laufen an, wie ermittle ich meine Belastungsgrenze? Laufen, bis es wehtut hinterm Brustbein, wird ja wohl nicht das Richtige sein.
Vielen Dank, Werner
Lieber Werner,
Ausdauersport ist eine der wichtigsten Maßnahmen für die Behandlung einer Herzdurchblutungsstörung. Aber eine maximale Belastung ist vollkommen falsch und kann sogar gravierende Folgen haben. Nach einem Herzinfarkt muss die Trainingsintensität deswegen engmaschig und individuell kontrolliert werden. Zur Ermittlung der Trainingsherzfrequenz führt ein Arzt ein Belastungs-EKG durch. So findet man die verschiedenen Trainingsbereiche heraus, die "grüne", "gelbe" und "rote" Zone. Wenn du dich penibel an die Werte hältst, werden Trainingseffekte optimiert und das Risiko minimiert.
Gruß, Dr. Fernando Dimeo