Achilles' Ferse Kampf der Lauf-Langeweile
Einsamer Jogger: "Nimm dir einfach einen guten Kumpel mit"
Foto: BERTRAND LANGLOIS/ AFP
Lieber Achim,
ich leide seit 18 Monaten am Würfelbeinsyndrom, so die Diagnose eines Arztes. Damit nicht zu viele Schmerzen auftraten, habe ich immer darauf geachtet, bestimmte Bewegungen zu vermeiden. Das vergangene Halbjahr verlief weitgehend beschwerdefrei. Kürzlich bin ich ohne Probleme in den Bergen Griechenlands gewandert, sogar bis zu vier Stunden am Tag. Könnte es also sein, dass das Problem überwunden ist? Kann ich wieder anfangen, langsam zu laufen, flott Treppen zu benutzen oder die Zehenspitzen zu belasten? Ich habe Angst, diese Dinge auszuprobieren. Kann ein solches Syndrom überhaupt überwunden werden?
Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit, Theo
Lieber Theo,
ich kenne Hühnerbein, Überbein und Gantenbein von Max Frisch. Aber Würfelbein? Nie gehört. Vielleicht eine Erfindung des KGB, um den Westen mit neuen Krankheiten zu lähmen.
Alea iacta est. Achim
Guten Tag Theo,
wenn sich dein Würfelbeinsyndrom, eine Fehlpositionierung des Würfelbeins am äußeren Fußrand, gebessert hat, spricht sicherlich nichts dagegen, das Training wieder aufzunehmen. Allerdings fände ich es sinnvoll, wenn du zuvor einen Manualtherapeuten aufsuchst, der das subluxierte Würfelbein gegebenenfalls in die richtige Stellung zurückmanipulieren kann. Darüber hinaus solltest du eine dem Problem angepasste orthopädische Einlagenversorgung erhalten. Wenn du dann einen vorsichtigen Belastungsaufbau wählst und mit zehn oder 15 Minuten Lauftraining startest, sollte einem Wiedereinstieg in den Laufsport nichts im Weg stehen.
Gute Besserung, Dr. Matthias Marquardt
Lieber Doc,
den Hinweis mit dem Manualtherapeuten leite ich an Mona weiter.
Besten Dank, Achim
Hallo liebes Expertenteam,
als ehemaliger Fußballer (44 Jahre, Puls maximal 192), laufe ich seit etwa zehn Jahren mehr oder weniger regelmäßig. Momentan habe ich nach etwa einjähriger Abstinenz erneut begonnen, gegen mein Rekordgewicht (88 Kilogramm) zu kämpfen. Dabei fallen mir die ruhigen Dauerläufe unheimlich schwer. Einerseits ist mein Tempo im Niedrigpulsbereich (unter 135 Schläge pro Minute) derart lahm, dass mich sogar Kinder überholen, andererseits langweile ich mich fast zu Tode. Außerdem muss ich ständig meinen Puls kontrollieren und mich zwingen, langsam zu laufen. Deshalb habe ich die folgenden Fragen:
- Kann ich die Läufe auch ein wenig schneller gestalten?
- Soll ich geduldig sein und darauf hoffen, dass sich mein Lauftempo bei niedrigem Puls steigert?
- Wie kann man einen langen Lauf auflockern, damit man sich nicht so langweilt?
Liebe Grüße, ihr seid total cool, Uli
Hallo Uli,
die Lösung: Zuerst zum Arzt und
Belastungs-EKG machen , um zu sehen, ob du kerngesund bist. Dann kann es losgehen. Der langweilige und langsame Lauf wird sofort geändert: Du solltest einen Puls von 140 bis 148 Schlägen pro Minute anstreben. Aber achte darauf, dass du dich gut fühlst, das ist das Wichtigste. Gesundheitsschädigend darf es nämlich nicht sein. Die Wahrheit liegt also dazwischen, das solltest du trotz steigender Fitness nicht vergessen. Zusätzlich zu den langen Läufen solltest du auch kurze einstreuen, zuerst nur eine Minute lang, an deren Ende der Puls gerne bei 170 bis 180 liegen darf. Auch hier musst du darauf achten, dass dieses "Aus-der-Puste-sein" nicht unangenehm wirkt, also nicht beklemmend. Wenn du heftig atmen musst und es Spaß macht, ist es okay. Du kannst nach der ersten schnellen Minute und dem nachfolgenden, lockeren Zwei-Minuten-Trab entscheiden, wie schnell der nächste Lauf sein soll. Auf diese Weise tastest du dich heran. Mit der Erfahrung und dem Erleben von Geschwindigkeit, Puls und Beinmuskeln kannst du dann auch im Dauerlaufbereich an längere Abschnitte mit einem Puls von 156 gehen. Am Ende werden sich diese verschiedenen Puzzle-Teile zusammenfügen.
Viel Spaß ab jetzt! Jens Karraß
Lieber Uli,
nimm dir einfach einen guten Kumpel mit auf deine Ausläufe, der ein wenig Ausdauer, niedrigschwelligen Humor und bisweilen einen klugen Gedanken mitbringt. Reicht als Entertainment meistens; wenn's ein Esoteriker ist, umso unterhaltsamer.
Viel Spaß, Achim
Hallo Achim,
ich bin ein großer Fan deiner SPIEGEL-ONLINE-Kolumnen und habe auch deine beiden Bücher gelesen. Ich hab da mal eine Frage: Was hältst du eigentlich von diesen neumodischen Kompressionssocken? Ich bin da noch etwas unentschlossen, würde aber gerne mal ausprobieren, ob sie wirklich helfen, wie viele sagen. Würde mich auch als Testperson zur Verfügung stellen. Wann gibt es denn mal wieder solche Tests, wie du sie
schon ein paar Mal angeboten hattest ?
Gruß, Christian
Lieber Christian,
hättest du die Bücher wirklich sorgfältig gelesen, wäre dir die brüllkomische, aber auch ein Stück weit nachdenklich-besinnliche Kompressionsstrumpf-Story in "Achilles Verse II - Lerne laufen ohne Leiden" aufgefallen. Die Anregung mit dem Test nehmen wir gern auf.
Besten Gruß, Achim
Hallo Christian,
für die Industrie ist es gut: viele Läufer - viele Beine - viele Socken. Und den Athleten hilft es manchmal auch. Wer hart trainiert und sich steigern will, nutzt so etwas gerne. Wem diese Socken eine Erleichterung verschaffen, was jeder für sich selbst ausprobieren muss, soll die Dinger halt tragen.
Viele Grüße, Jens Karraß