Achilles' Ferse: "Mal eben ein kleiner Halbmarathon" - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse "Mal eben ein kleiner Halbmarathon"

Ab und zu muss eine sportliche Herausforderung sein, ist Achilles-Leser TriCowboy überzeugt. Schließlich ist ein Halbmarathon unterhaltsamer als ein Besuch bei den Schwiegereltern. Aber gut vorbereitet sollte man schon sein.
Mit dem Mountainbike unterwegs: Und als nächstes der Ironman
Mit dem Mountainbike unterwegs: Und als nächstes der Ironman

Mit dem Mountainbike unterwegs: Und als nächstes der Ironman

Foto: DOUG PENSINGER/ AFP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Motivier mich endlich!" "Nein, du musst mich motivieren!" antwortete das Frauchen. Und sie hatte recht.

War sie doch die Leidtragende, die mich aus der hippen, norddeutschen Großstadt auf das rheinländische Dorf begleiten musste. War sie es doch, die während der 500-Kilometer-Fahrt meine cholerischen Schlussfolgerungen von Automarken oder Fahrstil auf den Intellekt oder die soziale Kompetenz der Fahrer ertragen musste. War sie es doch, die mich am Abend zuvor mitsamt den Schwiegereltern zum Asiaten begleiten musste - zum Carboloading.  Frauchen hasst asiatisches Essen und zu der Sorte Mensch, die sich vornimmt, bei All-you-can-eat-Buffets den Betreiber "arm zu essen", gehört sie auch nicht. Dennoch ertrug sie die Völlerei mit Fassung.

Sie ist es auch, die seit Jahren meine windigen Ideen im Hinblick auf "sportliche Herausforderungen" klaglos erträgt. Seien es Bodybuilding-Ambitionen, Fallschirmspringen, martialischer Kampsport, Marathons oder eben jetzt: Triathlon. Mittel- und Langstrecke, um genau zu sein. Alles andere wäre ja "pillepalle".

All diese Ideen, die schnell und unverhofft kamen und meistens - nach gehörigen finanziellen und zeitlichen Investitionen - genauso unverhofft wieder verschwanden, nahm sie hin. Sie unterstützt mich nach wie vor bei allem, was ich tue. Als guten Vorsatz habe ich sie dieses Jahr sogar zum Laufen animieren können und der anfängliche Zwang ist mittlerweile echter Freude gewichen.

Doch jede Liebe hat Grenzen.

Es sei erwähnt, dass die Besuche bei den Schwiegereltern seltener geworden sind. Dieser Umstand ist vielmehr durch Zeitmangel und die Entfernung als durch Antipathie ihnen gegenüber begründet; und um ehrlich zu sein, fällt uns nach ein paar Tagen auch die Decke auf den Kopf, da die glorreichen Sehenswürdigkeiten im näheren und fernen Umland längst doppelt und dreifach abgegrast wurden. Diesmal sollte alles anders werden. Der Ausblick auf ruhige, abwechslungsreiche, anspruchsvolle und vor allem bergige Laufstrecken ließ sogar so etwas wie echte Vorfreude aufkommen. Grippe und Fieber ungeachtet wurde Frauchen der Plan unterbreitet:

"Und du kommst einfach mit"

"Ich laufe mal eben schnell nen Halbmarathon, ganz lockerer 5:30-Schnitt und du kommst einfach mit. Auf meinem Mountainbike, super Ding, fährt quasi von selbst", hieß es nach dem Frühstück. Jegliches Insistieren der Hausdamen (Frauchen und Muttern) wurde ignoriert: "Doch, doch, ich muss im Training bleiben und ein Halbmarathon ist doch nichts."

Hochmut kommt vor dem Fall! Dem viel zu euphorischen 5:30-Schnitt und der Grippe geschuldet schlug bei Kilometer 18 der Hammer zu.  Unverhofft und schmerzhaft. "Motivier mich endlich!", schnauzte ich Frauchen an - eigentlich keuchte ich eher. "Nein, du musst mich motivieren", entgegnete sie - und sie hatte recht. Mein Mountainbike, Statussymbol der Jugend, war irgendwie doch schwerer als in Erinnerung, und die 24 Gänge nutzten auch nichts, wenn beim Schalten die verrostete Kette abzuspringen drohte. Also schleppte sich Frauchen - ungefähr so schwer wie das Rad - klaglos steile Berge in hohen Gängen hoch, nahm einen viel zu hoch eingestellten und (ihr) viel zu schmalen, viel zu harten Sattel hin. Doch nach ihren 18 Kilometer war sie nicht mehr in der Lage, meinem Motivationswunsch nachzukommen.

Also motivierte ich sie, köderte sie mit der Aussicht auf warme Thermen und eine Massage. Als wir die letzten drei Kilometer geschafft hatten, verschwand ich mit der Forerunner-Uhr vor dem Bildschirm, um das Höhenprofil zu analysieren. Als ich aus der Dusche kam, hörte ich Frauchen und Muttern, die bei Kaffee und Kuchen zusammensaßen und meinen neusten Plan "Mal eben schnell 'nen Ironman" kommentierten.

Immerhin ging es Frauchen wieder so gut, sich über ihren Göttergatten lustig zu machen. Ich hatte an dem Tag zweifelsfrei nichts mehr zu lachen. Und noch viel weniger am nächsten, als der Muskelkater einsetzte.