Achilles' Ferse: Massig Gummimuskeln - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Massig Gummimuskeln

Schnell schneller werden und quasi en passant noch einen Traumkörper - wer will das nicht? Wundermittel wie Kreatin sollen dabei helfen. Achim Achilles und seine Mitstreiter halten nichts vom fixen Fortschritt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hallo Achim,

seit ein paar Wochen höre ich von einigen, zugegebenermaßen besser trainierten Läufern immer wieder Berichte über die unglaublichen Erfolge und Leistungssteigerungen während oder nach der Einnahme des Wundermittels Kreatin. Langsam komme ich zu der Überzeugung, es selbst einmal mit einer vierwöchigen Kur (20 Gramm/Tag) auszuprobieren. Vielleicht kannst du mir dabei behilflich sein, die letzten Zweifel und gesundheitlichen Bedenken auszuräumen?
Danke, Ralph

Lieber Ralph,
nein, wir können leider nicht. Kreatin spielt für die Energiebereitstellung bei kurzen Belastungen eine Rolle. Dieser Stoff befindet sich in der Nahrung (vor allem Fleisch), bei ungenügender Aufnahme produziert der Körper selber Kreatin. Es gibt wohl Untersuchungen, die eine geringfügige leistungssteigernde Wirkung bei kurzen Anstrengungen (etwa Sprint) nach Einnahme von Kreatin zeigen. Der Effekt hängt aber sehr von dem Zustand der Körperdepots ab. Anders gesagt: Wer sich ausreichend und vielfältig ernährt, verfügt in der Regel über genug Kreatin und wird von einer Supplementierung wenig profitieren. Der "Muskelzuwachs" nach Kreatineinnahme ist eher eine optische Täuschung: Kreatin wird in der Muskulatur gespeichert und bindet Wasser an. Bei plötzlichem Auffüllen der Depots schwellen deswegen die Muskeln an. Es handelt sich dabei jedoch nur um Wasser und nicht um Muskelmasse. Die Einnahme von Kreatin ist dazu nicht nebenwirkungsfrei: Das Pulver kann zu Muskelkrämpfen und Magenbeschwerden führen, bei zu hohen Dosierungen sogar zu Nierenversagen. Bei 20 Gramm/Tag ist das Risiko, dass diese Nebenwirkungen auftreten, gering. Aber versprechen Sie sich nicht allzu viel von der Supplementierung: Sehr häufig ist die Leistungssteigerung nur ein Placebo-Effekt.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Lieber Ralph,
tu uns doch allen bitte einen Gefallen. Futter das Zeug einen Monat lang und berichte uns minutiös, was passiert ist.
Voller Vorfreude, Achim


Hallo Achim,
da ich berufstätig bin und auch noch meinen Haushalt zu erledigen habe, ist es für mich fast unmöglich, mir mal ein wenig Zeit zum Laufen zu nehmen. Meine beste Freundin sagt nun, ich könnte doch während der Mittagspause im Büro oder zuhause beim Kochen im Stand laufen, der Effekt wäre fast der gleiche. Man müsse sich ja nicht tatsächlich fortbewegen, genau wie bei einem Laufband. Ich bin da eher etwas misstrauisch und will nun Eure Meinung wissen.
Liebe Grüße, Melanie

Hallo Melanie,
ich bin auf Deiner Seite: Misstrauen ist angesagt. Glaube nicht alles! Aber warum denkst Du nicht einfach selbständig weiter? In der Mittagspause raus aus dem Büro und 20 Minuten Walken/Joggen! Statt abends selbst zu kochen, lass Deinen Mann ran an den Herd und geh' raus! So wird's was! Irgendwo wird immer freie Zeit auftauchen, wo Du sie jetzt noch gar nicht siehst. Spätestens dann, wenn es Dir Spaß macht.
Wird schon, Jens Karraß


Lieber Achim,
ich habe ein Knieproblem und hoffe, Ihr könnt mir helfen: Ich bin 37 Jahre alt und habe mich im Sommer wieder in sehr gute Mittelstreckenform gebracht. Mitten in meiner Phase der Hochleistung habe ich vor allem bergab immer öfter Probleme mit dem rechten Knie bekommen. Ich hatte das Gefühl, die Kniescheibe würde herausspringen. Der Orthopäde attestierte einen irreparablen Knorpelschaden und empfahl mir, auf Walking umzusteigen. Muss das sein? Gibt es keine andere Möglichkeit, wieder richtig laufen zu können?
Helft mir, Marco

Lieber Marco,
die Regenerationsfähigkeit des Knorpels ist sehr eingeschränkt. Bei wiederholten Überbelastungen entstehen dabei Schäden, die zu dauerhaften Problemen führen können. Die Einschränkung der Leistungsfähigkeit und Reduktion der Belastbarkeit als Folge der Verletzung bedeuteten für viele Läufer das Aus. Aber mittlerweile erscheint Licht am Ende des Tunnels: Durch neue Operationstechniken und die Einpflanzung eigenen Knorpelgewebes in die verletzten Stelle kann eine dauerhafte Zunahme der Belastbarkeit und eine Reduktion der Beschwerden erzielt werden. Diese Techniken helfen leider nicht jedem und in allen Fällen. Reden Sie deswegen darüber mit Ihrem Arzt, welche weiteren Behandlungen für Sie in Frage kommen.
Alles Gute, Dr. Fernando Dimeo


Lieber Achim,
ich habe vor längerer Zeit auf Anraten meines Orthopäden das Laufen an den Nagel gehängt. Bei mir wurde eine Osteochondrosis der Talusrolle (Sprunggelenk; die Red.) festgestellt, die zu beständigen, sehr leichten bis starken Schmerzen bei Belastung führt. Ich bin aber erst 30 Jahre alt. Kann ich wirklich nie wieder laufen?
In Sorge, Jule

Liebe Jule,
die Frage ist, wie viel Belastung Ihr Knochen und wie viel Unannehmlichkeit Sie vertragen. Manchmal kann man das Training so dosieren, dass die Beschwerden sich in Grenzen halten. Deswegen empfehle ich Folgendes: Versuchen Sie zuerst, alle Umstände zu optimieren, um die Belastung so gering wie möglich zu halten: geeignete Laufschuhe, fester Trainingsuntergrund, ebene Strecken. Probieren Sie danach durch kurze Trainingsläufe von zehn bis maximal fünfzehn Minuten, ob Sie beschwerdefrei laufen können. Laufen Sie zuerst jeden zweiten oder dritten Tag. Erhöhen Sie danach allmählich und vorsichtig das Pensum. Wenn jeder Lauf zu anhaltenden Schmerzen führt, werden Sie nach alternativen Sportarten suchen müssen.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo