Achilles Ferse Rentner auf Speed
Laufend im Unruhestand: Auch Rentner können noch die Joggingschuhe schnüren
Foto: dpa
Lieber Herr Karraß,
mein Vater ist 71 Jahre alt und möchte nun mit dem Laufen beginnen. Er war schon immer aktiv, macht regelmäßig lange Radtouren (um 70 Kilometer), geht wandern, und seit einigen Jahren macht er Nordic Walking. In seinem Alter finde ich diese Sportart akzeptabel. Er ist körperlich fit und auch gesundheitlich ohne Probleme. Was muss er, speziell in seinem Alter, beachten, wenn er mit dem Training beginnt, zumal er alleine und ohne Anleitung, startet, weil der geplante Laufkurs im Winter leider ausfällt?
Danke und viele Grüße, Carla
Liebe Carla,
Waldemar Cierpinski ist 58 Jahre alt, zweifacher Marathon-Olympiasieger und einer der besten Läufer aller Zeiten. Auf
Achilles TV gibt er Ratschläge für ältere Sportler. Wie immer und überall gilt auch für Senioren: Es ist praktisch nie zu früh für Überbelastungen, daher oberstes Gebot, langsam anfangen, kontinuierlich steigern und den Spaß behalten.
Gruß an den Herrn Papa, Achim
Liebe Carla,
zuerst bekommt man ja immer einen Schreck: Huch, ein Rentner will rennen? Man sieht einen hageren, superdünnen Mann mit schütterem Haar, völlig kreideweiß und verschwitzt aus dem letzten Loch pfeifend in sein koronares Verderben rennen. Und alle rufen: Achtung, nicht machen! Das ist nur dann ein guter Reflex, wenn er hilft, ältere Nachwuchsläufer vor einem Risiko zu bewahren. Der erste Weg führt immer zu einem lauffreundlichen Arzt, der ein Belastungs-EKG macht, den Blutdruck misst und sich ein wenig die orthopädischen Eigenheiten ansieht. Der Beginn sollte eher eine Unterforderung darstellen als ein echtes, hartes Training. Die maximale Anzahl der Trainingtage pro Woche würde ich bei vier ansetzen, die Regenerationszeit ist sehr wichtig und im Alter leider länger als bei den jungen Hüpfern. Die Steigerung der Streckenlänge muss moderat erfolgen. Wobei beim vergangenen New-York-Marathon die ältesten Teilnehmer 89 Jahre alt waren und unter sieben Stunden gefinisht haben. Das macht ein Tempo von sechseinhalb Stundenkilometern - Respekt! Um den Papa wirklich richtig gut zu betreuen, müsste ich allerdings noch ein wenig mehr wissen. Vielleicht meldet er sich ja bei uns mal?
Viele Grüße, Jens Karraß
Hallo Experten,
ich laufe seit etwa neun Monaten wieder regelmäßig zwei- bis dreimal die Woche. Einmal 20 Kilometer und zwei mal zehn Kilometer. Nach und während dem Zwanziger habe ich seit einiger Zeit Schmerzen an der Fersensohle beim Auftreten, als hätte ich einen größeren Stein im Schuh. Da ich stilistisch recht betont zuerst mit der Ferse aufsetze, verfalle ich dann in asymetrisches Hinken, weil ich die Ferse unbewusst schonen will. Äußerlich ist nichts zu sehen oder zu ertasten. Der Schmerz scheint möglicherweise vom Fußknochen zu kommen. Die Schuhe sind sechs Monate alt und haben mir bis jetzt keine Beschwerden gemacht. Was mag das sein und wie werde ich es los?
Vielen Dank, Jens
Lieber Jens,
Du solltest erstmal herausfinden, was für ein Fußtyp du bist.
Hier erfährst du, wie das geht. Zweitens sind 20 Kilometer am Stück schon eine stramme Strecke. Da brauchst du ohnehin bald ein paar neue Schuhe. Versuche einfach eine andere Marke, und schon weißt du, ob es vielleicht doch am Material liegt. Denn neun Monate bedeuten 36 Wochen mal 40 Kilometer = 1440 Kilometer Laufleistung. Da ist ein neues Paar durchaus fällig. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Jungs in den Lex-Läden gut beraten und Schuhe sogar zurücknehmen, wenn du nach einem langen Lauf feststellen solltest, dass du mit den Schlappen gar nicht zurechtkommst.
Besten Gruß, Achim
Lieber Jens,
deine Ferse und deine Fußform sollten von einem sportbegeisterten Orthopäden untersucht werden. Vielleicht können Einlagen Abhilfe schaffen.
Beste Grüße, Dirk Pajonk
Lieber Jens,
im ersten Stadium empfehle ich dir kürzer zu treten. Wenn du eine kurzzeitige Überlastung erfahren hast, legen sich die Beschwerden wieder. Also verzichte mal einige Wochen zumindest auf den 20-Kilometer-Lauf.
Ich drücke dir die Daumen, Jens Karraß
Lieber Achim,
ich habe mich beim Kaffeeröster mit günstigen Laufklamotten eingedeckt. Die Hose in einem dezenten, eleganten Mausgrau. Nun das Problem: Es scheint sich sämtlicher Schweiß nach etwa 15 Minuten zügigem Lauftempo an einer delikaten Stelle zu zentrieren, Richtung unterhalb des Bauchnabels. Ich sehe also aus, als hätte ich echte Probleme mit der Entsorgung von Flüssigkeit. Sind die Klamotten einfach schlecht? Männer habe ich im Übrigen noch nie mit einer derartigen Schweißkonzentration gesehen. Ist das wieder so eine Ungerechtigkeit der Natur wie Cellulite, die auch nur Frauen trifft? Ich habe mich in der Zwischenzeit mit "Adidas by Stella McCartney" Designer-Joggingklamotten eingedeckt (ganz in Schwarz) und laufe jetzt zwar verarmt, aber schweißfleck- und damit stressfrei durch die Gegend.
Liebe Grüße, Claudia
Liebe Claudia,
ein Label von Stella McCartney, das ist der Fuchsschwanz-Manta unter den Laufklamotten und mithin ein klares Bekenntnis. Ed Hardy würde da vollends harmonieren und Plateau-Treter von Buffalo, die allerdings stark bändergefährdend wirken. Aber in einem Punkt hast du absolut richtig gehandelt: In schwarzen Klamotten sieht der Läufer immer gut aus, jedenfalls solange die Schweißränder nicht getrocknet sind und ihre gelblich-weißen Ablagerungslinien hinterlassen haben. Grundsätzlich gilt: Jeder schwitzt anders.
Besten Gruß, Fashion-Victim Achim