Achilles' Ferse: Wald, Wurzeln, Whisky - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Wald, Wurzeln, Whisky

Einmal quer durch Schottland: Achilles-Fan Ursula erkundete in ihrem Urlaub das Land der Hügel und Moore - laufend. Zu siebt ging es über Stock und Stein, durch Flüsse und an Loch Ness vorbei auf die insgesamt 146 Kilometer. Die Belohnung am Ende des Tages fiel landestypisch flüssig aus.
Schottischer Whisky: Belohnung am Ende des Lauf-Tages
Schottischer Whisky: Belohnung am Ende des Lauf-Tages

Schottischer Whisky: Belohnung am Ende des Lauf-Tages

Foto: Jeff J Mitchell/ Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Damit in den Ferien gar nicht erst Laufentzug aufkommen konnte, habe ich dieses Jahr einen Laufurlaub gebucht: Den "Run across Scotland", ein Rennen von Inverness an der Ostküste bis zur Isle of Skye an der schottischen Westküste . Los ging es an einem Sonntagmorgen am Bahnhof von Inverness. Wir waren ein überschaubares Grüppchen: Von zwölf angemeldeten Läufern hatten es nur sieben bis zum Start geschafft. Dazu drei Begleiter und ein Busfahrer, individuelle Betreuung war also angesagt. Kurze Fahrt bis zur Küste, dann schnallten wir unsere Laufrucksäcke um und liefen los.

Zum Lunchstop wartete der Minibus an der Strecke, beladen mit Thermoskannen, Keksen und sonstiger Verpflegung. Heiße Getränke waren sehr willkommen - erstaunlich, wie schnell man zu frieren anfängt, sobald man steht. Und wie schwer es ist weiterzulaufen, wenn man sich erst mal in einen schön beheizten Bus gesetzt und ein Brot gegessen hat. Mit steifen Beinen hoppelten wir weiter, was sich auch lohnte. Loch Ness lag vor uns, und wir sahen sogar das berühmte Monster: Ein Beton-Nessie grüßte vorm "Monster Hotel" in Drumnadrochit. Am Abend, nach 33 Laufkilometern, stand keinem mehr der Sinn nach Erkunden. Dusche, Bar, Abendessen und der Whisky des Tages, ein Bunnahabhain.

Am zweiten Tag wurde es wilder, von Drumnadrochit ging es nach Tomich. Unser Guide, Jon, früher britischer Champion im Orientierungslauf, führte uns auf einen kaum erkennbaren Pfad in tiefen Morast. Wir schlurften über eine gut und garantiert natürlich gedüngte Schafwiese, dann kletterten wir über einen Zaun. Jetzt galt es, nicht im Moor stecken zu bleiben. Was Mitläuferin Amanda aber prompt passierte - mit einem saugenden Platsch hing sie fest. Die nächsten Minuten kämpfte sie darum, ihr Bein, möglichst mit Schuh, wieder aus dem Schlamm zu ziehen. Kaum hatte sie das geschafft, fiel sie schon wieder hin - diesmal vor Kichern.

Apfelspezialitäten und röhrende Hirsche

Dennoch: Es war dann fast schade, als wir in Tomich ankamen. Ein Ort im Nirgendwo, ziemlich klein, noch mit einer alten, roten Telefonzelle, die nur Münzen nimmt. Beim Abendessen schwingt mein Appetit so langsam auf "zünftig" um, die verbrauchten Kalorien müssen ja schließlich wieder reingeschaufelt werden. Apple Crumble and Custard (gekochte Äpfel, mit Streuseln überbacken, dazu eine Art Vanillesauce) kann ich als Nachtisch nur empfehlen. Whisky des Tages: 16 Jahre alter Scapa.

Am Morgen des dritten Tages weckte uns ein Geräusch, das zunächst wie das Muhen einer Kuh klang. Doch es waren röhrende Hirsche - wo sonst wird man von solch einem Konzert aus den Träumen geholt? Nach dem Frühstück stand nur ein kurzer Lauf an, 15 Kilometer. Es nieselte, aber die nebelige Atmosphäre hatte auch ihren Reiz. Nach einem Ausflug zu einem Wasserfall verging der Rest des Nachmittags so richtig hundegemütlich mit einem Buch vor dem Kamin. Dafür ging es nach dem Abendessen umso lebhafter zu. Unsere Guides zeigten musikalisches Talent, Ingrid am Saxofon, Andy, unser Fahrer, an der Gitarre. Das war klasse! Whisky des Tages war ein 16 Jahre alter Lagavulin.

Die Brücke am Fluss

Tag vier sollte der härteste werden. Es ging über die Strecke des "Highland Cross", ein kombinierter Lauf- und Radwettkampf, der als ausgesprochen "tough" bekannt ist. Anfangs versuchten wir noch, den Schlamm zu umgehen, die Schuhe hätten ja schmutzig werden können. Doch die Rinnsale auf dem Weg wurden immer breiter, und bald standen wir vor einem Fluss. Brücke? Keine gesehen. Also ab ins Wasser und nass werden bis zu den Oberschenkeln. Sehr erfrischend, sicher gut für die Muskeln. Als wir am anderen Ufer den Fluss hinab blickten, sahen wir dann gut 200 Meter weiter die Brücke … Nun ja, die war nur was für Weicheier, beschlossen wir und joggten weiter.

Mit Laufen hatte die Strecke jetzt allerdings nicht mehr viel zu tun, eher mit Bergwandern. Der kleine Pfad, auf dem wir liefen, war eher ein Flussbett, Wasser lief uns entgegen. Ich schaltete auf "Wandermodus" um, es war mir zu doof, durch die Gegend zu rutschen und zu stolpern. Lieber langsam laufen und dafür die tolle Landschaft genießen. Am Abend feierten wir Ingrids Geburtstag mit einem riesigen Schokokuchen, von dem nach dem mächtigen Abendessen kaum einer noch ein Stück schaffte - der Rest kam in die Lunchpakete für den nächsten Tag. Whisky des Tages: 15 Jahre alter Bowmore.

Wegvielfalt und "Eisbad"

Der fünfte und letzte Tag wurde zum Tag der Kontraste - was die Wegbedingungen anging. Es fing mit einem kurzen Stück Straße an, was mir nur recht war. Nach der Tour am Vortag hatte ich nichts gegen Asphalt. Später ging es an einer - für schottische Verhältnisse - belebten Autostraße weiter. Nicht so prickelnd. Und als wir wieder auf einen Pfad wechselten, verschwand dieser bald zwischen Wald und Wurzeln. Ich stolperte durch die Gegend und hatte jede Menge "Fast-umgeknickt"-Erlebnisse. Doch dann sahen wir in der Ferne die "Skye Bridge", unser Ziel. In Kyle of Lochalsh warteten wir bis alle angekommen waren - die letzten paar Kilometer wollten wir gemeinsam laufen. Ganz langsam, jeden Moment genießen - und dann waren wir da. Andy wartete mit Schampus - klar, es wurde angestoßen.

Am Hotel gönnten sich ein paar von uns zur Feier des Tages noch ein "Eisbad" für die Beine und wateten durchs Meer. Die Gesamtstrecke betrug 146 Kilometer. Nicht schlecht für fünf Tage. Alle aus der Gruppe hatten es geschafft, sogar verletzungsfrei. Abgesehen von ein paar Zehennägeln weniger.