Achilles' Ferse Warten auf das Wunder
Hallo Achim,
während meiner Marathon-Vorbereitung habe ich mir mehrere kleine Muskelfaserrisse zugezogen. Das Rennen konnte ich vergessen. Der vom mir befragte Orthopäde geht von acht Wochen Pause aus. Frage: Geht's nicht schneller? Fußballer stehen auch nach gut 14 Tagen wieder auf dem Platz.
Danke, Peter
Lieber Peter,
es gibt Fußballer, die erst nach einem Vierteljahr wieder trainieren können. Es gibt auch Fußballer, die nach drei Wochen auf dem Platz stehen und mit 30 ihre Karriere beenden müssen. Ihre Muskelfaserrisse kamen nicht aus heiterem Himmel. Ungeduld im Training führt zu Verletzungen. Und Ungeduld bei Verletzungen führt zu chronischen Beschwerden.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo
Hallo Jens,
in der Kolumne vom 19. Mai sprachst du vom Mikrozyklus. Das klingt gut, ich möchte es gerne ausprobieren. Zum Ablauf habe ich Fragen:
1. Tag: Tempo, aber nicht zu viele Kilometer.
Heißt das für einen, der 10 Kilometer in 55 Minuten läuft, dass er 5 Kilometer mit viel mehr Speed hinlegt?
2. Tag: mittleres Tempo und lang.
Könnte das heißen: 13 bis 15 Kilometer in 80 Minuten?
3. Tag: Entspannung.
Ich habe keine Ahnung, was Länge oder Zeit angeht. 10 Kilometer in 65 Minuten?
Danke für deine Tipps, Daniel
Hallo Daniel,
auf geht's:
1. Tag: Auf lockeres Einlaufen folgt die Tempoeinlage. Das können 400-, 500-, 1000-, 2000-Meter-Läufe sein, wobei für den Anfang gilt: je kürzer, desto schneller. Und: je schneller, desto längere Pausen. Umgekehrt gilt bei vielen nicht ganz so schnellen Läufen: kürzere Pausen. Zum Beispiel machst du bei 3 Läufen à 1000 Meter in 4 Minuten je 5 Minuten Pause, bei 8 Läufen à 4:30 Minuten nur 3 Minuten Pause. Wichtig ist, dass du am ersten Tag deutlich höhere Geschwindigkeiten trainierst als sonst.
2. Tag: 70 bis 90 Minuten klingt überzeugend, dabei mit gutem Gefühl zügig laufen.
3. Tag: 30 Minuten lockeres Joggen reichen. Alles soll sich entspannen, vor allem die Muskulatur.
Viel Spaß dabei, Jens Karraß
Hallo Achim,
neulich habe ich mich dazu durchgerungen, meine läuferischen Fähigkeiten nach langjähriger Abstinenz wieder mal zu testen. Drei Tage später kann ich meine Beine immer noch nicht wieder schmerzlos bewegen. Warum? Schließlich bin ich ein aktiver Radler, der ohne Probleme 100 Kilometer zurücklegt, gern mit Bergankunft. Da sollten doch fünf Kilometerchen zu Fuß zu überstehen sein. Werden beim Radfahren vielleicht andere Muskeln trainiert als beim Laufen?
Sportlicher Gruß, Jonas
Jonas, alter Schlauberger,
jetzt stellen wir uns mal ganz dumm: Was ist der Unterschied zwischen Laufen und Radfahren? Na? Richtig: Beim Laufen knallt ein Mehrfaches deines Körpergewichts bei jedem Schritt auf die Beine, beim Radfahren hockst du auf dem Sattel und die Beine kurbeln. Unphysiologisch gesprochen ist es ein Unterschied wie zwischen Känguru (Sprünge) und Hamster (Laufrad). Und der ist für laufentwöhnte Beine einfach nur schmerzhaft. Triathleten üben im so genannten Koppeltraining genau diesen Wechsel. Versuch's doch auch mal. Tut schön weh.
Ohne Mitleid, Achim
Geehrter Achim,
meine Frage ist ganz einfach: Stellt ein Marathon für die Gelenke eine so große Belastung dar, dass man unter 18 Jahren keinen 42er absolvieren sollte? Ich bin 15 Jahre alt und hatte vor, nächstes Jahr, mit 16, beim Marathon in Hannover zu laufen. Doch ich erfuhr jetzt, dass ein Start erst ab 18 möglich ist. In meinen Kopf ging anfangs nicht rein, dass ein Sportbund seiner Jugend verbietet, an solchen Wettkämpfen teilzunehmen - bis ich dann irgendwo aufschnappte, dass die Belastung doch so groß ist, dass das einem wachsenden Körper nicht gut tut (meine Ziele in Sachen Höhe sind hochgesteckt, will also kein Risiko eingehen).
Grüße, Ruben
Lieber Ruben,
die Fachorganisationen haben 18 Jahre als Grenze für die Teilnahme an einem Marathon festgelegt. Diese Regelung ist aus mehreren Gründen vernünftig. Der Marathon ist kein Sonntagsspaziergang und setzt ein vernünftiges, ausgedehntes Training voraus. Bei vielen Jugendlichen ist der Halteapparat noch nicht vollständig entwickelt. Vom Herzen und Kreislauf her können sie das Training sogar besser als ein Erwachsener vertragen, eine starke Belastung über längere Zeit kann jedoch zu Verschleißerscheinungen und Verletzungen führen. Warum das Risiko eingehen, sich zu verletzen? Genauso wichtig ist die Motivation. Eine Marathon-Teilnahme sollte kein kurz- sondern eher ein mittel- bis langfristiges Ziel sein. Wenn man bereits mit 16 Jahren den Marathon läuft, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass einem die Lust mit 19 vergangen ist. Gedulde dich also noch gut zwei Jahre, arbeite am Tempo über die halbe Distanz und zeige mit 18 allen, was du kannst.
Gruß, Dr. Fernando Dimeo