Achilles' Ferse: Weg mit dem Wecker! - DER SPIEGEL
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Achilles' Ferse Weg mit dem Wecker!

Wenn der Puls den Takt vorgibt: Statt sich sklavisch vom Minicomputer am Handgelenk das Tempo vorgeben zu lassen, empfehlen Achim Achilles und sein Team mehr Gefühl und Spaß beim Laufen. Nach Verletzungspausen heißt es hingegen: Ab in die Laufschule!
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hallo Achim,
ich (38) bin seit etwa 20 Jahren Läuferin, laufe aber weder besonders schnell noch lang (zwei- bis dreimal pro Woche 9 bis 14 Kilometer). Anfang Januar habe ich mir bei einem Sturz vom Rad zwei Mittelfußknochen gebrochen sowie die Außenbänder und ein Innenband verletzt. Behandelt wurde ich mit sechs Wochen Ruhigstellung. Jetzt ist der Gips ab, der Fuß schmerzt noch und mein Bein ist ziemlich dünn geworden. Ich habe nun wieder mit Vollbelastung begonnen und mache im Moment Physio, Wassergymnastik und radele auf dem Hometrainer. Frage: Wann kann ich wieder mit dem Lauftraining anfangen? Wie sollte ich es angehen? Sollte ich vor dem Einstieg ins Laufen erst die Muskulatur des verletzten Beines und Fußes gezielt trainieren. Wenn ja, wie?
Für Rat dankt Sigrun

Liebe Sigrun,
wichtig ist vor allen Dingen, dass du nicht erwartest, dass du mit der Belastung wieder da anfängst, wo du vor der Verletzung aufgehört hast. Im Rahmen der Physiotherapie sollte zuerst sogenanntes propiozeptives Training durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um Stabilitätsübungen für Fuß und Sprunggelenk. Später sollte dann eine Laufschule erfolgen, zum Beispiel auf einem Laufband. Bei Beschwerdefreiheit würde ich dann mit dem Lauftraining beginnen, in dem du eine Minute gehst und eine Minute langsam läufst - und das sechs- bis achtmal im Wechsel. Bei Beschwerdefreiheit kannst du die Belastung weiter steigern.
Beste Grüße, Dirk Pajonk

Liebe Sigrun,
auch hier mein Oma-Tipp: Aqua-Gymnastik . Die kühlt, stärkt die Muskeln, entlastet die Gelenke - voll propiozeptiv.
Beste Genesungswünsche von Achim

Hallo Jens,
ich habe folgendes Problem: Bin 32 Jahre alt und wiege zur Zeit 100 Kilogramm. Im Winter bin ich drei- bis viermal pro Woche laufen gegangen. Davor habe ich neun Monate lang auf dem Crosstrainer trainiert und 16 Kilogramm abgenommen. Jetzt fühle ich mich sehr wohl beim Laufen und kann locker ein bis zwei Stunden am Stück durchhalten. Ich habe mit viel Elan den Kilos abgeschworen und will mal einen Halbmarathon laufen. Ich musste aber feststellen, dass ich trotz der langen Dauer, die ich laufen kann, extrem langsam bin. Wenn ich möchte, dass mein Puls nicht über 150 geht, schaffe ich pro Stunde etwa sechs Kilometer. Bei der Zeit würde man mich allerdings bei allen Veranstaltungen aus dem Rennen nehmen. Das hat mich schon sehr demotiviert. Ich bin doch schon recht fit, wenn man bedenkt, dass ich so lange am Stück laufen kann. Ist es das Gewicht, oder was denkst du?
Vielen Dank für deine Mühe, Mark

Lieber Mark,
schmeiß die Pulsuhr weg und lauf mal so, wie es dir Spaß macht.
Besten Gruß, Achim

Hallo Mark,
traue dich mal, etwas kürzere Läufe zu machen, wo es dir aber gelingt, von diesem recht langsamen Tempo wegzukommen. Das kann statt einem Lauf über zwei Stunden einer über eine Stunde sein. Nimm dir für zwei Minuten vor, schneller zu laufen, dann einige Minuten zu gehen beziehungsweise langsam zu laufen und dann wieder drei Minuten schnell. So ähnlich wie Laufanfänger das Laufen überhaupt minutenweise üben, kannst du nun das Schnell-Laufen trainieren. Nur so wirst du aus dem langen, recht langsamen Trott herauskommen. Jede Strecke (ob 100 Meter oder ein Kilometer), die du flotter zurücklegst, kann dein Start in ein schnelleres Läuferleben sein.
Viel Spaß dabei, denn den macht die zügige Rennerei garantiert!
Dein Jens Karraß

Hallo Herr Pajonk,
da laufe ich (weiblich, 34 Jahre alt, 58 Kilogramm) nun schon seit vielen Jahren und seit diesem Jahr unter Online-Anleitung von Jens Karraß. Und mal wieder wurde mein Puls bemängelt! Der Maximalpuls  lag im Training im vergangenen Jahr auch mal bei 207, den Halbmarathon bin ich letzten Sommer im Schnitt bei 192 gelaufen und das bei einem insgesamt angenehmen Tempo von sechs Minuten pro Kilometer. Das entspricht meinem Grundlagentempo in langen Läufen, und der Puls liegt da häufig mal bei 175. Mich persönlich stört der Puls auch nicht - aber den Trainer! Erst ab 180 wird es für mich auf Dauer unangenehmer. Kardiologisch habe ich das letzten Sommer untersuchen lassen. Zumindest organisch ist alles okay. Man findet immer mal wieder das Wort Hochpulser. Ist da was dran? Was soll ich machen?
Ich mache alles - aber nicht aufhören zu laufen!
Gruß, Nele

Liebe Nele,
hast du mal überlegt, nach gutem Gefühl zu laufen? Warum glaubst du diesem Plastikwecker mehr als deinen inneren Instrumenten? Weg mit der Uhr, rein ins Lauf-Vergnügen.
Besten Gruß, Achim

Liebe Nele,
Sicherheit gibt in dem Fall nur eine Leistungsdiagnostik, bei der die Herzfrequenz mit der Laktat- und Milchsäureproduktion korreliert wird. Dadurch kann festgestellt werden, ob du bei der von dir erreichten Pulsfrequenz auch in dem für dich optimalen Trainingsbereich liegst. Lass am besten einen Laktattest durchführen .
Beste Grüße, Dirk Pajonk