Achilles' Verse Ausflug in den Puma-Käfig
Es soll ja Menschen geben, die viel Geld bezahlen, um an getragenen Sportsocken riechen zu dürfen oder sich in eine luftdichte Pelle einschweißen zu lassen, um fortan bei niedriger Temperatur im eigenen Saft zu garen.
All diese Wünsche wurden im Sportjahr 2011 wahr, im Spätsommer in einem schnuckeligen Umkleidezelt beim Steglitzer Halbmarathon. Nicht alle haben von diesem Ausflug in den Puma-Käfig geträumt. Aber wer nicht auf der Straße strippen will, der muss nun mal da rein: zu etlichen Sportsfreunden, von denen jeder seinen ganz eigenen Charakterduft trägt, das Aroma von Höchstleistung, von Hormonfluten und Wassersparern.
Von außen sieht das Zelt normal aus, ein Mehrbettmodell zwischen Pfadfinderlager und Lazarett, mustergültig vom THW abgespannt. Kaum hat sich der Genießer durch den Spalt gezwängt, wird klar: Die Hölle ist näher als man dachte. Der Mann mit dem Hammer wartet nicht erst bei Kilometer zwölf, sondern schon direkt am Zelt-Eingang. Augenblicklich brennen die Augen, das Herz rast, Nase und Lunge röcheln um Gnade. Durch den Tränenschleier werden Konturen sichtbar: dürre Gestalten, durchweg hühnerbrüstig, die Flusen zwischen ihren schwarzen Zehen hervorholen und liebevoll begutachten.
Schweißrandringe verschiedener Altersklassen an der Kleidung
Deutschland hat ein Unterhosenproblem, auch dort, wo der Athlet ein geräumiges Feinripp-Zelt unter die enge Laufhose stopft. Schweißrandringe verschiedener Altersklassen zieren die Textilien. Vom ewigen Waschen werden die sensiblen Funktionsfasern eben unnötig belastet.
Der Laie denkt, dass nach dem Rennen die deutlich prägnantere Note dominiert. Schließlich haben die Herrschaften ja mächtig transpiriert. Stimmt aber nicht. Da viele Sportsfreunde duschen für entbehrlich halten, steht schon vor dem Start der Duft der kleinen, nahen Körperfaltenwelt im Zelt. Jene markante Sorte, die nicht nur in der Nase, sondern wegen der muffigen Bitternis bald auch auf der Zunge liegt und für spontane Kreislaufprobleme verantwortlich zu machen ist.
Nach dem Zieleinlauf wiederum sind die alten Partikel weitgehend weggeschwitzt, sie sind einfach auf der Strecke geblieben, was für deutlich feuchtere Wärme im Zelt sorgt - vor allem, wenn drei Dutzend Sportsfreunde die Socken gleichzeitig ausziehen. Frischschweiß ist der leichte Riesling unter den Körpersäften, während Altschweiß eher ranzigem Butterbier entspricht.
Wer hier überlebt, wer Nachbars Socken keine 20 Zentimeter entfernt wedeln sieht, wer von klebrigen Oberkörpern gerempelt wird und den gleichen Boden barfuß betritt wie Kollege Pilzfuß, der weiß: Nicht Marathon ist die Leistung des Jahres, sondern Männer-Umkleide. Hier schweißt zusammen, was zusammengehört.
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