Achilles' Verse Brillen? Viel, Mann!
Heißa, die Panik ist wieder da. Wie vorm Marathon. Schöne echte ehrliche nackte Angst. Diesmal nur viel mehr. Soviel neues. Triathlon meint abtrocknen, zweimal umziehen, Schuhe wechseln. Gestern mal probehalber im Garten aus dem Neo gepellt, mit einem Fuß in dem verfluchten Gummiteil stecken geblieben und wie eine Bahnschranke auf den Rasen gekippt. Mona hat sich schlapp gelacht. Welcher Idiot hat eigentlich Foto-Handys erfunden?
Klaus-Heinrich sagt, das Schlimmste am Triathlon seien die Wechsel, vor allem der vom Rad zum Laufen. Das ist natürlich Unsinn. Klaus-Heinrich ist einfach nur ein elendes Sensibelchen und horcht ständig auf jede Faser im Leib. Hätte er prächtige Läufermuskeln wie ich, würde ihm das bisschen Wechseln nichts ausmachen.
Sicherheitshalber mache ich heute trotzdem noch mal Spezialtraining. Acht Kilometer Rad auf dem Kronprinzessinnenweg, dann einen Kilometer laufen, wieder acht auf dem Rad, noch mal laufen, solange, bis ich was merke. Also stundenlang. Gewechselt wird im Kofferraum auf dem Parkplatz Hüttenweg.
Das Schönste am Triathlon ist die Materialschlacht. Für ein Stündchen Training braucht man einen kompletten Kombi voll Klamotten. Und hat immer noch nicht genug. Rad-Schuhe mit Klötzen, dazu leichte Laufschuhe für Achims Gazellensprint, und die Adiletten für hinterher.
Aber welche Socken? Müssen ja für beide Disziplinen taugen. Die bunten Asics-Tukan oder Gore clima control? Sicherheitshalber beide. Und die Falkes RU 4 noch dazu. Dann der Strauß Hosen: Kann man besser mit einer Radhose laufen oder mit einer Laufhose Rad fahren?
Mütze oder Piratentuch? Dazu natürlich Werkzeug. Ersatzschlauch. Die Standluftpumpe. Handtuch. Und Verpflegung. Eine Flasche Carboload, eine mit Magnesium-Konzentrat und eineinhalb Liter französisches Designer-Eau zum Füßewaschen. Brillen? Viel, Mann! Heute mal die schwarze, wie Lance. Warum sind diese popeligen Plastikdinger eigentlich so teuer, Herr Oakley? Hört er leider nicht. Ist gerade auf seiner 60-Meter-Yacht im Champagnerpool ertrunken.
Am Hüttenweg ist die Hölle los. Walker-Alarm. Skater mit Kinderwagen. Radrennfahrer, die fluchend durch die Menge schneiden. Rentner mit Kniestrümpfen auf Hollandrädern. Autos. Geschrei. Halbnackte Tattoo-Elsen. Warum arbeiten all diese Faulpelze am helllichten Tag eigentlich nicht? Stellen sich wohl alle schon auf Kanzler Oskar ein. Doppelte Kohle für gar keine Arbeit mehr.
Quetschungen in der Delikatessenabteilung
Ich friemle Rolands öligen Renner zusammen. Jede Bewegung sitzt. Wie bei Eule, dem Masseur von Ulle. Naja, fast. Der Sattel ist zu hoch. Ich habe drei Dutzend Inbusschlüssel dabei. Die Hälfte davon ist von Ikea. Und der einzig passende liegt zuhause. Ich fürchte Quetschungen in der Delikatessenabteilung. Diskretes Ordnen des Rennhoseninhalts mit Kettenfettflossen. Wie erklär' ich Mona bloß die schwarzen Flecken?
Ab auf die Piste. Als erstes drei eiernde Skater umkurvt. Von hinten surrt ein Schwarm Renner heran. Die haben mindestens 40 Sachen drauf. Ich hinterher. Windschatten. Kopf runter. Dranbleiben, Achim, einfach dranbleiben. Wir fliegen. Hirnpulspochen. Nach sieben Minuten ist die Rennstrecke am Ende. Ich auch. Die Jungs fahren weiter Richtung Glienicker Brücke. Ich im Regenerationstempo zurück.
Wechseln. Rolands Vorderrad raus, die Karre ins Auto. Radschuhe aus. Laufschuhe an. Einen Schluck aus der Carbo-Pulle. Renn, Laufhamster, renn! Irgendwie fühlen sich die Beine anders an als sonst. Wackeliger. Sollte das von den paar Minuten auf dem Rad kommen? Ach Quatsch. Aber vorsichtshalber nicht so lange laufen. Zurück an den Kofferraum. Rad raus. Schuhe gewechselt. Kaltes klares Wasser.
Zurück auf die Straße. Skatende Blagen anpöbeln. Das baut auf. So richtig rund will der Tritt nicht werden. Das ist wohl das Tückische beim Wechsel-Training: Das Radfahren tut vom Laufen weh und umgekehrt. Eigentlich sollte ich jeweils fünf Mal trainieren. Das wären immerhin 40 Kilometer Rad und 5 Kilometer Laufen. Aber heute ist es zu heiß. Und zu voll. Zuviel Ozon in der Luft. Und Steinchen im Schuh, von der blöden Wechselei. Übertraining ist ganz gefährlich, und so schnell passiert. Damit ist nicht zu spaßen. Jetzt erstmal ein Bier. Heißt schließlich Holsten-Cityman.