Achilles' Verse Der Teutonen-Tourist
Deutscher Tourist: Im Sprint zum Obstsalat
Foto: JAIME REINA/ AFP
Im Stau
Während die Fahrer der Wohnwagengespanne unruhig aufs Lenkrad trommeln, nutzt der deutsche Ausdauersportler das Stop-and-Go für ein paar flotte Intervalle auf dem Standstreifen. Leider interpretiert er das nahende "Tatütata" hinter sich als Anfeuerung.
Am Frühstücksbuffet
Der trainingsfleißige Teutone startet noch vor Sonnenaufgang mit leerem Magen
zum Fettverbrennungslauf. Pünktlich zehn Minuten vor Öffnung des Frühstücksbuffets ist er wieder zurück. Trabt vor der mit mehreren Ketten gesicherten Glastür zum Speisesaal auf der Stelle wie daheim an der Ampel. Sichert sich mit sattem Sprint sowohl den Obstsalat, die kleine Schale Nüsse als auch sämtliches Rührei.
Am Pool
Unser Musterathlet gewinnt schlagartig viele neue Freunde, weil er nach dem langen Lauf in der staubigen Mittagshitze samt Hemd, Kompressionshose, Kniestrümpfen, Trinkrucksackmundstück und weißen Knübbelchen im Mundwinkel in den Hotelpool hechtet. Die lästigen Dreckstreifen an den Innenwaden sind allerdings hartnäckig und werden ins weiße Handtuch gerieben, das er vor Trainingsbeginn über drei Liegen gleichzeitig gespannt hat. Die angewiderten Blicke von Spaniern, Italienern, Iren, Portugiesen und Griechen kontert er lässig mit der Frage, wer denn den nächsten Euro-Rettungsschirm zahlt.
Sein Balkon
Sofort zu erkennen, weil er die Blumenkästen abgehängt hat, um allerlei Laufklamotten über der Brüstung abtropfen zu lassen. Manche rasch durchgewaschen, andere pool-nass, einige aber auch mächtig verschwitzt. Genau diese Socken fallen auf den Balkon der Nachbarn darunter, die umgehend einen Kammerjäger rufen.
Im Wellness-Bereich
Um die Regeneration zu fördern, müsse man direkt nach dem Training in die Wärme, hat unser Sportsfreund gelesen, weshalb er sich direkt vor der Saunatür aus seinen Klamotten schält, pünktlich zum Aufguss, wenn alle Hotelgäste rein wollen, sich aber keiner an dem atemlosen Athleten vorbeizudrängeln traut. In der Eile hat er leider ein Handtuch vergessen und die Flipflops, weshalb er mit den Laufschuhen in die Wärmestube schlurft. Man will sich ja nichts holen. Streckt sich über eine von zwei Bänken, während sich die Mitsaunierer auf der anderen kauern und angeekelt verfolgen, wie er die Schuhe auszieht, hingebungsvoll seine Zehenzwischenräume entflust, um zum Abschluss ein paar Stretch-Übungen zu vollführen.
Beim Abendbuffet
Unser Feriensportler treibt das hoch motivierte Personal zur Verzweiflung, weil er Pizza ohne Teig verlangt und Pasta ohne Nudeln (wegen der bösen Kohlenhydrate), dafür eine Schüssel Champions wegen des Chrom-Nachschubs. Veranstaltet eine Riesensauerei, da sich sein Amino-Pulver im kostenfreien Tischtafelwasser nicht so recht auflösen will. Weil er permanent frisches Eis zum Kühlen seiner gestressten Beine bestellt, fallen Aperol Spritz und Margerita für die anderen Gäste leider aus.
Auf dem Zimmer
Die armen Mädchen vom Service können gar nicht so schnell die Laken wechseln, wie unser Top-Athlet sie wieder einsaut, mit Massageöl und Blut von den Rasierwunden.
Am Zoll
Dort fallen die tapferen Beamten reihenweise in Ohnmacht, weil unser Sportsfreund seine durchgeschwitzten Klamotten vom Abschlusstraining (einmal um den Airport) ganz oben in den Koffer gepackt hat, idealerweise luftdicht in einer Plastiktüte verpackt. Leider geht das Gepäck verloren, macht einen Umweg über Tokio und wird erst zwei Wochen später vom Zoll gecheckt. Sofortiger Alarm. Unser Athlet verklagt die Bundesrepublik wegen der Sprengung seiner kostbaren Laufutensilien.
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