Achilles' Verse: Ronny, der schleimige Lustmolch - DER SPIEGEL
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Achilles' Verse Ronny, der schleimige Lustmolch

Er fummelt beim Lauftreff hemmungslos drauflos, als habe es Alice Schwarzer nie gegeben. Ronny ist nicht schnell, kommt bei den Frauen aber besonders gut an. Achim Achilles findet ihn dagegen widerwärtig - auch wegen der hemmungslosen Hühnertechnik.
Mexikanischer Schwanzlurch: "Für gutes Karma"
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Foto: Z1009 Jan-Peter Kasper/ dpa
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Ronny ist ein schleimiger Klumpen. Jeden Samstag beim Lauftreff sondert er Sülze ab. Ronny kommt nicht zum Laufen, sondern zum Jagen. Bis er sich durch die versammelte Weiblichkeit geknutscht hat, schafft man locker fünf Kilometer. Die richtigen Männer stehen etwas abseits und grinsen, während Ronny genießerisch an allen weiblichen Hüften, Rücken und Hinterteilen herumknetet.

Widerwärtig - Ronny betrachtet Frauen als reine Vergnügungsobjekte. Und sie ihn offenbar auch. Wie im Meerschweinchengehege. Doch statt emanzipierter Gegenwehr erntet der Lustmolch wohliges Schnurren. Die verdammte Frauenbewegung hat uns Männer relativ ratlos hinterlassen. Erst sollen wir uns alles Triebhafte abgewöhnen, dann ist Grabbeln wieder schwer gefragt .

Fummelgedanken sind ja auch nahe liegend. Moderne, quasi durchsichtige Mikrofaserkleidung sorgt dafür, dass man genau sieht, was die Sportkameraden physisch zu bieten haben. Insofern ist ein Lauftreff auch nicht viel anders als ein Campingplatz zu DDR-Zeiten, wo die Brüder und Schwestern gleich ganz auf die Verpackung verzichteten, leider auch beim Volleyball .

Chauvinisten-Schweinkram und Irish-Moos-Wolken

30 Jahre Emanzipation haben uns Männer dressiert, allenfalls verstohlen auf die Frauenleiber in den engen Laufklamotten zu schielen. Despektierliche Bemerkungen machen wir viel leiser als früher. Seit unseren Strickversuchen in der Obersekunda haben wir gelernt, dass Penetrieren eine Vorstufe der Vergewaltigung sei und nur der Gedanke dran bereits Chauvinisten-Schweinkram. Ronny scheint dieser Sozialisationsstufe als einziger Mann entgangen zu sein. Er fummelt hemmungslos drauflos, als habe es Alice Schwarzer nie gegeben.

Dass Ronny naht, spürt man schon mit geschlossenen Augen, an der Wolke Irish Moos. Hält immerhin die Wespen ab. Kuddel hustet demonstrativ. Manni grinst. Aber Ronny merkt nichts. Er verfügt über die Selbstsicherheit eines italienischen Schiffschaukelbremsers, trägt verspiegelte Sportbrille und Stöpsel in den Ohren. Betty und Basy kommen gleich angehechelt und wollen auch mal hören.

In der Disziplin Billigbaggern ist Ronny ganz weit vorn. Das sieht man schon an der Befüllung seiner Laufhose. Der moderne Mann hat ja gelernt, seinen kleinen Freund möglichst dezent in die Shorts zu platzieren, was angesichts der Enge und des hauchdünnen Materials nicht immer einfach ist. Kuddel sieht meistens aus wie ein panischer Köter, weil er sich alle beweglichen Teile zwischen die Beine klemmt. Richtig rund wird der Laufstil damit nicht. Manni sieht aus, als trage er immer zwei Unterhosen unter den Laufklamotten, womit er maximalen Plattdruck erreicht.

Schnell ist Ronny nicht, und auch das kommt gut an bei den Frauen

Ronny dagegen nutzt hemmungslos die Hühnertechnik. Er legt sich offenbar zuhause auf den Rücken, den kleinen Ronny auf den Bauch und den Rest ordentlich nach links und rechts. Und dann schnell die Hose drüber, damit nichts verrutscht. Sieht in etwas so aus, als bunkere er ein Tiefkühlhuhn unterhalb des Bauchnabels. Schön ist das nicht, aber auffällig. In den USA müsste er wegen optischer sexueller Belästigung sofort eine Million Dollar Schmerzensgeld an die Liga lesbischer Walkerinnen zahlen. Die hinterwäldlerische deutsche Frau dagegen kichert angeregt und zeigt unverhohlen auf das Hosenhuhn.

Manni, Kuddel und ich nesteln derweil unauffällig im Intimbereich. Irgendwas ziept ja immer in diesen Fehlfunktionsfasern. Hat Ronny sich endlich durch die Damenwelt gefummelt, laufen wir auch schon los. Schnell ist Ronny nicht, und auch das kommt gut an bei den Frauen. Immer versteckt er sich im hinteren Drittel und tuschelt. Neulich bekam ich mit, wie er von den Leiden berichtete, die ihm sein neues Tattoo eingebracht hatte. Neben dem Snoopy in der Bikinizone, den wir Männer aus der Dusche kennen, hat er sich noch ein besser sichtbares Muster pieken lassen, eine rechteckige blaue Fläche auf der linken Wade, angeblich ein Design von Südsee-Eingeborenen, die offenbar komplett stoned mit Backsteinen sticheln.

"Für gutes Karma", behauptet Ronny. "Sagenhaft", haucht Elfi. Und wir anderen Männer lernen, dass kein Quatsch zu plump ist, als dass man dafür nicht noch bewunderndes Publikum findet. Demnächst wird Ronny ein Sichtfenster in seinen Kompressionsstrumpf schneiden, damit man das Tattoo auch im Winter sehen kann.