Achilles' Verse: Sting in Kittelschürze - DER SPIEGEL
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Achilles' Verse Sting in Kittelschürze

Hier mal drei Thesen zum Laufen: Laufen ist gesund, Laufen macht sexy, Laufen fördert den Familienfrieden. These eins: Sicher. These zwei: Heißen Sie Achim? These drei: Scheitert leider häufig an einem übel riechenden Nebenprodukt der körperlichen Betätigung. Jedenfalls, wenn Sie eine Frau mit optischer Nase haben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frauen riechen ja anders als Männer, aktiv wie passiv. Mona zum Beispiel ist eine optische Riecherin. Das heißt, sie riecht gar nicht, sondern sie sieht etwas, einen Läufer etwa, und schon glaubt sie, ihn zu riechen. Selbst wenn dieser Läufer zwei Minuten zuvor einen Weltrekordversuch im Dauerduschen erfolgreich beendet hätte, würde Mona behaupten, dass er stinkt. Nur weil er in potentieller Müffel-Kleidung daherkommt. Aber kaum kreuzt einer in Nadelstreifen auf. Dann riecht er für Mona automatisch gut, auch wenn er in seinem transpirationsfördernden Kunstfaser-Dreiteiler einen Monat lang im Puma-Käfig genächtigt hat.

Monas optische Nase macht das Leben eines regelmäßig trainierenden Ausdauerathleten zur Hölle. Denn in ihren Augen rieche ich nie gut, egal, wie sehr ich mich um ein optimales Verhältnis von Training und Gutriechen bemühe. Morgens zum Beispiel duscht der zivilisierte Mensch, bevor er sich zum Ausruhen ins Büro begibt. Wenn ich nach dem Aufstehen laufe, schwitze und dusche, gibt es für meine Gattin keinen Grund, mit misstrauischem Dobermann-Blick an mir auf und ab und durch all unsere Räume zu schnüffeln. Sie tut es natürlich doch.

Das Geschnupper ist aber nur ein Vorwand. In Wirklichkeit will Mona, dass unsere Wohnung so aussieht wie im "Architectural Digest", am besten wie Stings Landhaus, das in der letzten Ausgabe mehrfach doppelseitig abgebildet war. Auf den Fotos liegt nichts herum, keine Laufklamotten, aber auch sonst nichts, nicht mal eine Zeitung oder ein Kugelschreiber. Was macht der Mann den ganzen Tag? Kittelschürze an und aufräumen? Wo hat Sting seinen Wäscheständer? Und wo lagert er seine Laufklamotten? Wäscht er sie nach einmal Tragen? Warum stehen derart vitale Informationen nicht in "AD"?

"Überall liegt Dein Krempel rum", sagt Mona und saugt die Luft prüfend ein. Ich stimme "Roxanne" an, meine Paradenummer. Meistens muss Mona dann grinsen. Nur heute nicht. Dicke Luft. Okay, okay, ich gebe zu, hier und da findet sich ein kleines Laufutensil. Aber die riechen nicht, nicht doll jedenfalls, außerdem ist das meiste sowieso so gut wie neu, und wenn es eine eigene Note hat, dann von mir. Frauen mögen das doch, diese herbe, etwas säuerliche, auf jeden Fall aber markante, die unwiderstehliche Mischung aus Männlichkeit, Motorenöl und Malt Whiskey.

Fast alle Bruce-Willis-Filme basieren auf dem Prinzip des optischen Aromas. Wenn er verschwitzt und verschmiert die Welt rettet, kiekst Mona immer ganz aufgeregt. Kaum riecht es bei ihr zuhause wirklich mal so, wird aus den Kieksern Geschrei. Nur weil ich die Laufjacke an die Garderobe gehängt habe. Die habe ich höchstens drei Mal getragen. Und die klitzekleine Kruste am Ärmel ist auch gar kein Schweiß. Die Hochtechnologiefaser wird ja nicht besser vom dauernden Waschen.

Zum Glück gehöre ich zu den vom Himmel beschenkten Menschen mit quasi neutralem Fußgeruch. Also ich rieche jedenfalls fast nichts. Meine fünf Paar Laufschuhe habe ich ganz unauffällig unter die Heizung im Schlafzimmer gestellt, da sieht sie kein Mensch, außer Mona natürlich und seitdem sagt sie, dass das Schlafzimmer stinkt. Also stelle ich die zuletzt getragenen Schuhe ins Fenster. Neulich waren sie verschwunden. "Sind mir doch glatt runterfallen, Achim", sagte sie mit Hexenblick.

Schwieriger wird es mit den Laufklamotten. Nach einem Mal Tragen über 50 Minuten muss man das Hemd und die Hose ja nun wirklich nicht gleich in die Waschmaschine stecken. Kostet ja auch alles Geld. Also hänge ich die Sachen nach dem Sport zum Trocknen auf unseren kleinen Wäscheständer und zwar ganz zufällig zwischen die frisch gewaschenen Sachen, damit Mona nicht sagen kann, es röche komisch. Neulich ist sie mit ihrer Nase wie ein Drogenhund in Tegel ganz flach über den Wäscheständer gegangen und hat jedes Kleidungsstück einzeln abgeschnüffelt. Dummerweise hat sie tatsächlich das just getragene identifiziert, aber garantiert nicht am Geruch, sondern an der Restwärme.

Eine Weile habe ich die Sachen im Badezimmer auf der Handtuchstange trocknen lassen. Aber dann kam Karl und zog das Handtuch von der Leine. Dabei fiel eine Laufhose auf ihn, die auf links gewendet war. Deswegen hat er die Socken nicht mehr gesehen, die hinterher kamen. Karl sagt, die Hose hätte komisch gerochen. Das Kind ist von Mona eindeutig manipuliert, es hat auch diesen Riechtick. Das kommt nur, weil Mona jeden zweiten Satz mit den Worten anfängt: "Riechst Du das auch?" Natürlich riecht das Kind gar nichts, weil da nichts ist. Aber es denkt, es müsste seiner Mutter zustimmen, schon um des Friedens willen.

Zum Glück ist es jetzt trocken, da kann ich die Sachen in den Garten hängen. Dachte ich jedenfalls. Bis mir irgendein verdammtes Vogelvieh einen senffarbenen Haufen mit weißem Rand auf den Kragen meines zartorangenen Profihemdes gesetzt hat. "Vogelscheiße riecht nicht", hat Mona gesagt. Bei nächster Gelegenheit werde ich all ihre Sachen zum Trocknen in den Garten hängen. Und vorher ein Dutzend Meisenknödel in die Kastanie.

Achim Achilles

P.S.: Haben Sie auch Fragen, Anmerkungen, ein Lob für meine einfühlsame Art? Wollen Sie eine Beratung oder gibt es ein Lauf-Thema, das Sie umtreibt? Dann schicken Sie doch einfache eine Mail an meine Adresse.  Ausgewählte Antworten werden ab sofort jeden Donnerstag bei SPIEGEL ONLINE veröffentlicht.

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