Achilles' Verse: Wunderwaffe im Dolly-Buster-Look - DER SPIEGEL
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Achilles' Verse Wunderwaffe im Dolly-Buster-Look

Lästige Trainingsläufe sind endlich überflüssig geworden - "Bosu" sei Dank. Wunderläufer Achim Achilles schwört auf die unbegrenzten Möglichkeiten der Gummikugel, gefährdet damit aber akut den häuslichen Frieden.
Schauspielerin Buster: In Teilen Ähnlichkeiten mit einem Fitnessgerät?
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Foto: STEFFEN SCHMIDT/ ASSOCIATED PRESS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Heute ist endlich das Paket gekommen. Ich habe meinen prächtigen neuen Gummifreund gleich mal prall aufgepumpt. Sieht aus wie ein recyceltes Implantat von Dolly Buster. Seit einer Viertelstunde balanciere ich bereits fehlerfrei auf dem Wabbelding herum. Telefonieren, lesen, fernsehen, essen - alles geht, außer Laufen. Stehen ist ja auch mal schön.

"Bosu" heißt meine neue Geheimwaffe und braucht nur halb so viel Platz wie der blöde Gymnastikball, den meine Gattin letzten Herbst mit dem Brotmesser exekutiert hat. "Das blöde Teil rollt nutzlos in der Bude rum", hatte Mona vor der Hinrichtung gefaucht. Dabei hatte ich mich immer mal wieder meditativ auf die Kugel gelegt, in der Hoffnung, dass die Kugel schön, schnell und schlank macht. Es war fast soweit, aber dann kam Mona dazwischen.

Meine Frau will die psychologische Bedeutung von Gymnastikgeräten einfach nicht kapieren. Früher habe ich mir mathematische Formeln unters Kopfkissen gelegt. Heute verstreue ich Sprungseile, Gummibänder, Hanteln, Expander, Grifftrainer, Fachbücher und nun eben den "Bosu"-Ball in unserer Heimstatt. Allein der Anblick, vor allem aber gelegentliches Zur-Seite-Kicken hat eine enorm kräftigende Wirkung auf mich. Gefühltes Stabilisations-Training ist immer noch besser als gar keins.

Mit "Bosu" kommt jetzt sogar eine aktive Komponente ins Training. Weil ich das Balancieren in Rekordzeit nahezu traumwandlerisch beherrsche, werde ich demnächst auf dem "Bosu"-Ball Seil springen. Habe ich im Internet gefunden, sieht ganz leicht aus . Wenn ich drei weitere "Bosus" anschaffe, könnte ich sogar Liegestützen darauf machen. Braucht der Läufer zum Glück nicht.

"Bosu"-Training bringt den Extra-Punch im Schlusssprint

"Bosu" ist ein halber Gymnastikball mit Plastikplatte und die neue Wunderwaffe für die tiefen Hüftmuskeln. Die erschlaffen noch schneller als die Beine. Sagen alle Experten, sogar Doc Marquardt. Allein das Wackeln und Ausgleichen trainiert schon gewaltig. Straffe Hüftmuskulatur wiederum bringt den Extra-Punch auf den letzten Kilometern, die sich ja meistens ziemlich ziehen. Deswegen habe ich mein Training radikal umgestellt. Statt lästiger langer Läufe stelle ich mich einfach auf den "Bosu"-Ball, schaue Rocky eins bis sechs und presse das Becken nach vorn. Stand in der Anleitung. Bringt noch mehr Punch.

Ich absolvierte gerade ein paar zünftige Ruderbewegungen im Sitzen, als Mona das Wohnzimmer betrat. Wenn sie gute Laune hat, brüllt sich mich herzhaft an. Leider schwieg sie. Kein gutes Zeichen. Ihr sehr herrischer Zeigefinger wies zur Tür, hinter der sich meine Materialkammer verbarg. Dort stapelten sich Laufschuhe, Neopren-Anzug, Laufräder, abgelaufene Kraftriegel, die unter Sammlern sicher noch mal kostbar werden, und allerlei weiterer künftiger Sportschrott.

Irgendwo darunter lag unser Gästebett. In der Kammer war alles, nur kein Platz. Außerdem öffnete ich die Tür nur in Notfällen, weil aus unerklärlichen Gründen stets eine bittere Wolke dahinter lauerte. Vielleicht eine tote Maus. Oder vergessene Socken. Oder der erste Eiweiß-Riegel, der sich in ein grünpelziges Alien verwandelt hatte.

"Die Kinder werden 'Bosu' lieben", sagte ich meiner trainingsfeindlichen Gattin eilig, "das ist eine Waldorf-Wii, ganz ohne Bildschirm und Elektrosmog". Mona schnaubte. "Genau deswegen werden die Kinder das Ding nicht lieben", erklärte unsere Chef-Pädagogin. "Du kannst auch Yoga damit machen", entgegnete ich und wollte ihr ein paar Youtube-Filmchen mit knackigen amerikanischen Bikini-Damen beim Straff-Training zeigen. Aber Mona blieb kompromissunwillig. Ihr Finger wies noch immer Richtung Kammer. Na gut. Ich hatte ohnehin genug geübt. Ein garstiges Ziehen in der linken Hinterbacke ließ bereits auf Übertraining schließen. Ich hielt die Luft an, öffnete die Tür, ignorierte das Brennen in den Augen und hob einen Haufen antiker Finisher-Shirts an, um mein neues Sportgerät gewaltsam darunterzuschieben. Die Tür ächzte beim Schließen.

Wie um Himmels willen soll ich Mona erklären, dass wir demnächst eine TRX-Brücke im Schlafzimmer einbauen, um die tiefen Hüftmuskeln so richtig in Schwung zu bringen? So ein eleganter T-Träger ist innenarchitektonisch ein echter Gewinn, wenn man den Putz künstlerisch abschlägt, natürlich nur dort, wo die 16er-Dübel in die Wand gedonnert werden. "Bosu" ist praktisch die Vorstufe von TRX; in der Kombination wird eine Waffe für den Berliner Halbmarathon daraus. Mona wird es trotzdem nicht kapieren. Vielleicht sollte ich die TRX-Bestellung doch noch rückgängig machen.