Agassi-Interview "Ich verspüre keine Traurigkeit"
Frage: Herr Agassi, Sie haben nach 20 Jahren Profitennis Ihr letztes Match bestritten. War der Abschied so, wie Sie es sich vorgestellt haben?
Agassi: Ich habe versucht, mir nicht allzu viel Gedanken zu machen. Ich wusste nicht, wie emotional es werden würde, ob es sehr enttäuschend wird oder einfach traurig. Oder ob ich vielleicht erleichtert sein würde. Ich wusste es einfach nicht. Aber jetzt verspüre ich keine Traurigkeit. Es war ein wunderschönes Gefühl da draußen auf dem Platz - in Kombination mit wirklicher Vorfreude auf die Zukunft.
Frage: Warum wollten Sie unbedingt noch einmal in New York spielen und hier Abschied nehmen?
Agassi: Das hatte einen ganz speziellen Grund. Dieser Ort hat mir in all den Jahren am meisten gegeben. An diesen Ort habe ich die meisten Erinnerungen, und er hat mich auf eine Weise bewegt, wie ich es nirgendwo sonst erlebt habe. Die Fans hier haben mich durch so vieles hindurch begleitet.
Frage: Wie stark Ihre Rückenschmerzen waren, konnten alle auf dem Platz sehen. Hätten Sie denn heute überhaupt gespielt, wenn es irgendein anderes Match an einem anderen Ort gewesen wäre?
Agassi: Nach meinem Zweitrundensieg gegen Marcos Baghdatis hatte ich so schlimme Schmerzen wie nie zuvor. Ich muss mich bei den Ärzten bedanken, dass ich heute spielen konnte. Es war ein Kampf von Tag zu Tag. Aber ich habe im Sommer zwei Turniere abgesagt, weil ich hier in New York alles aus mir herausholen wollte. Ich bin froh, dass ich die Entscheidung damals getroffen habe. Denn diese zwei Spiele hier waren all die Probleme in diesem Jahr wert.
Frage: Zwei Jahrzehnte lang gab es in Ihrem Leben nur Tennis. Was wird demnächst die Herausforderung für Sie?
Agassi: Ich weiß es nicht. Es ist schwer zu sagen, wie sich die Dinge entwickeln werden. Auf jeden Fall ist es angenehm, dass ich nun Dinge tun kann, ohne ständig daran denken zu müssen, was es für meine Tenniskarriere bedeutet. Immer musste ich trainieren, immer musste ich mich ausruhen, immer musste ich irgendwo sein.
Auufgezeichnet von Marlen Haselhuhn, sid