America's-Cup-Kampagne: Mastbruch oder Durchbruch - DER SPIEGEL
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America's-Cup-Kampagne Mastbruch oder Durchbruch

Deutschland will unbedingt beim America's Cup starten. Prominente Unterstützer des Segeltraumes sind Hans-Olaf Henkel, Edzard Reuter und Klaus Murmann. Meldeschluss ist Ende April, aber noch fehlen 25 Millionen Euro. Sponsorenverträge mit zwei Dax-Unternehmen stehen kurz vor dem Abschluss, sagen die Verantwortlichen. Wirklich?
Von Christian Rickens und Karsten Langer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Als es 2003 im Finale des jüngsten America's Cup so richtig spannend wurde, brach die ARD ihre Live-Übertragung der Segelregatta plötzlich ab. Der Fernsehsender wollte pünktlich zur Wiederholung der Kinderserie "Hallo Spencer" umschalten. Wenn 2007 der nächste Cup ausgesegelt wird, soll so etwas nicht mehr vorkommen.

Die ARD hat die prestigeträchtige Veranstaltung für jenes Jahr zu ihrem wichtigsten Sportereignis neben der Tour de France erklärt. Grund für den Sinneswandel: Die Regatta wird erstmals nicht in Übersee ausgetragen, sondern vor der spanischen Küste bei Valencia. Die praktisch nicht vorhandene Zeitverschiebung verspricht quotenträchtige Übertragungszeiten im deutschen Fernsehen.

Mit der Medienpräsenz wächst auch das Interesse deutscher Unternehmen am America's Cup. Der Autobauer BMW   war zusammen mit dem Softwareunternehmen Oracle   bereits 2003 Hauptsponsor des amerikanischen Teams - die USA sind der wichtigste Auslandsmarkt für BMW. Vor einigen Wochen hat auch die Telekom-Tochter T-Systems ihren Einstieg in die Formel 1 des Segelns verkündet - nicht etwa als Förderer einer deutschen Crew, sondern als Hauptsponsor der südafrikanischen Mannschaft.

Dabei will es 2007 zumindest auch ein deutsches Team bis nach Valencia schaffen. Es wäre eine Premiere in der 154-jährigen Geschichte des America's Cup. Doch der Zusammenschluss renommierter deutscher Segler unter dem Namen "Fresh Seventeen" tut sich bislang schwer, genug Sponsorengelder für den Start aufzutreiben. 25 Millionen Euro werden mindestens für eine Teilnahme benötigt. Die Zeit drängt, denn am 29. April ist Meldeschluss für den Cup.

"Wir haben Zusagen von zwei Dax-50-Konzernen"

Aushängeschild der Fresh-Seventeen-Kampagne ist die deutsche Segler-Legende Willy Kuhweide, Olympiasieger von 1964. Kuhweide hat jetzt erstmals detailliert zum Stand der Gespräche mit den Sponsoren Stellung genommen: "Wir haben verbindliche Zusagen von zwei deutschen Konzernen aus dem Dax-50-Bereich". Bereits mit diesen zwei Großsponsoren sei das Mindestbudget von 25 Millionen Euro gesichert. Kuhweide: "Es geht jetzt nicht mehr um inhaltliche Verhandlungen, sondern nur noch darum, die getroffenen Vereinbarungen schriftlich zu fixieren."

Spätestens am 24. April werde man die Namen der Sponsoren präsentieren. Mit einem dritten Großsponsor, ebenfalls aus dem Kreis der 50 wichtigsten deutschen Börsenwerte, befinde man sich in fortgeschrittenen Gesprächen. Fresh-Seventeen-Marketingleiter Uwe Sasse wollte die Äußerungen von Kuhweide weder bestätigen noch dementieren: "Wir sagen nichts", so Sasse.

Deutsche Großunternehmen, die Erfahrung mit Segelsponsoring haben, befinden sich aller Voraussicht nach nicht unter den Kandidaten. Auf Nachfrage von manager-magazin.de dementierten sowohl SAP   als auch der Reisekonzern Tui  , die Kampagne fördern zu wollen. Beide Konzerne hatten in der Vergangenheit internationale Segelevents gesponsort. Auch bei T-Systems wird darüber gerätselt, welches Unternehmen als Kandidat in Frage kommen könne.

Viele laue Lüftchen

Fresh Seventeen hat schon häufiger verkündet, dass der Abschluss eines Sponsoringvertrags unmittelbar bevorsteht. Immer wieder aufs Neue verstrichen die Fristen, die sich das Konsortium selbst für eine Anmeldung gesetzt hatte. Zum jetzigen Zeitpunkt könnte das Projekt nach Einschätzung von Insidern noch immer scheitern.

Neu ist allerdings, dass sich Kuhweide selbst derart verbindlich äußert. Der Spitzensportler und langjährige Leiter der Lufthansa-Pilotenausbildung hat schließlich einen bislang untadeligen Ruf zu verlieren. Für die deutsche America's-Cup-Kampagne hat der 62-jährige Kuhweide extra sein Ruhestandsdomizil in Arizona verlassen.

Kuhweide ist nicht der einzige reaktivierte Senior, der sich bei Fresh Seventeen einspannen ließ: Mit dem ehemaligen BDI-Chef Hans-Olaf Henkel, dem langjährigen Daimler-Vorstandschef Edzard Reuter und Ex-Arbeitgeberpräsident Klaus Murmann sind gleich drei segelaffine Industriekapitäne mit an Bord.

Als neu ernannte Aufsichtsräte von Fresh Seventeen sollen sie ihre Wirtschaftskontakte nutzen, um die Sponsoren bei Laune zu halten. Murmann hat zusätzlich versprochen, die deutsche America's-Cup-Yacht entwerfen und in seiner Kieler Knierim-Werft bauen zu lassen. Zurzeit ist die Kampagne gerade auf einer Roadshow durch Deutschland, um bei renommierten Segelvereinen Geld für das Schiff einzusammeln. Die Gesamtkosten für den Cupper sollen sich auf etwa acht Millionen Euro belaufen.

Von einer definitiven Zusage von Sponsoren aus dem Segment der Dax-50-Unternehmen weiß allerdings auch Murmann nichts. Gegenüber manager-magazin.de sagte Murmann, er sei in die Details der Sponsorensuche nicht eingebunden und kenne auch keine Namen. Auch Edzard Reuter konnte nicht sagen, um wen es sich bei den potenziellen Sponsoren handeln soll.

Für zusätzliche Irritation in der deutschen Segelszene sorgte eine zweite deutsche America's-Cup-Kampagne, die Anfang März an den Start ging. Dem Team um Roland Gäbler, Segelweltmeister in der Bootsklasse Tornado, wird von der Fachzeitschrift "Yacht" allerdings praktisch keine Chance eingeräumt, genug Geld für eine Teilnahme aufzutreiben.

T-Systems segelt in Afrika

Das Ringen um die deutsche Cup-Teilnahme zeigt, wie sich die Werte in der deutschen Wirtschaft gewandelt haben: Auf der einen Seite Ex-Funktionäre und Mittelständler, die einen deutschen Start vor Valencia als "Prestigeerfolg" (O-Ton Henkel) der hiesigen Industrie preisen.

Auf der anderen Seite Konzerne wie BMW oder T-Systems, die zwar ihren Sitz in Deutschland haben, ihr Sport-Sponsoring aber ganz selbstverständlich an kaufmännischen Kriterien ausrichten, nicht an patriotischen Gefühlen.

"Hätten wir als deutsches Unternehmen das deutsche Team unterstützt, wäre die Aufmerksamkeit im Ausland nur gering gewesen", sagt Dieter Schweer, Marketingchef von T-Systems. Das südafrikanische Team hingegen stoße als erfrischender Newcomer weltweit auf Sympathie. Einige der wichtigsten Märkte von T-Systems werden zusätzlich durch die Zusammensetzung der Crew repräsentiert: Die südafrikanische Mannschaft wird mit je einem Topsegler aus Deutschland, Italien und Spanien ergänzt. Das sichert T-Systems in diesen drei Ländern erhöhte Medienaufmerksamkeit.

Mit ausschlaggebend für das Segelengagement von T-Systems dürften auch handfeste geschäftliche Interessen in Südafrika gewesen sein: Das Unternehmen bemüht sich dort derzeit um mehrere öffentliche Aufträge.

"T-Systems will die Kommunikationsinfrastruktur für die Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika liefern", sagt Schweer. "Da ist es nur von Vorteil, wenn wir bereits vorher unser sportliches Engagement für das Land unter Beweis stellen."