America's Cup: Striptease des Titelverteidigers - DER SPIEGEL
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America's Cup Striptease des Titelverteidigers

Mit Spannung verfolgte die Segel-Szene im Hafen von Auckland die Enthüllung der beiden Segelboote, die für die Titelverteidigung im America's Cup gebaut wurden. Dabei haben die neuseeländischen Designer einen besonderen Coup gelandet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auckland - Die Präsentation der Neuseeländer am Hafenbecken von Auckland hatte es in sich. Wie in Zeitlupe wurden die beiden Boote des Titelverteidigers im America's Cup, "NZL-81" und "NZL-82", aus dem Wasser gehievt. Gleich einer Striptease-Show wurde die begeisterte Zuschauermenge, die sich am Hafen von Auckland versammelt hat, in Stimmung gebracht und durfte Zentimeter um Zentimeter mehr vom Unterleib der sündhaft teuren Yachten sehen.

Skeptische Blicke: Mitglieder der "Alinghi" begutachten den Rumpf der neuseeländischen Yacht

Skeptische Blicke: Mitglieder der "Alinghi" begutachten den Rumpf der neuseeländischen Yacht

Foto: AP
Die Kuh auf dem Kiel: Die Crew der "Alinghi" während der Präsentation ihrer Yacht

Die Kuh auf dem Kiel: Die Crew der "Alinghi" während der Präsentation ihrer Yacht

Foto: EPA/DPA
Rockmusik war das einzige Mätzchen, das sich das BMW Oracle Racing-Team während seiner Präsentation leistete

Rockmusik war das einzige Mätzchen, das sich das BMW Oracle Racing-Team während seiner Präsentation leistete

Foto: AFP

Unter großem Jubel wurden nun die Details sichtbar, über die in den letzten Wochen schon heftigst spekuliert worden war. Hauptmerkmal der beiden Boote ist eine Art doppelter Rumpf, der für reichlich Gespächsstoff sorgte. In dreijähriger Tüftelei soll es den Designern der Neuseeländer gelungen sein, den Rumpf des Bootes durch einen Aufsatz zu vergrößern, ohne dabei die Regeln zu verletzen. Eine Sensation.





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Alphorn-Fanfaren und Kuhglocken-Gebimmel


Zuvor hatten sich die Schweizer ihr Boot "Alinghi" unter Alphorn-Fanfaren und Kuhglocken-Gebimmel dem Publikum gezeigt. Eine Kuh-Zeichnung auf dem Kiel der Schweizer Yacht war das auffallendste Merkmal, das es zu bestaunen gab. Wenig später stellte auch der zweite Finalist im Louis Vuitton Cup, das amerikanische Segelsyndikat BMW Oracle Racing aus San Francisco, sein Boot vor, während Rockhymnen aus den Lautsprecherboxen schmetterten. Auch hier hielten sich die Zuschauer mit ihrem Applaus zurück.

Ein Mitglied des neuseeländischen Teams, das sich unter das Publikum gemischt hatte, hakte die beiden Präsentationen erleichtert ab. "Da gibt es nichts Neues zu sehen. Also müssen wir auch nichts befürchten", lautete sein knapper Kommentar. Am 11. Januar beginnt die Entscheidung zwischen beiden Herausforderern in einer "Best-of-Nine"-Serie im Hauraki Golf vor der Küste Aucklands. Der Sieger tritt im Februar gegen die Neuseeländer im America's Cup an.

Dagegen sorgte der Anblick der beiden Yachten der Neuseeländer für Diskussionen. "Es war unsere Pflicht, uns an die Vorgabe zu halten, dass der Anbau nicht an mehreren Stellen mit dem Rumpf verbunden ist", so Neuseelands Syndikatschef Tom Schnackenberg. "Das haben wir geschafft. Deshalb gibt es auch nichts, wogegen protestiert werden kann." Der Zusatz wurde im Volksmund schon "Hula" getauft, eine Abkürzung für "hull appendage" (Rumpfzusatz).

Skeptische Konkurrenz


An beiden neuseeländischen Booten ist der "Hula" nur wenige Millimeter vom eigentlichen Rumpf entfernt angebracht, vergrößert so das Schiff entscheidend und soll es schneller machen. "Die Idee gab es schon von Beginn an, weil wir ein Boot entwerfen wollten, das lang, elegant und schnell sein sollte", erklärte Designer Clay Oliver das Konzept der Neuseeländer. "Es ist kein Zusatz zu einem Boot, dass vorher entworfen wurde. Es ist vielmehr ein Boot, das von Anfang an so geplant war."

Mit Skepsis wurden die beiden Schiffe des Titelverteidigers von den Designern der Konkurrenz begutachtet. Die Schweizer "Alinghi" hat an ihrer zweiten Yacht ein ähnliches Prinzip wie die Neuseeländer angewandt, das Boot jedoch nur in Tests eingesetzt und noch nicht im Louis Vuitton Cup. Sowohl die Schweizer Mannschaft als auch ihr Gegner im Herausforderer-Finale haben nach Besichtigung der neuseeländischen Boote die internationale Jury zu Beratungen konsultiert. Bis zum 10. Februar müssen die Neuseeländer entscheiden, ob sie ihr neu entworfenes Schiff auch beim ersten Match im America's Cup einsetzen werden.