Andre Agassi: Der alte Mann und das Mehr - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Andre Agassi Der alte Mann und das Mehr

Das Masters in Hamburg ist für Andre Agassi, 31, nur Durchgangsstation. Der US-Amerikaner will in diesem Jahr das ultimative Ziel im Tennissport erreichen.
Von Till Schwertfeger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Weltranglistenerster, Weltmeister, Daviscup-Sieger, Gewinner aller vier Grand-Slam-Turniere - Andre Agassi hat in seiner 15-jährigen Profikarriere im Tennis alles erreicht. Doch er will mehr. "Andre hat ein Ziel, und das ist der Grand Slam", sagt Brad Gilbert, der Agassi seit 1994 trainiert. Alle vier Grand-Slam-Titel (Australian, French und US Open sowie Wimbledon) in einem Jahr konnte letztmals Rod Laver gewinnen, 1969.


Auf Sand noch nicht perfekt


2001 will es der Racketstar aus Las Vegas dem legendären Australier gleichtun. In einem Alter, in dem ehemalige Rivalen wie Boris Becker, Jim Courier, Stefan Edberg höchstens noch als Teilzeitprofis agierten, begann die Saison für den 31-Jährigen optimal: Zum dritten Mal gewann Agassi die Australian Open, siegte danach bei den Masters-Turnieren in Indian Wells und Key Biscayne. "Ich war sehr gut vorbereitet und hatte auch das nötige Glück", beschreibt Agassi die Monate, in denen er die Tenniswelt beherrschte.

In diesen Tagen sucht der Lebensgefährte von Steffi Graf beim Masters-Turnier am Hamburger Rothenbaum nach seiner Form auf Sand. In Atlanta und Rom hatte Agassi jeweils in der ersten Runde verloren, in Monte Carlo eine Auszeit genommen. "Ich will etwas Besonderes leisten in dieser Sandplatzsaison. Aber nach wenigen Tagen Training kann man nicht perfekt sein", erklärt Agassi den Reportern seine Niederlagen.


Nächster Gegner Santoro

In Hamburg begutachtet die beste deutsche Tennisspielerin aller Zeiten ihren Freund von der Tribüne aus. Was Steffi Graf bislang sah, muss ihr gefallen haben. Agassi, in ihrer Lieblingsfarbe schwarz gewandet, siegte auf dem Centre Court vor 10.000 Besuchern wie sie früher selbst im Expresstempo. Für das 6:1 und 6:4 gegen den Italiener Davide Sanguinetti brauchte er nur 56 Minuten. Gegner in Runde zwei am Mittwoch ist der Franzose Fabrice Santoro.

Seinen einzigen Deutschland-Auftritt in diesem Jahr sieht der souveräne Spitzenreiter im Champions Race als Durchgangsstation für die French Open in Paris an: "Die sind in nächster Zeit das wichtigste Turnier, die größte Herausforderung. Dafür spiele ich mich ein. Dort will ich mein bestes Tennis zeigen."


Vorbild Steffi Graf


Das Turnier in Roland Garros ist für Agassi nicht nur der zweite Schritt auf dem Weg zum Grand Slam, sondern weckt auch Wehmut: "In Paris habe ich die unglaublichsten Höhepunkte und Enttäuschungen meiner Karriere erlebt." Langmähnig und in Jeans schlug er sich 1988 unbekümmert bis ins Halbfinale, 1990 und 1991 zerbrach er zweimal hintereinander im Endspiel an der Favoritenbürde, ehe er 1999 nach 0:2-Satzrückstand das Finale gegen Andrej Medwedew noch umbog und so quasi nebenbei das Herz von Steffi Graf eroberte.

"Steffi ist ein großes Vorbild für mich", hat Agassi einmal gesagt. Dass Graf sechsmal das Rothenbaum-Turnier gewonnen hat, dürfte ihm weniger imponieren als ihre Bilanz aus dem Jahr 1988: Damals gewann die "Gräfin" den Grand Slam.