André Greipel beim Giro d'Italia Rosa für einen Tag
Andrè Greipel - für einen Tag in Rosa
Foto: Yuzuru Sunada/ dpaDie Organisatoren des Giro d' Italia werden sich etwas dabei gedacht haben, als sie die Startnummern für die diesjährige Rundfahrt verteilten. Es ist ein besonderer Giro, der 100. seiner Art, und daher bedeutet es etwas, die Nummer 100 auf dem Rücken durch Italien zu tragen. André Greipel kommt diese Ehre zuteil, und der Deutsche hat an den ersten drei Tagen viel dafür getan, die 100 prominent ins Rampenlicht zu stellen.
Beim Prolog am Freitag war der Deutsche der Favorit und ließ sich vom Österreicher Jakob Pöstlberger düpieren. Am Samstag holte er nach, was er am Vortag versäumt hatte und sprintete in beeindruckender Weise ins Rosa Trikot. Und am Sonntag rutschte er kurz vor dem Zielsprint aus der Pedale, verlor Boden und musste das Trikot des Führenden gleich wieder an den Kolumbianer Fernando Gaviria weiterreichen. Wo Greipel ist, ist immer etwas los.
22 Etappen hat der 34-Jährige auf den drei großen Rundfahrten des Radsports bisher für sich entschieden. Elf Mal war er bei der Tour de France vorn, vier Mal bei der Vuelta in Spanien und jetzt auch schon sieben Mal beim Giro - aber in Rosa zu fahren, und wenn es nur für 148 Kilometer war, das ist auch für einen Siegfahrer noch etwas Erhebendes.
"Es gibt nur wenig Chancen in der Karriere, als Sprinter ein Leader-Trikot einer großen Länderrundfahrt zu holen", sagt er. Umso ärgerlicher, dass er es so rasch wieder abgeben musste. Die Chance, es sich zurückzuholen, ist denkbar gering. Nach dem heutigen Ruhetag geht es am Dienstag auf den Ätna, den mythischen Vulkan Siziliens, und da sind die Bergziegen im Feld klar im Vorteil. Greipel wird wohl hinterher fahren und so viel Zeit verlieren, dass er das Gesamtklassement abhaken darf.
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— Andre Greipel (@AndreGreipel) May 6, 2017
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So bleibt Stefan Schumacher der letzte Deutsche, der das Giro-Klassement mal länger als einen Tag anführte. 2006 war das, und Schumacher war noch nicht als Dopingsünder entlarvt. Das Thema Doping würden die Italiener bei ihrem Jubiläums-Giro ohnehin am liebsten ausklammern - eingeholt hatte es sie trotzdem schon vor dem ersten Startschuss. Zwei einheimische Profis wurden noch vor der ersten Etappe ausgeschlossen, ob das Thema damit für dieses Jahr abgeschlossen ist, weiß niemand.
Die Radsport-Begeisterung im Radsportland Italien wird auch dadurch nur minimal gedämpft werden. "Man spürt hier eine regelrechte Euphorie. Sie sind in den Radsport verliebt - das ist eine unglaubliche Atmosphäre", sagt Greipel.
Da soll es, damit alles passt, natürlich im besten Fall einen italienischen Gesamtsieg geben: Vincenzo Nibali trägt die Hoffnungen der Tifosi, aber mit dem Kolumbianer Nairo Quintana hat er einen ganz starken Konkurrenten zu fürchten. Die Etappe auf den Ätna wird schon andeuten, wer von den großen Zwei die bessere Form mitgebracht hat.
Für Greipel ist das kein Thema, aber das ist ihm egal: "Um ehrlich zu sein, war unser Giro mit meinem Sieg schon jetzt ein Erfolg", sagt er. Das Trikot getragen zu haben, sei "ein unglaubliches Gefühl" gewesen.