Anni Friesinger: "Ich bin ziemlich platt" - DER SPIEGEL
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Anni Friesinger "Ich bin ziemlich platt"

Anni Friesinger fliegt als große Gold-Favoritin zu den Olympischen Spielen nach Salt Lake City. Beim Weltcup in Heerenveen düpierte die fesche Inzellerin erneut die Konkurrenz und gönnt sich erst einmal ein Auszeit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Heerenveen - Anni Friesinger hat ihren Ruf als Thronfolgerin von Gunda Niemann- Stirnemann bei der Weltcup-Veranstaltung in Heerenveen weiter gestärkt. Bei der Olympia-Generalprobe im holländischen Friesland stürmte die Inzellerin über 1500 und 3000 Meter am Wochenende zu ihren Weltcup-Siegen Nummer 9 und 10 in dieser Saison und machte damit vorzeitig die Gesamtsiege in beiden Disziplinen perfekt. Auf beiden Strecken ist sie in dieser Saison ungeschlagen.

"Jetzt brauche ich eine Auszeit"


"Geschafft. Jetzt brauche ich erst mal eine Auszeit, um den Kopf frei zu bekommen. Ich bin ziemlich platt", stöhnte die Welt- und Europameisterin nach dem insgesamt 15. Weltcup-Sieg ihrer Karriere erschöpft. Obwohl die lebenslustige Bayerin am Freitag 25 Jahre alt wurde, ist Feiern vorerst tabu. Olympia ruft, und da will die Bronzemedaillengewinner über 3000 Meter in Nagano gleich viermal aufs Treppchen, auch über ihre "Nebenstrecken" 1000 und 5000 Meter.

Erfolgsserien wie die von Friesinger gelangen in der Vergangenheit nur Gunda Niemann-Stirnemann. Die Eisschnellläuferin des Jahrhunderts, in Heerenveen als TV-Kommentatorin im Einsatz, meinte: "Die Deutlichkeit von Annis Siegen ist imponierend." In Abwesenheit der zweimaligen 5000-m-Olympiasiegerin Claudia Pechstein aus Berlin (erkältet) dominierte das Geburtstagskind über 3000 Meter in 4:08,40 Minuten mit 3,91 Sekunden Vorsprung vor der EM-Dritten Renate Groenewold (Niederlande) ebenso klar wie auf ihrer Paradestrecke 1500 Meter in 1:58,18 Minuten mit 1,67 Sekunden vor Jennifer Rodriguez (USA).

Umstellung auf die Höhenluft von Salt Lake City


"Jetzt gilt es, diese Form noch vier Wochen zu konservieren. Dabei wird wichtig sein, wie ich die Umstellung auf die Höhe verkrafte", meinte Freisinger, die in ihrer bislang erfolgreichsten Saison Preisgelder von knapp 60.000 Euro einfahren konnte und ein Vielfaches an Werbegeldern verdiente. "Entscheidend ist Olympia. Ein Stolperer kann alles verderben und - du bist weg vom Fenster", blieb sie weiter realistisch.

Ein weiteres Verbal-Duell, aber auch die vom Verband angestrebte Aussprache mit Claudia Pechstein nach dem Knatsch von Erfurt blieben in Heerenveen aus. Jedoch gab die Berlinerin unmissverständlich preis, dass sie nichts von einem Eingreifen des Verbandes hält: "Das ist eine Sache zwischen Anni und mir. Da sollte sich die DESG heraushalten." Niemann-Stirnemann, die sich früher selbst mit beiden Assen gerieben hatte, sieht in den Zwistigkeiten nicht unbedingt einen Leistungsnachteil: "Diese Spannungen werden für beide förderlich sein."

Neue Schuhe noch nicht eingelaufen


Friesinger verzichtete in Heerenveen noch auf die vom Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Sportgeräte (FES) in Berlin neu angefertigten Schlittschuhe und lief erneut mit dem in Erfurt bei einem Trainingsunfall beschädigten Paar. In Salt Lake City will sie jedoch auf die neuen Kufen zurückgreifen: "Ich werde sie in den nächsten Tagen im Training einlaufen. Bis Olympia reicht die Zeit noch."

Rechtzeitig vor den Sprint-Weltmeisterschaften kommende Woche in Hamar nähert sich Titelverteidigerin Monique Garbrecht-Enfeldt wieder ihrer Top-Form. Im zweiten 500-Meter-Rennen fehlten ihr in 38,73 auf Platz 4 nur 0,05 Sekunden zu Rang zwei, nachdem sie tags zuvor als 11. noch weit von der Spitze entfernt war. "Das ist einfach Wahnsinn. Ich fühle mich wie nach einem WM-Titel. Ich war im Tal und bin nun wieder auf dem Weg in Richtung Gipfel", konstatierte Garbrecht- Enfeldt, die vier Wochen nicht auf dem Eis gestanden hatte. Auf den 1000-Meter-Start am Sonntag verzichtete sie. Dafür überzeugte die Erfurter Weltrekordlerin Sabine Völker in 1:17,26 Minuten mit Platz drei hinter den beiden Niederländerinnen Marianne Timmer (1:16,93) und Andrea Nuyt (1:17,18) und verteidigte damit ihre Weltcup-Führung.