Antidopingkämpfer Franke "DLV ist korrupte Organisation"
Hamburg - In einem gemeinsam verfassten Artikel für die "Süddeutsche Zeitung" wirft das Ehepaar aus Heidelberg dem internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) und dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) Scheinheiligkeit vor und schreibt sogar von einer korrupten Organisation. Für Berendonk und Franke ist nur ein Dopingfall bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften dieses Jahres in Helsinki kein Beleg für eine grundsätzliche Sauberkeit der Sportart. "Finnische Feste stört man nicht", schreiben sie. "So sah man in Helsinki viele Personen im Fernsehen, deren Dopingbeteiligung dokumentiert ist."
Die Verbände würden an der Dopingszene vorbeifahnden, denn die Sportler würden sich heute per E-Mail bei Doping-Leitstellen über ihre Blut- und Urinwerte und zu Dopingtests beraten lassen. "Trotz aller Dokumente und Urteile haben sich DLV und IAAF zwar mit den Doping-Tätern, aber nie mit den Opfern solidarisiert, haben sich für die Opfer nicht einmal interessiert", kritisierten der Molekularbiologe Franke und die frühere Diskuswerferin Berendonk, die 1991 mit ihrem Buch "Doping-Dokumente" für Furore gesorgt hatte. Die Forderung von IAAF-Präsident Helmut Digel und IAAF-Sprecher Nick Davies, den Verbänden Dokumente vorzulegen, sei lächerlich: "Auch ihnen sind ja die Akten zum kalifornischen Doping zugänglich."
Bei Digel sorgten die Äußerungen von Berendonk und Franke für Verärgerung. "Ich habe nach wie vor höchsten Respekt vor den Leistungen von Frau Berendonk, die im Anti-Doping-Kampf einen entscheidenden Anstoß geben hat", so der Sportwissenschaftler aus Tübingen. Digel. "Aber die Form, mit der Herr Franke den Antidopingkampf führt, und die inhaltlichen Stellungnahmen sind nicht mehr akzeptabel. Mit Polemik lässt sich das Dopingproblem nicht lösen." Digel verlangte Beweise für die Vorwürfe der Korruption.
Die Erwähnung von Rekorden der IAAF oder des DLV bezeichneten Berendonk/Franke in ihrem Zeitungsbeitrag als "eine besonders zynische Verhohnepipelung denkender Menschen: Hier werden in den meisten Fällen Früchte von, laut Gerichtsurteil, kriminellen Taten zum Ziel und Vorbild erhoben". Berendonk und Franke nannten als Belege für ihre Thesen den Weltrekord der 4 x 100- Meter-Staffel von 1984 mit den DDR-Sprinterinnen Ines Schmidt (heute Geipel), Bärbel Wöckel, Ingrid Auerswald und Marlies Göhr.