Armstrong in Gelb: Demonstration der Stärke - DER SPIEGEL
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Armstrong in Gelb Demonstration der Stärke

Auf der 15. Etappe der Tour de France hat Lance Armstrong das Gelbe Trikot übernommen und wird es wahrscheinlich bis Paris nicht mehr hergeben. Siegessicher sprintete der US-Amerikaner auf dem Schlussanstieg nach Villard de Lans zum Etappenerfolg und gewann vor Ivan Basso.
Von Till Schwertfeger
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Mit einer Kraft, die Eisenketten sprengen könnte, schüttelte Lance Armstrong seine letzten Widersacher auf dem Weg zu seinem sechsten Triumph bei der Tour de France ab. Kurz vor der Ziellinie in Villard-de-Lans guckte sich der US-Postal-Kapitän nach hinten um und sah, dass Ivan Basso, Jan Ullrich und Andreas Klöden das Tempo seines Endspurts nicht hatten mitgehen können. In wilder Freude ballte Armstrong die Faust und schleuderte seinen rechten Arm nach vorn.

180 Kilometer hatte sein US-Postal-Team das Rennen durch die Voralpen kontrolliert. Selbst die erste entschlossene Attacke Ullrichs bei dieser Tour brachte Armstrong nicht in Schwierigkeiten. "Wir waren kein bisschen beunruhigt", gab er hinterher gelassen zu Protokoll. Im Rennen ums Gelbe Trikot hat er Ullrich schon gar nicht mehr auf der Rechnung. Aber der T-Mobile-Kapitän zeigte seine bisher beste Leistung. "Ich habe den Ruhetag genutzt, um den Rest meiner Krankheit rauszutreten", erklärte der 30-Jährige seinen Formanstieg. Über eine Minute Vorsprung auf Armstrong hatte Ullrich 60 Kilometer vor dem Ziel am Col de Echarassan, einem Berg der ersten Kategorie, herausgefahren. Mit offenem Hemd war er zur Beschleunigung immer wieder aus dem Sattel gestiegen und holte einen Ausreißer nach dem anderen ein, die sich allesamt verdutzt umschauten. "Ich bin voll auf Sieg gefahren", sagte Ullrich, der so aggressiv unterwegs war, dass er in einer Rechtskurve auf der Abfahrt vom Col de Carri fast von der Straße abkam.

Voigt mit schlechtem Gewissen

51 Minuten lang dauerte Ullrichs begeisternde Einzelshow, bis er - auf Rang drei fahrend - 27 Kilometer vor Villard-de-Lans von der Gruppe um Armstrong und Basso eingeholt wurde. Ausgerechnet sein Kumpel Jens Voigt, Helfer von CSC-Kapitän Basso, war als Tempomacher maßgeblich daran beteiligt, dass ihm der Etappensieg verwehrt blieb. "Es tut mir wahnsinnig leid für Ulli", sagte Voigt entschuldigend, "ich fühle mich fast wie ein Vaterlandsverräter. Aber ich fahre halt für den Ivan."

Bis wenige hundert Meter vor der Ziellinie hatte Ullrich allerdings immer noch gute Chancen auf den Tagessieg. Von der zehnköpfigen Spitzengruppe war neben Armstrong, Basso und Klöden, der bei einem Sturz am Anfang der Etappe schwere Hautabschürfungen an der Rückseite des linken Oberschenkels erlitten hatte, nur noch Levi Leipheimer (Rabobank) übrig geblieben. Klöden machte das Tempo, in zweiter Position lauerte Ullrich auf den Endspurt. Obwohl er das Gelbe Trikot schon sicher hatte - Frankreichs Publikumsliebling Thomas Voeckler hatte fast zehn Minuten Rückstand - wollte aber auch Armstrong unbedingt den Etappensieg. Zum einen wegen der 20 Sekunden Zeitgutschrift zum anderen aus der Lust am Siegen. "Es ist aufregend und macht Spaß, einen Sprint zu gewinnen", erklärte Armstrong, der jetzt mit 1:25 Minuten Vorsprung auf Basso ins Bergzeitfahren nach l'Alpe d'Huez fährt. Wie er auf der Etappe von Valréas nach Villard-de-Lans siegte, war eine eindrucksvolle Demonstration seiner Stärke.

"Wenn ich als Erster ins Ziel gekommen wäre, wäre ich der Größte", fasste Ullrich den aufregenden wie aufschlussreichen Tag zusammen, "so bin ich nur der Drittgrößte." Auf die gesamte bisherige Tour bezogen, ist das (noch) nicht ganz korrekt. Als Fünfter (6:54 Minuten hinter Armstrong) liegt der T-Mobile-Kapitän noch 3:32 Minuten hinter seinem Freund und Helfer Klöden zurück, der auf Platz drei im Classement Général rangiert.