Armstrongs Comeback "Ich will nichts ausschließen"
Hamburg - Noch ist die Frage, ob Armstrong nur kokettiert, oder ob seine Pläne ernsthaft sind. Auf seiner Internetseite schreibt er, dass er einerseits seine Zeit als Privatier an der Seite seiner Verlobten Sheryl Crow genießt. Andererseits "ist nach der Schmutzkampagne in Frankreich mein Kampfeswillen wieder erwacht". Seine Lust auf ein Comeback sei auf jeden Fall vorhanden. "Ich will nichts ausschließen", sagt Armstrong. Allerdings falle es ihm derzeit noch schwer zu sagen, wie intensiv dieses Verlangen nach einer Rückkehr ist. Immerhin hat er sich jetzt schon dafür entschieden, am Wintertrainingslager seines Teams Discovery Channel teilzunehmen.
Die Verantwortlichen bei Discovery zeigen sich trotzdem noch zruückhaltend. Teamchef Dan Osipow sagte, dass Armstrong enorm stolz auf seinen Ruf sei, und dass man Platz im Team finden werde, sollte er sich zu einem Neustart durchringen.
Beim Radsportweltverband UCI haben Armstrongs Gedanken einstweilen für leichte Aufregung gesorgt. Denn die für Mittwoch angekündigte Stellungnahme zu den Doping-Vorgängen gegen den Amerikaner wurden auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Sollte der Amerikaner wieder ins Peloton zurück kehren, dann müssten die Dopingvorwürfe vom Verband behandelt werden, so ein UCI-Sprecher. Der Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada Richard Pound hatte allerdings mehrfach betont, dass eine Ahndung möglicher Dopingverstöße von Armstrong rechtlich schwierig sein könnte.
T-Mobile-Kapitän Jan Ullrich, in diesem Jahr Tourdritter, glaubt nicht an eine Rückkehr von Armstrong. "Ich kann mir das nach der Abschiedsfeier von Paris nicht vorstellen", sagte er der Tageszeitung "Die Welt". Der scheidende Tourdirektor Jean-Marie Leblanc zeigte sich zurückhaltend und sagte, dass er sich zu einem möglichen Comeback erst äußern werde, wenn es eine offizielle Bestätigung gibt.
Deutliche Worte fand Armstrongs früherer Teamkollege Roberto Heras. "Eine Rückkehr wäre der richtige Weg. Das Problem ist nur, dass die Franzosen dann nach Ende der nächsten Saison wieder mit den gleichen Vorwürfen kommen würden", sagte der Spanier. Auch Heras' Landsmann Manuel Beltran befürwortet es, wenn sein alter Kapitän wieder an den Start gehen würde. "Ich fände es absolut genial."
"Wird die Zweifler nicht überzeugen"
In den Vereinigten Staaten werden die Gedanken des siebenmaligen Toursiegers aber nicht nur bejubelt. Die Zeitung "Chicago Tribune" schreibt zwar, dass Armstrong mit einem neuerlichen Tourstart die Franzosen ärgern könne. Seine vermeintliche Unschuld werde von so einem Auftritt aber nicht bewiesen. "Seine Anwesenheit 2006 würde genauso wenig Wirkung haben auf die Debatte wie sein wiederholtes Leugnen, jemals verbotene Substanzen genommen zu haben oder dass er niemals positiv war seit 1999, schreibt das Blatt weiter.
Auch der Sportsender "ESPN" äußerte Zweifel, ob das Comeback Armstrongs seine Kritiker widerlegen könnte. "Wenn Lance Armstrong zurückkommt, wird er zehn Mal am Tag getestet. Das wird immer und immer wieder passieren. Sogar, wenn er noch mal gewinnt, wird das die Zweifler, von denen die meisten bei der 'L'Equipe' arbeiten, nicht überzeugen", so der Kommentar.
Die französische Sportzeitung "L'Equipe" hatte am 24. August enthüllt, dass eingefrorene Urinproben des Texaners bei Tests im vergangenen Jahr Spuren des Blutdopingmittels Epo aufgewiesen hätten. Armstrong hatte dies vehement bestritten.