Australian Open Agassi siegt souverän in Melbourne
Melbourne - Nach 1:46 Stunden war der Traum des Franzosen Arnaud Clement vom einen Grand-Slam-Titel ausgeträumt. Im Finale der Australian Open in Melbourne hatte ihm Titelverteidiger Andre Agassi eine bittere Lektion erteilt. Beim 6:4, 6:2, 6:2 hatte der US-Amerikaner seinem europäischen Gegner nicht den Hauch einer Chance gelassen und mit einer imponierenden Leichtigkeit seinen dritten Titel in Melbourne, das siebte seiner zwölf Grand-Slam-Finals und 465.000 Dollar Siegprämie gewonnen.
Der souveränen Vorstellung auf dem Platz folgte eine weitere Lektion in Sachen professioneller Gelassenheit. Locker plauderte Agassi hinterher, gab Einblicke in seine Lebensphilosophie ("Mein Ziel ist es, immer besser zu werden") und zeigte sich beeindruckt von seiner Landsfrau Jennifer Capriati, die am Samstag mit einem 6:4, 6:3-Erfolg über die Weltranglisten-Erste Martina Hingis ihren ersten Grand-Slam-Titel gewinnen konnte. "Sie ist ein großartiger Champion", sagte der 30-Jährige, "ihr Erfolg ist wie ein Märchen und eine großartige Sache für das Tennis."
Beschlossen, endlich Ernst zu machen
Ein wenig über sich selbst wollte Agassi dann aber auch noch sprechen. "Ich bin jetzt ein sehr glücklicher Mann. Der Matchpunkt war das Ende harter Arbeit, die sich ausgezahlt hat." Und damit war nicht das Turnier gemeint, sondern die Zeit der intensiven körperlichen Vorbereitung zuvor. Seit Andre Agassi etwa vor zwei Jahren beschlossen hat, sich in seinem Sport nicht nur auf sein Talent zu verlassen, sondern mehr für seinen Körper zu tun, scheint er nicht mehr aufzuhalten: Fünf Endspielteilnahmen und vier Titel stehen seit Anfang 1999 auf seinem Konto.
Fitness- und Psychocoach Gil Reyes, Tennistrainer Brad Gilbert und Freundin Steffi Graf saßen wieder auf ihren Stammplätzen im Presseblock 13, Reihe K. Mit einem hingeworfenen Küsschen und gezogenem Hut dankte Agassi den Menschen, die für seinen sportlichen Erfolg so entscheidend sind. Im November 1997 noch notierte der ATP-Computer Agassi auf Rang 142, er spielte sich über Challenger-Turniere wieder nach oben. Ohne Frust, sondern mit Befriedigung: "Es ging nicht ums Gewinnen, ich wollte mich verbessern. Und ich habe mich in dieser Zeit verbessert."
Das konnte am Sonntag auch der Verlierer bestätigen. "Es war für mich heute unmöglich, ihn zu schlagen", sagte der 23-jährige Arnaud Clement, "ich glaube, niemand hätte ihn heute bezwungen."