Australian Open Federer schlägt Murray im Finale
Tennis-Profi Federer: Sieg im 22. Grand-Slam-Finale
Foto: Franck Robichon/ dpaHamburg - "Yes", schrie der Rekord-Champion Roger Federer durch das nur einen Spalt geöffnete Dach der Rod-Laver-Arena und reckte nach dem spannenden Tiebreak jubelnd die Arme in den Nachthimmel über Melbourne. Kurz zuvor hatte Federer bei den Australian Open seinen 16. Grand-Slam-Titel geholt. Der Schweizer setzte sich 6:3, 6:4, 7:6 (13:11) gegen den Briten Andy Murray durch, den er schon vor zwei Jahren im Finale der US Open glatt in drei Sätzen bezwungen hatte. Als Preisgeld bekam der Weltranglisten-Erste 1,922 Millionen Dollar. Murray kassierte die Hälfte der Summe.
"Der erste Titel als Vater - das ist ein ganz spezieller Tag heute für mich", sagte Federer. Der 22-jährige Murray konnte dem variantenreichen Spiel von Federer nichts entgegensetzen. "Ich kann schon so heulen wie Roger, aber leider noch nicht so gut spielen", sagte der ergriffene Murray und die Tränen flossen ihm übers Gesicht. "So war es bei mir im letzten Jahr", so Federer, "ärgere dich nicht, du bist ganz sicher einer der Spieler, die einen Grand-Slam gewinnen werden."
Schon nach wenigen Ballwechseln deutete sich an, dass aus einem Sieg Murrays nichts werden würde. Er war zu nervös und der Favorit leistete sich kaum Fehler. Zwar musste der Schweizer nach eigenem Break auch ein eigenes Aufschlagspiel abgeben. Doch am klaren Kräfteverhältnis änderte sich in den 161 Spielminuten nichts. Immer, wenn es brenzlig wurde, verschärfte der Weltranglisten-Erste das Tempo und zeigte Murray seine Grenzen.
Murray klettert in der neuen Weltrangliste auf Platz drei
Federer siegte zum vierten Mal in Melbourne, bereits 2004, 2006 und 2007 hatte er die Australian Open gewonnen. Er ist am Montag mit insgesamt 268 Wochen als Nummer eins gemeinsam mit Jimmy Connors Dritter der ewigen Liste hinter Pete Sampras (286 Wochen) und Ivan Lendl (270). Murray klettert in der neuen Weltrangliste auf Platz drei hinter Federer und Novak Djokovic (Serbien). Titelverteidiger Rafael Nadal, der Murray im Viertelfinale unterlag, ist nur noch Vierter.
Die britische Tennis-Nation war in Aufruhr, als Murray mit nur einem abgegebenen Satz ins Endspiel gestürmt war. Murrays Auftrag: 76 Jahre nach dem letzten Grand-Slam-Sieg eines Briten durch den legendären Fred Perry endlich den erhofften Triumph erspielen. "Andy ist ein armer Kerl", hatte Federer angesichts des großen Drucks schon vorher gesagt und gescherzt: "Die Leute im Land von Wimbledon warten schon seit 150.000 Jahren auf einen Grand-Slam-Sieg. Und Andy soll ihn holen."
Doch es kam anders: "Ich hoffe, irgendwann komme ich hierher und kann gewinnen", sagte Murray. Und die Tränen flossen weiter.