Australian Open Hitzschlag auf dem Centercourt
Melbourne - Während David Prinosil der Höllenhitze von Melbourne Tribut zollen musste, rettete Barbara Rittner die deutsche Tennisehre und qualifizierte sich für das Achtelfinale. Mit einem 6:1, 3:6, 6:1-Sieg gegen die Rumänin Ruxandra Dragomir schaffte die Leverkusenerin am Freitag erstmals in ihrer Karriere bei den Australian Open den Sprung in Runde vier.
Wie "auf glühenden Kohlen" kam sich Barbara Rittner noch lange nach ihrem Match vor. "Das war schon an der Grenze. Am schlimmsten war, wie die Hitze in den Füßen brannte und dann bis in den Kopf hochgestiegen ist", so die 27-Jährige und lachte. Im zehnten Anlauf hatte sie zum ersten Mal die Runde der besten 16 erreicht. Nach dem verlorenen zweiten Satz ergriff sie zunächst die Flucht, die Hitzeregeln erlauben eine zehnminütige Auszeit.
"Ich habe mir in der Umkleidekabine Wasser ins Gesicht geklatscht und versucht, etwas abzuschalten und einen Neuanfang zu machen. Und das war für den Kopf auch gut", so Barbara Rittner, die Ruxandra Dragomir zum Schluss fast an die Wand spielte. Der vom Wetterdienst vorausgesagte "Temperatursturz" auf 24 Grad Celsius bis Sonntag dürfte ihr gefallen - die Achtelfinalgegnerin Anna Kurnikowa eher anderen. "Ich glaube, ich habe meine Chancen." Dass die Aufmerksamkeit am Sonntag wohl wieder der blonden Russin gehört, die noch kein Turnier gewonnen hat, stört Barbara Rittner am wenigsten: "Ich bin verheiratet - sie ist ja noch zu haben."
Marathon-Mann Prinosil blieb nach zwei Kraft raubenden Fünf-Satz-Matches indes vorzeitig auf der Strecke. Die erbarmungslose Sonne, 54 Grad Celsius auf dem Center Court und Titelverteidiger Andre Agassi waren dem Amberger an diesem Tag zu viel: Beim Stand von 6:7 (11:13), 0:5 gab der Daviscupspieler völlig erschöpft auf. Im Tiebreak hatte er schon mit 6:2 geführt.
Prinosil war enttäuscht, denn "ich habe gute Chancen gegen Andre gehabt. Den Tiebreak musste ich gewinnen". Doch er konnte sechs Satzbälle nicht nutzen, und im zweiten Satz nahm das Unheil seinen Lauf. Bis zum bitteren Ende. "Es war ein Hitzschlag. Ich hatte einen viel zu hohen Ruhepuls und 38 Grad Temperatur", erklärte Prinosil, "der Physiotherapeut hat dann gesagt, es ist besser aufzuhören. Auf dem Center Court weht ja kein einziges Lüftchen." Dabei wusste "Prino", der sich zwei Stunden nach dem K.o. "schon viel besser" fühlte, dass er in der Hitze Probleme bekommt: "Das war in der Vergangenheit öfter so, auch bei den US Open. Vielleicht sollte ich mal in der Sauna trainieren."
Andre Agassi konnte Kräfte sparen, teilte dafür auf der PK kräftig aus. Zielperson: Jewgenij Kafelnikow, der am Vortag die "lächerlichen" Preisgelder im Tenniszirkus beklagt hatte. Der Amerikaner konnte nur den Kopf schütteln. "Kafelnikow sollte sich für sein Geld mal eine neue Perspektive kaufen", forderte der Mann aus Las Vegas. Dies habe er Kafelnikow, so Agassi, zuvor schon mal ganz deutlich unter vier Augen gesagt.
Barbara Rittner hat damit als (vorerst) Einzige der 17 gestarteten Deutschen das Achtelfinale erreicht. Drei wollen ihr am Samstag folgen: Lars Burgsmüller (Essen) wird vom britischen "Aufschlag-Monster" Greg Rusedski gefordert, Rainer Schüttler (Bad Homburg) trifft auf Daniel Nestor (Kanada), Marlene Weingärtner (Heidelberg) auf Amanda Coetzer (Südafrika).
Von Ralf Jarkowski und Alexander Hofmann, dpa