Australian Open: Mirjana Lucic-Baroni steht überraschend im Halbfinale - DER SPIEGEL
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Mirjana Lucic-Baroni: Comeback nach 18 Jahren

Foto: Dita Alangkara/ AP

Australian-Open-Halbfinalistin Lucic-Baroni Die durch die Hölle ging

Sie galt als Jahrhunderttalent, wurde aber vom Vater gequält und konnte sich nicht in der Weltspitze halten. 18 Jahre später ist Mirjana Lucic-Baroni zurück. In Australien steht die Kroatin sensationell im Halbfinale.
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Es war der letzte große Sieg in der Karriere der Stefanie Graf. 1999 muss die 22-fache Grand-Slam-Siegerin, von Knieproblemen geplagt, hart kämpfen, ehe sie das Halbfinale von Wimbledon mit einem Service-Winner beendet. Küsschen links, Küsschen rechts, auf der Tribüne applaudieren Mutter Heidi und Trainer Heinz Günthardt. Grafs Gegnerin: Mirjana Lucic, damals 17 Jahre jung und für Experten eine potenzielle Nachfolgerin der deutschen Ausnahmespielerin, die die Tennis-Weltrangliste 377 Wochen angeführt hatte.

Doch es kam alles anders. Während Graf nur wenige Wochen später zurücktrat, verschwand Lucic für viele Jahre komplett von der Tennis-Bühne - unverschuldet, seelisch und körperlich gequält, psychisch nicht in der Lage, Spitzensport zu betreiben. Dabei hatte die Deutsche nach ihrem knappen Erfolg auf dem heiligen Rasen anerkennend gelobt: "Mirjana ist schon weiter, als ich es in ihrem Alter war."

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Mirjana Lucic-Baroni: Comeback nach 18 Jahren

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Heute, fast 18 Jahre später, steht die in Dortmund geborene Kroatin zum zweiten Mal in ihrer Karriere in einem Grand-Slam-Halbfinale. Bei den Australian Open besiegte Lucic-Baroni, wie sie seit ihrer Hochzeit 2010 heißt, die Mitfavoritin Karolina Pliskova aus Tschechien 6:4, 3:6, 6:4. "Diese Tage hier machen alles Schlechte, was mir im Leben zugestoßen ist, wieder gut", sagte die 34-Jährige mit tränenerstickter Stimme.

Im Halbfinale trifft Lucic-Baroni nun auf Serena Williams, die mit einem Turniersieg Angelique Kerber wieder von der Spitze der Weltrangliste verdrängen und Steffi Graf in Sachen Grand-Slam-Titel mit dem 23. Erfolg überflügeln könnte. Es ist die Renaissance der alten Damen, neben Lucic-Baroni und Serena Williams, 35, steht auch deren 36-jährige Schwester Venus im Halbfinale von Melbourne.

Graf, Williams, Hingis - und Lucic-Baroni

Gegen Serena Williams tritt Lucic-Baroni in der Nacht zu Donnerstag zum dritten Mal in ihrer Karriere an. Die ersten beiden Matches gewann die US-Amerikanerin, 1998 in Sydney und Wimbledon. In jenem Jahr war der Stern der Rechtshänderin aufgegangen. An der Seite von Martina Hingis - mit 36 Jahren auch in diesem Jahr mal wieder im Viertelfinale der Mixed-Konkurrenz bei den Australian Open - gewann Lucic den Doppeltitel in Melbourne.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit war das Privatleben des Jungstars zu diesem Zeitpunkt schon völlig zerrüttet - daran konnten auch die Erfolge auf dem Tenniscourt nichts ändern. Ihr gewalttätiger Vater Marinko hatte Lucic-Baroni über Jahre gequält, geschlagen und so floh die Mutter mit Mirjana und deren vier Geschwistern 1998 in die USA, beantragte dort Asyl.

Mirjana Lucic-Baroni bei ihrem Sieg gegen Karolina Pliskova

Mirjana Lucic-Baroni bei ihrem Sieg gegen Karolina Pliskova

Foto: Andy Brownbill/ AP

Hinter ihr lag "die Hölle", wie Lucic-Baroni einmal erzählte: "Die Qualen, die ich erlebt habe, wünsche ich nicht einmal meinem schlimmsten Feind." In dieser Zeit half ihr vor allem der Glauben. "Ich habe Gott darum gebeten, dass ich mich von meinem Vater befreie und er uns endlich in Ruhe lässt."

Ihre gesamte Lebensgeschichte möchte sie zu einem späteren Zeitpunkt erzählen, auch in Melbourne schweigt Lucic-Baroni lieber zu dem Martyrium ihrer Jugend. "Das waren mehr Schläge als sich irgendjemand vorstellen kann", hat sie einmal über die Ausraster ihres tyrannischen Vaters gesagt, der ihr auch einen Teil ihres Preisgelds gestohlen haben soll.

Nach der Niederlage gegen Graf 1999 folgten viele Jahre ohne nennenswerte Erfolge. Mal quälte sich Lucic-Baroni durch die Qualifikation bei den Grand Slams, dann spielte sie zweitklassige ITF-Turniere, zwischen August 2003 und Februar 2007 bestritt sie insgesamt nur fünf Matches. Doch ein kompletter Rücktritt stand nie zur Debatte. Denn das Gefühl, im Tennis nicht alles erreicht zu haben, was bei ihrem Talent möglich gewesen wäre, trieb sie an.

Nach ihrer Hochzeit 2010 ging es langsam, aber stetig bergauf. 2014 ließ Lucic-Baroni mit dem Turniersieg in Québec und den Erfolgen gegen Garbiñe Muguruza aus Spanien und die Rumänin Simona Halep bei den US Open erstmals wieder aufhorchen. "Sie ist so positiv", sagt ihre Doppelpartnerin Andrea Petkovic. "Das zahlt sich irgendwann aus, und jetzt kommt alles zu ihr zurück."