Autopsiebericht Pantanis Herz versagte
Rimini/Rom - Was den Herztod auslöste, darüber wird weiter heftig spekuliert. Weder Selbstmord noch eine Tablettenvergiftung konnte Professor Giuseppe Fortuni, der die dreistündige Autopsie durchführte, heute ausschließen. "Zwei Elemente haben den Herzinfarkt ausgelöst, und zwar Blut in der Lunge und im Gehirn. Wir werden der Sache auf den Grund gehen. Ausschließen können wir lediglich eine Gewaltanwendung", sagte Fortuni. Inzwischen hat auch die Familie Pantani einen Experten eingeschaltet, um die genaue Todesursache zu ermitteln.
Pantani-Tod: "Il pirata" eroberte die Herzen der Italiener
In dem Hotelzimmer in Rimini, in dem Pantani am Samstagabend tot aufgefunden worden war, fanden die italienischen Ermittler neun Blätter, auf denen das italienische Radsport-Idol seine Gedanken notiert hatte. "Niemand hat mich jemals richtig verstanden, nicht einmal meine Familie. Ich habe mich so alleine gefühlt." Die Aufzeichnungen enden mit dem Satz: "Sie haben nur mich bestrafen wollen."
Offenbar sah sich Pantani als Opfer einer Verschwörung. Seinen tiefen Kummer über den Zusammenbruch seiner Karriere und die Dopingvorwürfe hatte er sich wohl noch in seinen letzten Stunden von der Seele geschrieben.
"Das Zimmer war vollkommen durcheinander, halb verwüstet, als wäre Pantani im Bann einer unglaublichen Wut gewesen", wurde ein Ermittler von der römischen Tageszeitung "La Repubblica" zitiert. Der ermittelnde Staatsanwalt Paolo Gengarelli dementierte jedoch, dass auch Kokain im Zimmer gefunden worden sei.
Erstmals wurde jetzt bekannt, dass der von Dopingskandalen, Prozessen und gescheiterten Comebackversuchen depressiv gewordene Pantani vor wenigen Wochen auf Kuba mit dem ehemaligen Fußballstar Diego Maradona zusammengetroffen war, der sich dort wieder einmal gegen seine Drogensucht behandeln ließ. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sich auch der Tour- und Giro-Sieger von 1998 einer Entziehungskur unterziehen wollte. "Wir sind alle ein bisschen schuldig", sagte Maradona italienischen Reportern, "als er gewonnen hat, hat ihn die Welt gefeiert, aber gestorben ist er alleine."
Die Staatsanwälte versuchen inzwischen zu klären, warum sich Pantani nach Rimini zurückgezogen hatte. "Er wollte allein sein und die Familie nicht belasten", berichteten Freunde. Laut italienischen Medien hatte Pantani durch starken Drogenkonsum rund 25 Kilogramm zugenommen und die Nächte oft in Diskotheken verbracht.
Ob auch Liebeskummer Pantani in den Tod trieb, bleibt vorerst Spekulation. Vor einem halben Jahr verließ ihn seine langjährige Freundin Christina. Neun Jahre waren die Dänin und der "König der Berge" ein Paar. Danach kapselte sich Pantani ab. Er brach den Kontakt mit seiner in Cesenatico wohnenden Familie ab und reiste allein nach Kuba.
Hunderte Menschen erwiesen Pantani vor dem Krankenhaus in Rimini die letzte Ehre. Bei der Obduktion stellte sich heute heraus, dass der 34-Jährige an einem Hirn- und Lungenödem sowie einem Herzstillstand gestorben sei, wie der zuständige Gerichtsmediziner Giuseppe Fortuniwar sagte. Die genaue Ursache blieb aber weiterhin unklar. Bis zur endgültigen Auswertung der chemischen Analysen könnten aber noch Tage vergehen.
Für Pantanis Mutter Tonina ist die Ursache für den durch Herzstillstand eingetretenen Tod ihres Sohnes schon klar. "Ihr habt ihn umgebracht", klagte sie die gesamte Radsport-Szene an.
Zahlreiche Tifosi und Freunde wollten ihr Idol ein letztes Mal sehen, doch nur Pantanis Schwester Manola durfte den Raum betreten, in dem der Leichnam aufgebahrt war. 1000 Fans hatten sich auch vor dem Apartmenthotel "Le Rose" versammelt und legten Blumen vor dem Eingang nieder.