Axel Schulz: Kein Schäferstündchen mit Tyson - DER SPIEGEL
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Axel Schulz Kein Schäferstündchen mit Tyson

Schwergewichtler Axel Schulz bleibt standhaft im Ruhestand und verzichtet auf ein Comeback im Boxring gegen Ex-Weltmeister Mike Tyson. Auch die Aussicht auf drei Millionen Mark Kampfbörse konnten den "weichen Riesen" nicht umstimmen.
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Frankfurt an der Oder - Auch eine Millionen-Offerte von Ex-Weltmeister Mike Tyson konnte Axel Schulz nicht zu einem Comeback bewegen. Der 31-jährige Schwergewichtler aus Frankfurt (Oder) lehnte am Freitagvormittag das Angebot ab, im April gegen den Amerikaner in den Ring zu steigen. "Ich habe vor vier Monaten eine Entscheidung getroffen, und es ist nicht meine Art, diese nach einigen Wochen wieder umzukippen", sagte der ehemalige Profi, der seine Karriere nach dem verlorenen EM-Kampf am 25. September vergangenen Jahres gegen den Ukrainer Wladimir Klitschko beendet hatte. Schulz musste Promoter Wilfried Sauerland seine Entscheidung bis Freitagvormittag mitteilen. Diese Frist hatte das Management von Tyson gesetzt.

"Ein Angebot von Tyson ist für mich immer reizvoll", räumte der in seiner 31 Kämpfe umfassenden Profi-Laufbahn wenig schmeichelhaft als "weicher Riese" titulierte Schulz ein. "Aber ich wollte keine Entscheidung aus dem Bauch heraus fällen. Bei einer Vorbereitungszeit von knapp zwei Monaten ohne vorheriges Training bin ich nicht in der Lage, einen solchen Kampf ernsthaft zu führen. Es wäre nur des Geldes wegen, und dazu war und bin ich auch heute nicht bereit." Für ein Duell mit Tyson hätte der Deutsche mit einer Börse von drei Millionen Mark rechnen können. In seiner aktiven Zeit soll er Gagen in einer Gesamthöhe von knapp 15 Millionen Mark kassiert haben.

Noch vor der Absage war unter Experten ein Streit über Sinn und Unsinn eines möglichen Schulz-Comebacks entbrannt. Die einen zeigten sich begeistert, andere warnten, die dritte Gruppe hatte nur Spott für die Idee übrig. Erfolgstrainer Uli Wegner aus dem Kölner Sauerland-Stall war angetan. "Ich hätte es sofort gemacht, ohne zu überlegen", meinte der Coach, der die Supermittelgewichts-Weltmeister Sven Ottke (IBF) und Markus Beyer (WBC) trainiert. "Tyson ist doch nur noch eine nervliche Bruchbude. Der ist längst über seinen Zenit hinaus. Und die böse Niederlage gegen Klitschko war eine absolute Blamage für Axel. Das Publikum liebt ihn unverändert. Also soll er wieder boxen", befand Wegner. Dessen Schützling Sven Ottke widersprach seinem Coach vehement. "Axel hätte sich keinen Gefallen getan. Der wäre doch nur als Opfer eingekauft worden und hätte nicht die Spur einer Chance gehabt. Wenn er es gemacht hätte, wäre es nur ums Geld gegangen."

Ebby Thust, der Manager von Schwergewichtler Willi "de Ox" Fischer (Frankfurt/Main), hätte Schulz am liebsten in den Ring getragen. "Axel kann doch nur gewinnen. Da sind zwei bis drei Millionen Mark drin. Tyson ist nicht mehr der Alte, und das Boxen hat Axel doch nicht verlernt." Der in Hamburg lebende WBO-Weltmeister Witali Klitschko hatte nur Spott für Schulz übrig. "Das ist leicht verdientes Geld für Tyson", meinte der 27 Jahre alte Ukrainer. "Aber Tyson soll endlich gegen mich boxen und nicht immer davonlaufen." Auch Fritz Sdunek, Trainer der Klitschko-Brüder, forderte Tyson auf, "keine Mätzchen" mehr zu machen. "Der soll nicht rumeiern und nach schwächeren Gegnern suchen, sondern endlich gegen Witali antreten." Sdunek bezeichnete die Comeback-Idee von Schulz als Lachnummer. "Hätte er geboxt, hätte er sein Gesicht verloren. Aber mir war eigentlich klar, dass er so viel Charakter hat, es nicht zu tun. Er hätte außerdem seine Gesundheit aufs Spiel gesetzt."

Schulz will dem Boxen aber erhalten bleiben. Beim Pay-TV-Sender Premiere World wird er weiterhin als Co-Kommentator auftreten. Gebucht ist er bereits für den WM-Kampf von Dreifach-Champion Lennox Lewis (Großbritannien) gegen Michael Grant (USA) am 29. April in New York. Seine sportlichen Ambitionen hat der nunmehr als Geschäftsmann tätige Blondschopf auf die Straße verlagert. "Ich bereite mich auf den New-York-Marathon am 5. November vor. Das war schon immer mein Traum." Um dieses Ziel zu verwirklichen, hält er sich mit Krafttraining, längeren Läufen und Fußball spielen fit.