Baseball: New York, New York - DER SPIEGEL
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Baseball New York, New York

Erstmals seit 44 Jahren findet die World Series wieder zwischen Clubs aus einer Stadt statt. Kein Wunder, dass alle Bewohner New Yorks aus dem Häuschen sind, wenn ab Samstag die Mets und die Yankees die Holzkeulen schwingen.
Von Andreas Lampert
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Als Dave Justice am Dienstag im siebten Inning einen Homerun in den New Yorker Nachthimmel schlug, ging ein Aufschrei durch die Bronx. Mit 4:3 lagen die New York Yankees  gegen die Seattle Mariners zurück, ehe der Leftfielder zu seinem Schlag ansetzte, der drei Runs nach Hause brachte und das Spiel zu Gunsten der "Bronx Bomber" wendete. Am Ende des sechsten Spiels der American-League-Finals-Serie bezwangen die "Bronx Bomber" mit 9:7 ihren Kontrahenten von der Westküste und zogen mit 4:2-Siegen zum 37. Mal in ihrer Geschichte und zum dritten Mal in Folge in die World Series ein.

Doch was für Yankees-Anhänger zuletzt wie eine Selbstverständlichkeit aussah, wird in diesem Jahr eine Besonderheit sein. Denn der Gegner im diesjährigen Saisonfinale heißt nicht Atlanta Braves, San Diego Padres oder etwa wie erwartet St. Louis Cardinals, sondern ist der Lokalrivale aus dem New Yorker Stadtteil Queens, die New York Mets . Die Mets gewannen die National League-Meisterschaft, indem sie am Montag souverän die Cardinals mit 7:0 bezwangen und sich mit 4:1-Siegen ihre Teilnahme an der "Fall Classics" sicherten.

Eine World Series, die in einer Stadt stattfindet, hatte es zuletzt 1956 gegeben, als die Yankees die Brooklyn Dodgers in sieben Spielen mit 4:3 bezwangen und Yankee-Pitcher Don Larson im fünften Spiel ein "perfect game" warf, ein bis heute historisch einmaliger Fall während einer World Series. Die Fans fuhren mit der U-Bahn zu den Spielen, deshalb wurden Auseinandersetzungen dieser Art auch im Volksmund "Subway Series"  genannt. In den Fünfzigern war New York die Baseball-Hauptstadt der USA, insgesamt wurde das Baseballfinale von 1947 bis 1956 acht Mal als innerstädtisches Duell zwischen den Yankees und den Dodgers oder den Yankees und den New York Giants ausgetragen.

Kein Wunder, dass sich der "Big Apple" derzeit wieder als der Mittelpunkt der Baseballwelt sieht. "Ich war im Stadion, als die Yankees damals gegen die Dodgers spielten", erinnert sich der heutige Yankee-Coach Joe Torre lebhaft an die Zeit von damals. "Die ganze Stadt war aus dem Häuschen. Es gab nur ein Thema: Baseball." Auch der jetzige Bürgermeister der 7,5-Millionen-Metropole, Rudolph Guiliani, war damals vom Baseballfieber gepackt: "Ich bin von der Schule nach Hause gerannt, um mich vor das Radio zu klemmen. Larsens 'perfect game' habe ich so erlebt", freut sich der Stadtvater auf die anstehenden Stadionbesuche in der nächsten Woche. Giuliani ist glühender Yankee-Anhänger, der sich auch gerne in voller Fanmontur in der Öffentlichkeit zeigt. "Die Subway Series wird großartig für diese Stadt sein. Die Mets haben bislang toll gespielt, aber ich werde die Yankees anfeuern", stellt der Bürgermeister vorneweg die Verhältnisse klar.

Für die Mets-Fans gäbe es derzeit keine größere Genugtuung, als wenn Giuliani mit zerknirschter Miene eine Siegesparade für die Mets in den Straßen Manhattans abhalten müsste. Dann würde sich das über Jahrzehnte ertragene Underdog-Verhältnis gegenüber den Yankees als lohnende Investition erweisen. Denn die Fans der "Metties" rühmen sich als Unterstützer der Außenseiter und verkörpern gleichzeitig symbolisch den größten Verrat der New Yorker Gemeindeoberhäupter an ihrer Stadt, als sie 1958 sowohl die Dodgers (nach Los Angeles) als auch die Giants (nach San Francisco) in den Westen ziehen und deren Stadien abreißen ließen. Nicht umsonst bestehen die Farben der Mets, die 1962 als Expansion-Team in der National League installiert wurden, aus einer Kombination der Vereinsfarben der Dodgers (blau) und der Giants (orange).

So begeistert die New Yorker derzeit von ihren Teams sind, so reserviert reagiert der Rest der Nation über das anstehende Stadtduell. "Das EINZIG Gute an der NY-Serie ist die Tatsache, dass eine Mannschaft aus New York verlieren wird", schrieb beispielsweise L.R. Jameson aus Pennsylvania im CNN/SI-Forum zur "Subway Series". Auch der Fernsehsender "Fox", der die Finalserie überträgt, ist nicht gerade begeistert über die Tatsache, dass die Mets die Yankees herausfordern. Zwar sind hohe Einschaltquoten in New York und unter den Baseballliebhabern garantiert, aber an der Westküste - traditionell den New Yorkern gegenüber eher abgeneigt - dürfte sich die Ekstase auf ein Naserümpfen reduzieren.

Sportlich verspricht die Subway Series 2000 einiges. Die Mets gelten als aufstrebendes junges Team, die Yankees befinden sich vor einem Generationswechsel und wollen zum letzten, großen Schlag ausholen. Die Tatsache, dass die Yankees drei der letzten fünf World Series erfolgreich bestritten haben, könnte den Hunger der "Bronx Bomber" nach Erfolg möglicherweise eingeschränkt haben. Vorteile haben die Yankees auf dem Pitcher-Hügel: Mit Roger "The Rocket" Clemens, Andy Pettitte und Orlando "El Duque" Hernandez verfügen sie über Werfer, die ein Spiel alleine entscheiden können. Interessant dürfte aber auch sein, wie die American-League-Pitcher mit dem Schläger umgehen können. Gespielt wird jeweils nach den Regeln des Heimteams. In der Liga, in der die Yankees spielen, müssen die Werfer nie schlagen.