Baseball - Tommy Lasorda: Einmal Dodger, immer Dodger - DER SPIEGEL
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Baseball-Ikone: Der ewige Tommy Lasorda

Foto: Paul Sancya / AP

Baseball-Legende Tommy Lasorda Einmal Dodger, immer Dodger

Die ersten beiden Finalspiele der World Series haben die L.A. Dodgers klar verloren. Aber noch träumen sie von ihrer ersten Meisterschaft seit 1988. Ihr Hoffnungsträger ist 91 Jahre alt.
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Es sieht schlecht aus für die Los Angeles Dodgers. Mal wieder. Viel deutet darauf hin, dass sie erneut eine World Series verlieren. Es wäre das 13. Mal in der Vereinsgeschichte. Damit würden sie nach Finalniederlagen mit den New York Yankees gleichziehen. Aber die Yankees sind mit 27 Titeln Rekordmeister in der Major League Baseball (MLB). Bei den Dodgers stehen zwölf verlorenen Endspielserien nur sechs Meisterschaften gegenüber.

Auch in der vergangenen Saison hatte es das Team aus Los Angeles in die World Series geschafft, war dort aber knapp an den Houston Astros gescheitert. In diesem Jahr sieht es schlechter aus: Die ersten beiden Spiele haben die Dodgers bei den Boston Red Sox verloren, und hatten keine echte Chance, eine der Partien zu gewinnen.

Dodgers-Fans könnten Hoffnung daraus schöpfen, dass ihre Mannschaft für die kommenden drei Spiele Heimrecht hat. Aus dem kalten Nordosten ist der World-Series-Tross quer durch die USA ins sonnige Kalifornien gereist. Und es macht schon einen Unterschied, ob man bei zehn Grad wirft und schlägt oder bei 28 Grad.

Seit 69 Jahren im selben Verein

Doch ein Blick auf die Statistik ist ernüchternd: Seit 37 Jahren hat kein Team die World Series gewonnen, das die ersten beiden Partien auswärts verloren hatte. Die gute Nachricht: Die Mannschaft, der das zuletzt gelang, waren die Dodgers. Und der Mann, der damals für den Erfolg verantwortlich war, wird beim heutigen dritten Spiel im Stadion die Daumen drücken: Tommy Lasorda.

Mit Begriffen wie Legende sollte man vorsichtig sein, weil sie im Sport inflationär gebraucht werden. Aber wenn es eine lebende Dodgers-Legende gibt, dann ist es Lasorda. Der älteste lebende Hall-of-Famer ist trotz seiner mittlerweile 91 Jahre als Vize-Präsident und Berater des Vorstands nach wie vor aktiver Teil des Teams. Es ist Lasordas 69. Saison in offizieller Funktion bei den Dodgers. Und er feiert noch immer wie zu seinen aktiven Zeiten.

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Als der damals 21-jährige Lasorda 1948 von den Dodgers verpflichtet wurde, spielten sie noch in Brooklyn. Und niemand konnte ahnen, dass sich das mal ändern würde. Baseball war ein reiner Ostküstensport, weil Reisen quer durchs ganze Land angesichts des schon damals sehr vollen Spielplans schlicht nicht zumutbar waren.

"Mir tut derjenige leid, der mein Nachfolger wird"

Lasorda war Pitcher, kein herausragend guter. "Ich habe als Spieler nicht das Niveau erreicht, von dem ich dachte, dass ich es hätte erreichen können", sagt er. Ein Grund dafür war der junge Sandy Koufax, der Lasorda vorgezogen und später zu einem der besten Werfer der Baseball-Geschichte wurde. Immerhin gehörte Lasorda zum Kader, der 1955 die erste Meisterschaft für die Dodgers gewann - auch wenn er in der World Series nicht zum Einsatz kam.

Nur drei Jahre spielte er in der Major League, sammelte ansonsten Erfahrung bei unterklassigen Teams sowie unter anderem auch auf Kuba und in Kanada. Den Dodgers blieb Lasorda dabei immer verbunden, erlebte 1957 den Umzug von New York nach Los Angeles und arbeitete im Anschluss an seine aktive Karriere zunächst als Scout für seinen Klub. 1973 übernahm er als Third-Base-Coach seine erste Aufgabe im Trainerteam, drei Jahre später wurde er zum Nachfolger des legendären Walter "Smokey" Alston.

69 Jahre Lasorda bei den L.A. Dodgers - Fotos einer Karriere:

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Baseball-Ikone: Der ewige Tommy Lasorda

Foto: Paul Sancya / AP

In seinem ersten Interview als Cheftrainer wurde Lasorda gefragt, ob er nicht einen besonderen Druck verspüre, weil er in so große Fußstapfen treten müsse. Immerhin hatte Alston die Dodgers zwischen 1954 und 1976 zu ihren ersten vier World-Series-Titeln geführt. Lasordas Antwort: "Mir tut derjenige leid, der mal mein Nachfolger wird."

Zwei Meisterschaften als Trainer

Mangelndes Selbstbewusstsein gehörte nie zu seinen Problemen, aber er ließ den großen Worten auch Taten folgen. 1977 und 1978 coachte Lasorda die Dodgers in die World Series - verlor aber jeweils gegen die Yankees. Drei Jahre später gewann er schließlich seine erste Meisterschaft als Trainer.

In der Finalserie 1981 standen die Dodgers wieder den Yankees gegenüber. Es war das elfte Mal, das diese beiden Teams den Meistertitel unter sich ausmachten - keine Paarung gab es in der 115-jährigen Geschichte der World Series öfter. Acht der vorherigen zehn Duelle hatten die Yankees für sich entschieden. Und wieder sah alles danach aus, als sollten die Dodgers gegen den großen Rivalen aus dem Osten den Kürzeren ziehen.

Die Yankees gewannen die ersten beiden Partien in New York 5:3 und 3:0. Dann kam die Serie nach Los Angeles. Die Dodgers nutzten ihren Heimvorteil zu drei Siegen in Folge und entschieden schließlich auch das sechste Spiel im Yankee Stadium klar 9:2 für sich.

Ein ähnlich starkes Comeback brauchen sie in diesem Jahr wieder, wenn es zum ersten Meistertitel seit 1988 reichen soll. Auch den bis heute letzten großen Erfolg feierten sie - natürlich - unter Trainer Lasorda, der 20 Jahre im Amt blieb, in dieser Zeit zu einer Ikone wurde und im Anschluss ins Management wechselte.

Auseinandersetzungen mit Schiedsrichtern und Maskottchen

Immer wieder wurde ihm vorgeworfen, die Regeln zu den Gunsten seines Teams bis an den Rand des Erlaubten oder auch darüber hinaus zu dehnen. "Wir betrügen nicht", antwortete Lasorda auf Nachfragen und ergänzte: "Und wenn wir es tun würden, würde ich es Ihnen nicht sagen."

Seine Interviews waren berüchtigt, nicht selten waren mehr Pieptöne als Worte  zu hören. Auch Schiedsrichtern sagte er gern und meist sehr direkt seine Meinung. Und wenn es sein musste, legte er sich mit dem gegnerischen Maskottchen an.

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Ein Denkmal setzte sich Lasorda im Jahr 2000, als er das US-Team bei den Olympischen Spielen in Sydney betreute. Die USA gewannen im Finale gegen die hoch favorisierten Kubaner ihre bis heute einzige Goldmedaille.

So gut Lasorda als Trainer war, so schwer tat er sich als Familienvater. Unter anderem weigerte sich der praktizierende Katholik, die Homosexualität seines zweitgeborenen Sohns Tom Jr. zu akzeptieren. Tom Jr. war 1991 an Aids gestorben. Lasorda behauptet bis heute, sein Sohn sei nicht HIV-positiv gewesen, sondern an Krebs erkrankt.

Seine Frau beschwere sich immer, dass er Baseball mehr liebe als sie, sagt Lasorda. Er antwortet ihr dann: "Das stimmt. Aber immerhin mag ich dich mehr als Football oder Eishockey."