Bamberg-Zugang Nachbar "Der deutsche Basketball erlebt einen Aufstieg"
Bamberg-Profi Nachbar (r.): "Die Titelverteidigung ist unser Ziel"
Foto: CHRISTOF STACHE/ AFPFrage: Herr Nachbar, Sie haben bereits auf der ganzen Welt und lange Jahre in der NBA gespielt. Warum haben Sie für diese Saison in Bamberg unterschrieben?
Nachbar: Dafür gibt es viele Gründe, unter anderem, dass Bamberg ein qualitativ sehr starkes Team und in Chris Fleming einen der besten Trainer Europas hat. Vom basketballerischen Standpunkt war es also keine große Frage, ob es passt. Hier herrscht eine Gewinnermentalität.
Frage: Was wollen Sie mit Bamberg in den kommenden Monaten erreichen?
Nachbar: Die Titelverteidigung ist eindeutig unser Ziel, obwohl viele Teams im Sommer stärker geworden sind. Aber auch wir haben das Gefühl, stärker geworden zu sein, und sind deshalb sehr selbstbewusst. Schon in den ersten Partien haben wir als echtes Team zusammengespielt, was es uns sehr einfach macht. In der Euroleague ist die Runde der letzten 16 ein realistisches Ziel.
Frage: Wussten Sie viel über die Bundesliga BBL, bevor Sie nach Deutschland kamen?
Nachbar: Als ich ein Kind war, habe ich viele BBL-Spiele gesehen, denn das DSF (Vorgänger des Fernsehsenders SPORT 1 - d. Red.) war einer der Sportsender, die wir in Slowenien empfangen konnten. Ich bin positiv davon überrascht, wie viele treue Fans es hier gibt und wie voll die Hallen sind. In Europa weiß mittlerweile jeder, dass die deutsche Liga eine der besten ist, was ich sehr gut finde. Ich glaube, dass der deutsche Basketball und die BBL einen Aufstieg erleben. Die Mannschaften sind jedes Jahr stärker, das wiederum macht die Liga stärker, und wir werden in den kommenden Jahren eine weitere Verbesserung erleben.
Frage: Sie haben für drei verschiedene Teams in der NBA gespielt. Wie erinnern Sie sich heute an diese Zeit in der besten Liga der Welt?
Nachbar: Es war großartig für mich. Den Sprung in die NBA zu schaffen, war immer mein Ziel gewesen, und dann habe ich es nicht nur dorthin geschafft, sondern für einige Teams auch eine wichtige Rolle gespielt, worauf ich stolz bin. Insbesondere die letzten Jahre in der NBA, bei den New Jersey Nets, an der Seite von Vince Carter und Jason Kidd, das Erreichen der Postseason, das Gewinnen von Playoff-Spielen - das waren große Erlebnisse für mich, auf die ich auch sehr stolz bin.
Frage: Viele Basketballfans diskutieren endlos über die Unterschiede zwischen der NBA und europäischen Ligen. Sie waren in beiden Welten erfolgreich. Wo liegt wirklich der größte Unterschied?
Nachbar: Abgesehen davon, dass das Spiel in der NBA etwas physischer und schneller ist, liegt der größte Unterschied in der "Illegal Defense"-Regel. Man kann in der NBA in der Verteidigung nicht so viel aushelfen. Das öffnet das Spielfeld, macht das Spiel schneller und erlaubt Offensivspielern einige Vorteile. Hoffentlich wird es in Zukunft so sein, dass auch in Europa eine solche Regel eingeführt wird. Das macht das Spiel interessanter und unterhaltsamer für die Fans. Es kann allerdings sein, dass ich bis dahin nicht mehr aktiv spiele (lacht).
Frage: Im Kader der Bamberger sind Sie einer der erfahrensten Spieler und sollen dementsprechend eine Führungsrolle einnehmen. Sind Sie eher ein lauter Anführer oder der Typ, der mit gutem Beispiel vorangeht?
Nachbar: Ich rede nicht so viel, nur wenn es wirklich notwendig ist. Ich bin ja auch nicht der Kapitän der Mannschaft, diesen Job macht Casey Jacobsen. Er soll die Rolle des verbalen Anführers gerne übernehmen, weil wir Spieler ihn alle respektieren und er sich diesen Respekt erarbeitet hat. Als neuer Spieler in diesem Team muss ich mich zunächst auf dem Feld beweisen, und ich glaube, das ist mir bisher ganz gut gelungen. Mein wichtiges Ziel ist es, diese Mannschaft besser zu machen, und ich habe keinerlei persönliche Ziele für diese Spielzeit. Wenn wir als Mannschaft gut spielen, wird das sicher auch ein Resultat meiner Arbeit sein. Ich habe eine "Team first"-Mentalität, die hoffentlich jedem helfen wird.
Die Fragen stellte Peter Bieg
Lesen Sie das ungekürzte Interview in der aktuellen Ausgabe des Basketballmagazins "FIVE".