Start der BBL-Saison Teurer, besser, aufregender
Alba-Guard Wood: Einer der vielen Spitzenspieler in der BBL
Foto: dapdDaShaun Wood steht an der Mittellinie, er setzt zum Sprungwurf an, der Basketball verlässt seine Hand, fliegt die 13 Meter bis zum Korb im hohen Bogen, senkt sich im richtigen Moment - und prallt dann doch am Ring ab. DaShaun Wood, Point Guard von Alba Berlin, lacht über seinen Fehlwurf. Die Arena am Berliner Ostbahnhof ist abgedunkelt, die Sitzreihen sind leer, Woods Trainer Sasa Obradovic beobachtet den kindlichen Spaß seiner Spieler entspannt. Noch.
Noch können die Berliner Basketballer gelassen mit Fehlwürfen umgehen. Von diesem Mittwoch an werden die Bedingungen weitaus herausfordernder und vergebene Würfe sehr viel wichtiger - für die 18 Teams der Basketball-Bundesliga (BBL) beginnt dann die neue Saison. Den Auftakt machen Bayern München und die Baskets Oldenburg am Mittwoch um 16.35 Uhr, wenig später folgt Alba gegen die Artland Dragons aus Quakenbrück (17 Uhr). Die Saison startet gleich mit zwei Spitzenspielen.
Berlins Manager Marco Baldi spricht von der "aufregendsten Saison der Vereinsgeschichte". Allein Albas Gegner in der ersten Woche haben es in sich: in der Bundesliga der letztjährige Halbfinalist Quakenbrück, in der Euroleague der italienische Meister Montepaschi Siena. Dazwischen kommen am Samstag eben mal die Dallas Mavericks mit Dirk Nowitzki zum Freundschaftspiel.
Für die anderen Teams wird die Saison nicht minder spannend. Noch nie war die Liga so ausgeglichen und gleichzeitig in der Spitze mit so vielen herausragenden ausländischen Spielern besetzt wie dieses Jahr. Bayern München holte sich im Sommer den israelischen Nationalspieler und zweifachen Euroleague-Sieger Yotam Halperin sowie US-Spielmacher Tyrese Rice. Bamberg hat den NBA-erfahrenen Power Forward Bostjan Nachbar unter Vertrag genommen, den viele Fans und Experten für den besten Spieler der Liga halten.
FC Bayern setzte neue Maßstäbe
Beim Champions-Cup war Nachbar am Sonntag mit 26 Punkten Topscorer der Partie und hatte erheblichen Anteil am Sieg Bambergs über Ulm. Überhaupt gilt der Titelverteidiger wieder als Favorit, als die Mannschaft, die man schlage muss, "wenn man die Meisterschaft will", wie Bambergs Spielmacher Anton Gavel selbstbewusst sagt. Der Verein sicherte sich in den vergangenen drei Jahren jeweils Meisterschaft und Pokal. Allerdings hat das Team an Substanz verloren. Mit Brian Roberts und PJ Tucker schafften zwei Spieler den Sprung in die NBA, der deutscher Center Tibor Pleiß ging nach Spanien. Die Zugänge Sharrod Ford und Andrew Ogilvy überzeugten bislang nur mäßig.
Wenn es nach Berlin geht, reißt Bambergs Serie in dieser Saison. Albas neuer Center Albert Miralles sagt: "Ich bin nach Berlin gekommen, um den Titel zu holen." Miralles stand in den vergangenen Jahren bei italienischen und spanischen Teams unter Vertrag. In seinem Heimatland Spanien haben selbst Top-Teams wegen der Wirtschaftskrise Probleme, ihre Spieler zu bezahlen, ähnlich ist es in der griechischen und italienischen Liga. Wie in der Wirtschaftskrise profitiert auch der deutsche Basketball von der Finanzkrise Südeuropas.
In Deutschland dagegen wächst die Liga von Jahr zu Jahr. Die BBL ist "auf dem Weg zur wirtschaftsstärksten Liga außerhalb des Fußballs", sagt Berlins Manager Baldi. Die 18 Teams haben ihre Etats durchschnittlich um 23 Prozent gesteigert, auf insgesamt 74 Millionen Euro. In den vergangenen sieben Jahren haben sich die Budgets mehr als verdoppelt. Basketball konkurriert mit Handball um Platz zwei in der öffentlichen Gunst hinter dem übermächtigen Fußball. Die Liga habe eine "sehr, sehr sonnige Zukunft", glaubt Baldi.
Doch die Zahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein Großteil der Aufbruchstimmung vom FC Bayern ausgeht, der seit der vergangenen Saison auch im Basketball erstklassig spielt. Bambergs Manager Heyder spricht von einem positiven Effekt für den ganzen Sport: "Bayern München hat durch seinen Namen einfach für eine Medienaufmerksamkeit gesorgt, die allen Vereinen geholfen hat, im Sponsorenbereich zuzulegen." Auch Baldi sagt, dass es einen Club wie München in der Liga noch nie gegeben habe "und auch kein Team, das so teuer war. Die Bayern sind das Maß aller Dinge."
Überraschender Trainerwechsel beim Liga-Zugpferd FC Bayern
Ausgerechnet bei den Bayern aber läuft momentan einiges nicht rund, ausgerechnet in der Saison, die zum ersten Titel führen soll. Am Donnerstag, sechs Tage vor dem ersten Punktspiel, trennte sich München von Trainer Dirk Bauermann. Ein Schritt, der nicht nur wegen seines Zeitpunkts überraschte.
Bauermann ist einer der erfolgreichsten deutschen Trainer überhaupt. Er hat Titel im Dutzend gewonnen, Meisterschaften wie Pokalsiege, er hat bis zum September 2011 viele Jahre lang die Nationalmannschaft trainiert. Seine Auftritte am Spielfeldrand, verschränkte Arme, schwarzes T-Shirt, schwarzer Anzug, sind legendär. Sein System gilt als starr, basiert auf einer Betonverteidigung und resultiert deswegen meist in niedrigen Punkteständen. Aber in den vergangenen Jahren hat sich Basketball weiterentwickelt, der Sport ist schneller, athletischer und taktischer geworden. In Fankreisen wird Bauermann deshalb gerne als der Otto Rehhagel des Basketballs verspottet. In Vereinskreisen heißt es, Bauermann sei zu dominant aufgetreten und habe sich nichts sagen lassen.
Dazu kam, dass im Sommer mit Je'Kel Foster einfach einer von Bauermanns Spielern verschwand. Foster, einer der gefürchtetsten Schützen der Liga, hatte noch einen gültigen Vertrag - weigerte sich aber partout, an die Isar zurückzukehren. Offenbar hatte er wegen der starken Konkurrenz auf seiner Position um seine Einsatzzeit gebangt und war eifersüchtig auf die neuen Stars im Team.
Ab sofort gibt es mehr deutsche Profis in den Kadern der BBL-Clubs
Probleme bereiteten den Bayern auch andere Spieler. Im Februar war Center Jared Homan nach einem Discobesuch in eine Schlägerei verwickelt, nach dem verlorenen Testspiel gegen Alba Berlin vergnügte sich Homan vor zwei Wochen mit zwei weiteren Bayern-Spielern in einem Berliner Club, wieder soll es zu Rangeleien mit Gästen gekommen sein. Für einen Verein, der äußerst viel Wert auf seine Außendarstellung legt, sind solche Schlagzeilen schwer zu ertragen. Uli Hoeneß höchstpersönlich mischte sich ein, forderte eine härtere Gangart.
Angeheizt wurde der Konflikt noch dadurch, dass Bauermann seine Spieler nicht öffentlich kritisieren wollte, sogar Verständnis zeigte. Striktere Regeln für seine Spieler lehnte er ebenso ab wie stärkere Kontrollen, er setzte lieber auf Eigenverantwortung. An Bauermanns Stelle wird nun der ehemalige Assistenztrainer Yannis Christopoulos die Münchner durch die Saison führen, zumindest solange die Mannschaft in Titel-Reichweite ist.
Das wird schwer genug, denn neben den Dauerfavoriten Bamberg und Berlin haben sich mit Ulm, Oldenburg und Quakenbrück noch drei weitere starke Konkurrenten etabliert.
Weitere Spannung verspricht, dass von dieser Saison an in den Bundesligapartien mindestens sechs deutsche Spieler im Kader stehen müssen. Das macht sie für Vereine zwar begehrter, "die Spieler dürfen sich auf den sechs garantierten Kaderplätzen aber nicht ausruhen", fordert Bayerns Sportdirektor Marko Pesic. "Sie müssen sich trotzdem in jedem einzelnen Training und Spiel beweisen. Ich brauche Spieler, die Verantwortung übernehmen, sonst können wir sie nicht einsetzen." Mittelfristig soll davon auch die Nationalmannschaft profitieren.
Die Arena am Berliner Ostbahnhof durchzieht plötzlich eine scharfe Ansage. Sasa Obradovic, Albas Trainer, beendet die Blödelei seiner Spieler, die wie ertappte Gymnasiasten schleunigst die Bälle beiseite legen und mit Sprints beginnen. Die Ruhe ist vorbei. Zeit für den Tip-Off.