Basketball-EM: Ein Team für Nowitzki - DER SPIEGEL
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Basketball-EM Ein Team für Nowitzki

Am zweiten Tage auferstanden: Vor dem Gruppenfinale gegen die starken Litauer beweisen die deutschen Basketballer um Dirk Nowitzki, dass sie sich bei der EM in Spanien vor keinem Team verstecken müssen - wenn sie aus dem Schatten ihres Superstars heraustreten.
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Sollten die Spieler der litauischen Mannschaft heute einmal tief Luft holen, werden sie vielleicht einen Vorgeschmack auf das bekommen, was sie am Abend erwarten könnte. Denn laut Bundestrainer Dirk Bauermann hat die deutsche Auswahl mit dem "tollen" 79:49-Erfolg gegen die Türkei "eine Duftmarke gesetzt, die auch die Litauer ängstlich machen wird". Im Endspiel um den Sieg in der Gruppe C (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) sei das Team zwar immer noch Außenseiter. "Eine der besten Leistungen einer deutschen Nationalmannschaft", wie Bauermann bemerkte, könnte das DBB-Team im weiteren Turnierverlauf jedoch "noch weit tragen".

Überschwängliche Worte eines ansonsten sehr kontrollierten Mannes, der noch lange nach dem zweiten Sieg bei dieser EM gut gelaunt in den Gängen der Palma-Arena die Partie analysierte - und dabei die Geduld seines Pressesprechers arg strapazierte. Nicht nur Bauermann schaute mit Freude zurück auf diese denkwürdigen 40 Minuten, in denen das deutsche Team bewies, dass es endgültig bei dieser Europameisterschaft angekommen ist, wie es Mithat Demirel formulierte. "Wir haben gezeigt, dass wir keine Spinner sind, wenn wir das Ziel Peking ausgeben", sagte der Trainer.

Für die Olympia-Qualifikation ist mindestens Platz zwei vonnöten, sollte Weltmeister Spanien das Finale erreichen, Platz drei. Der deutliche Erfolg gegen am Ende wehrlosen Türken, für die es heute gegen Tschechien um das Weiterkommen geht, beschert den Deutschen die ersten sicheren Punkte für die Zwischenrunde und bringt das deutsche Team dem Projekt Olympia ein wenig näher. Extrem wichtig sei dieser Sieg, befand der Bundestrainer. "In der nächsten Runde warten nur noch schwere Gegner."

Deswegen wollen es Nowitzki und Co. dabei nicht belassen. Auch ein Sieg gegen Turnierfavorit Litauen, der ebenfalls am Abend in einer einseitigen Partie gegen Tschechien zum zweiten Sieg kam, gilt mittlerweile als durchaus machbar. "Mit einer Leistung wie heute können wir die Litauer sicher schlagen", sagte Bauermann. Und der bislang imponierend auftretende Jan-Hendrik Jagla gab die neue Richtung vor: "Jetzt geht es ohne Druck um den Gruppensieg."

Dabei soll das Spiel gegen die Türkei als Vorlage für weitere Erfolge dienen. Alles, auch wirklich alles, habe die Mannschaft über die gesamte Spielzeit umgesetzt, was er von ihr nach dem schwachen Auftaktmatch gegen Tschechien gefordert hatte, lobte Bauermann: "Wir haben wie aus einem Guss gespielt." Neben dem gewohnt überragenden Nowitzki (24 Punkte, 6 Rebounds), sorgte eine Handvoll weiterer Spieler für die überraschende Auferstehung, die sich am Tag zuvor noch ängstlich hinter dem Superstar aus der NBA versteckt hatten.

Viele Väter des Sieges habe er gesehen, sagte Bauermann. Einzelne Spieler wollte er nicht hervorheben, klar war aber, dass neben Jagla besonders die Defensivarbeit eines Demond Greene, die Quirligkeit eines Demirel und der unermüdliche Einsatz eines Ademola Okulaja den 49-Jährigen erfreut hatten. Augenscheinlich war in jedem Fall das gesteigerte Selbstvertrauen der gesamten Mannschaft.

Wie über Nacht mit einer Brise Mut bestreut, traten die deutschen Basketballer dem aggressiv aufspielenden türkischen Team entgegen. Dem Gegner reichte es nicht mehr, sich nur auf Nowitzki zu konzentrieren. Bauermann durfte sich sogar erlauben, seinen Musterschüler länger aus dem Spiel zu nehmen. Die in den ersten beiden Vierteln kontinuierlich erarbeitete deutliche Führung (40:27) war in jeder personellen Konstellation ungefährdet.

Die wichtigste Erkenntnis dieses Abends: In dieser Form sind die Deutschen nicht mehr leicht auszurechnen. Ein Team aus "elf sehr guten Spieler und einem Superstar" (Bauermann) soll nun endgültig die deutsch-amerikanische Ein-Mann-Show Nowitzkis ablösen. Eine Sieggarantie für das heutige Spiel erwächst aus diesem imposanten Teambuilding freilich nicht. "Die Litauer verfügen über eine hohe Spielintelligenz auf allen Positionen, sind extrem fit und wahnsinnig aggressiv", warnt Bauermann.

Und Demirel fordert aufgrund der harten litauischen Verteidigung: "Wir müssen uns noch mehr bewegen". Nowitzki erschreckt die Stärke des kommenden Gegners weniger, im Gegenteil: "Es wird ein großes Spiel", freut sich der 29-Jährige. Und das nicht nur, weil beim Aufeinandertreffen der beiden größten Fangruppen in Palma de Mallorca für Stimmung gesorgt sein wird.

Starke Auftritte von Sarunas Jasikevicius

Auch das Duell mit Nowitzkis mit NBA-Kollege Sarunas Jasikevicius (Golden State Warriors) birgt jede Menge Potenzial für ein spannendes Gruppenfinale. Der bisherige Auftritt des Litauers bei dieser EM sei das Beste, was er von einem europäischen Aufbauspieler seit langem gesehen habe, schwärmt Bauermann. Und: Er hebe das Team auf das Niveau des EM-Triumphes von 2003.

Die Stärke der Spieler aus dem Baltikum ist für den DBB-Coach ohnehin ein "Rätsel, wenn man überlegt, dass Litauen vier Millionen Einwohner hat. Genau so viele wie Berlin. Und wir in Deutschland bekommen so etwas mit 80 Millionen Einwohnern nicht hin. Da sieht man, wie viel wir hier noch zu tun haben." Heute Abend könnte mit einem Sieg ein erster Schritt gemacht werden.

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