Basketball-EM: Erst abschalten, dann aufdrehen - DER SPIEGEL
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Basketball-EM Erst abschalten, dann aufdrehen

Die Niederlage gegen Frankreich hat der deutschen Basketball-Nationalmannschaft zugesetzt. Anders als in den ersten beiden EM-Vorrundenspielen gelang Nowitzki und Co. wenig. Am Sonntag geht es mit dem Spiel gegen Serbien weiter - und das Team steht bereits unter Zugzwang.
Trainer Bauermann: Nowitzki spielte gegen Frankreich nur 28 Minuten
Trainer Bauermann: Nowitzki spielte gegen Frankreich nur 28 Minuten

Trainer Bauermann: Nowitzki spielte gegen Frankreich nur 28 Minuten

Foto: dapd
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Hamburg - Von einer "harten Niederlage" hatte Dirk Nowitzki nach der Lehrstunde gegen Frankreich gesprochen, der Frust saß nach der 65:76 (28:39)-Pleite im dritten EM-Vorrundenspiel tief. Nicht nur körperlich haben die ersten Turniertage dem DBB-Team zugesetzt, auch mental soll die Basketball-Nationalmannschaft nun abschalten. Die erste Turnierpause bei der Europameisterschaft in Litauen soll genutzt werden, um neue Kräfte zu sammeln.

Abgesehen von einem leichten Training am Samstagabend ist Schonung angesagt, nur Essengehen und ein Treffen mit Fans stehen auf dem Programm. Einen "Ruhetag mit Betonung auf Ruhe" hatte Dirk Bauermann direkt nach der Niederlage angekündigt. "Es kommt darauf an, sich zusammenzureißen und die Wunden zu lecken", so der Bundestrainer.

Durch ihre erste Niederlage steht die deutsche Mannschaft vor dem anstehenden Duell mit Serbien nun unter Druck. Die Situation vor dem vierten Vorrundenspiel ist klar: Gelingt gegen den Vize-Europameister am Sonntag (20 Uhr) kein Sieg, ist nicht nur der Einzug in die Zwischenrunde in Gefahr. Die deutsche Mannschaft würde mit ziemlicher Sicherheit keine Punkte in die zweite Gruppenphase mitnehmen, sollte die Qualifikation mit einem Erfolg über Lettland am Montag (16.45 Uhr, beide Spiele im Liveticker bei SPIEGEL ONLINE) doch noch geschafft werden.

Nur die Erfolge gegen jene Mannschaften, die ebenfalls weiterkommen, gehen mit ins Klassement der zweiten Runde ein. Das Viertelfinale und die Qualifikation für Olympia würde bei einem weiteren Rückschlag gegen die wie Frankreich noch unbesiegten Serben in weite Ferne rücken. Schließlich drohen in der Zwischenrunde Duelle mit Spanien, Litauen und der Türkei.

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Pleite gegen Frankreich: Parker zu stark für Deutschland

Foto: Christof Koepsel/ Bongarts/Getty Images

"Solche Niederlagen wie die gegen Frankreich gibt es in jedem Turnier. Jetzt müssen wir den Mund abputzen und wieder aufstehen", forderte Nowitzki. Nach seiner Pause von drei Wochen und gerade einmal zwei Wochen Vorbereitung hat der NBA-Champion seine Topform noch nicht erreicht. Im dritten Spiel innerhalb von drei Tagen wirkte der 33-Jährige nicht so frisch wie zu Turnierbeginn. Zudem haderten der deutsche Superstar und sein Coach mit vielen Schiedsrichterentscheidungen. "Dirk hätte sicher mehr Freiwürfe bekommen müssen. Aber in Europa wird eben so gepfiffen, dass gegen die Großen unter dem Korb alles möglich ist", sagte Bauermann nach dem Spiel.

Die deutsche Auswahl hatte gegen den "Medaillenkandidaten" (Bauermann) ausgezeichnet angefangen, kurzzeitig hoch geführt und bis zur Pause ordentlich mitgehalten. Doch nach der Rückkehr aus der Kabine erfolgte plötzlich ein Bruch. "Ich weiß nicht, was im dritten Viertel passiert ist", sagte Kapitän Steffen Hamann ratlos. Bauermann hatte dagegen eine simple Erklärung: "Dir Franzosen haben es geschafft, Anfang der zweiten Hälfte eine Schippe drauf zu legen."

Doch inzwischen hat der 53-Jährige den bitteren Abend von Siauliai abgehakt und ist mit den Gedanken bei der nächsten Partie: "Das Spiel gegen Serbien ist eminent wichtig", sagte Bauermann. "Dass wir gegen Frankreich verloren haben, ist absolut kein Beinbruch. Aber gegen die Serben sind wir mehr denn je gefordert."

"Wir müssen gegen Serbien wieder besser zusammenspielen und in der Defensive effektiver sein", forderte Nowitzki, der gegen Frankreich von seinen Teamkollegen im Stich gelassen wurde. Außer dem Superstar traf nur noch Heiko Schaffartzik (zwölf Punkte) zweistellig, der Rest tauchte unter. Auch von Center Chris Kaman muss im Duell mit Serbiens ehemaligen NBA-Profi Nenad Krstic mehr kommen. "Chris war müde", nannte Bauermann als Grund, warum der 29-Jährige von den Los Angeles Clippers insgesamt nur rund 22 Minuten spielte und im Schlussviertel gar nicht mehr zum Einsatz kam.

Frankreich-Star Parker: "Ich liebe Nowitzki, er ist der beste Spieler der Welt"

Auch Nowitzki war nicht lange dabei (28 Minuten), Bauermann schonte ihn, als er das Spiel verloren glaubte. "Er war sehr müde und brauchte eine Pause. Es hätte keinen Sinn gemacht, ihn 38 Minuten spielen zu lassen", erklärte der Bundestrainer.

Der überragende Mann der Franzosen durfte hingegen 33 Minuten ran und kam auf 32 Punkte: Tony Parker, NBA-Star in Diensten der San Antonio Spurs, schoss das deutsche Team praktisch im Alleingang ab. Der schnelle Guard brachte die deutsche Abwehr zur Verzweiflung. " Das war eine unglaubliche Vorstellung. Mit der Form von heute ist er nicht zu stoppen", so Bauermann.

"Sie waren das bessere Team und haben den Sieg wirklich verdient", sagte Nowitzki, der mit 20 Punkten ausnahmsweise nicht bester Spieler auf dem Feld war. Parker fand nach der Schlusssirene tröstende Worte für den Gegner. "Die Deutschen haben ein großartiges Team, wir respektieren sie sehr. Sie werden weit kommen in diesem Turnier", sagte der 29-Jährige und huldigte anschließend dem Star auf der anderen Seite: "Ich liebe Dirk Nowitzki, er ist der beste Spieler der Welt."

Gegen Serbien hat Nowitzki wieder Gelegenheit, das zu beweisen.

luk/dpa/sid