Basketball-EM Nix außer Nowitzki
Palma de Mallorca - Vorne punktete er aus allen Lagen, hinten fischte er jeden Ball unter dem Korb weg. Nur dank Dirk Nowitzki haben Deutschlands Basketballer bei der EM in Spanien einen Fehlstart verhindert. 35 Punkte steuerte der NBA-Star der Dallas Mavericks zum 83:78 (74:74, 25:31) nach Verlängerung über Tschechien bei. Neben ihm konnte nur noch der derzeit vereinslose Mithat Demirel mit 18 Punkten überzeugen.
Der Rest des DBB-Teams leistete sich zum Teil reihenweise Anfängerfehler. "Man hat uns den Druck angemerkt. Wir haben schwer unseren Rhythmus gefunden, Tschechien hat selbstbewusst begonnen und von außen getroffen. Wichtig war, dass wir am Ende in der Verteidigung zugelegt haben", sagte Bundestrainer Dirk Bauermann.
Vor der enttäuschenden Kulisse von 4000 Zuschauern in Palma kamen die deutschen Basketballer nur schwer in Tritt. Schnell geriet das DBB-Team mit 0:5 in Rückstand, erkämpfte zwar anschließend eine 6:5-Führung, brachte jedoch die aus der Distanz starken Tschechen mit vielen Unkonzentriertheiten wieder ins Spiel. 12:14 lautete das Resultat nach dem ersten Viertel.
In der Offensive bemühte sich besonders Nowitzki um Linie und Punkte. Doch wie erwartet versuchten die Tschechen, den Ausnahmespieler mit harten und auch unfairen Attacken aus dem Rhythmus zu bringen. Dennoch standen für den 29-Jährigen zur Halbzeit 14 Punkte in der Statistik, was den 25:31-Rückstand nicht verhinderte.
Nowitzki staunte nach dem Spiel: "So schwer hatten wir uns das nicht vorgestellt. Wir haben ängstlich angefangen, aber gut zusammengehalten, als wir deutlich in Rückstand geraten sind. Wir mussten über den Kampf ins Spiel finden, und das haben wir geschafft."
Zu unnötigen Ballverlusten in der Offensive gesellten sich zunächst aber ungewohnte Schwächen in der Verteidigung, die dem Gegner viele einfache Körbe erlaubten. Auch die von Bundestrainer Dirk Bauermann angekündigte Strategie gegen die beiden tschechischen Top-Schützen Lubos Barton und Jiri Welsch griff bis zur Halbzeit nicht. Auf der anderen Seite wies die DBB-Auswahl nach den ersten 20 Minuten eine Trefferquote von nur 37 Prozent aus dem Feld auf.
Trotz der deutlichen Ansprache in der Pause von Coach Bauermann war beim Silbermedaillen-Gewinner der Europameisterschaft 2005 auch in der zweiten Hälfte zunächst keine Steigerung auszumachen. Die Tschechen, die sich erstmals seit 1999 wieder für eine EM qualifiziert hatten, nutzten ihre Chancen konsequent und bauten ihren Vorsprung bis zur 26. Minute auf 40:32 aus.
Das DBB-Team stemmte sich erst zum Ende des dritten Viertels mit aller Macht gegen den drohenden peinlichen Fehlstart und glich zum 44:44 aus. Zwei Freiwürfe von Nowitzki sorgten schließlich für die 46:44-Führung. In dieser Phase setzten Demirel und Nowitzki mit Distanzwürfen die Akzente, absetzen konnte sich die deutsche Mannschaft aber nicht.
Ausgerechnet der starke Demirel vergab in der Schlussphase zwei Freiwürfe und scheiterte nach dem 74:74-Ausgleich der Tschechen sechs Sekunden vor Schluss beim letzten Angriff mit einem Verzweiflungswurf. Damit ging die Partie in die Verlängerung.
Dort verschaffte Nowitzki seiner Mannschaft 48 Sekunden vor Schluss erstmals wieder eine Drei-Punkte-Führung (79:76). Die Tschechen kamen 20 Sekunden später wieder auf einen Punkt heran. Dann traf Demirel zweimal von der Freiwurflinie, die Tschechen leisteten sich in der Folge ein Offensivfoul - die Partie war entschieden.
"Die Hauptsache war mit Blick auf die Zwischenrunde, dass wir gewonnen haben", fasste Bauermann das Spiel zusammen. Nächster deutscher Gegner ist morgen (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die Türkei.
all/sid