Basketball-EM: Optimismus vor dem "Höllenritt" - DER SPIEGEL
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Basketball-EM Optimismus vor dem "Höllenritt"

Mit dem Einzug ins EM-Halbfinale haben die deutschen Korbjäger weit mehr erreicht, als man ihnen zugetraut hat. Gegen Gastgeber Türkei erwartet Nowitzki & Co. allerdings eine Nervenschlacht.
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Istanbul - "Der Weg in den Basketball-Himmel führt durch die Hölle von Istanbul." Die große türkische Tageszeitung "Star" prophezeit den deutschen Korbjägern im Halbfinale der Europameisterschaft am Samstag (18 Uhr/live im DSF) gegen die Mannschaft des Gastgebers und vor 10.000 fanatischen Fans "unvergessliche 40 Minuten". Doch die neuen deutschen Helden reagieren bislang gelassen auf das Geplänkel in den Medien. "Die Kulisse ist auch gut für uns. Der Druck lastet auf den Türken, und das ist unsere Chance", ist NBA-Profi Dirk Nowitzki überzeugt.

"Wir müssen die Nerven bewahren"


Niemand kennt die Situation vor dem emotionsgeladenen Duell im Sportpalast besser als Mithat Demirel. "Die ganze Türkei erwartet einen Sieg. Wir müssen nur die Nerven bewahren. Verständigen können wir uns auf dem Feld kaum", sagt der in Berlin geborene deutsche Aufbauspieler vor dem Auftritt in AC/DC-Konzertatmosphäre. Der kleinste Spieler dieser EM (1,80 Meter) schlägt in die gleiche Kerbe wie Nowitzki. "Diese Atmosphäre setzt mehr die türkischen Spieler als uns unter Druck", so der 23-Jährige. Demirel geht davon aus, dass sich "einige Animositäten" nicht vermeiden lassen.

"Wir müssen einen guten Start erwischen und diesmal über die volle Distanz konstant spielen, dann kommen wir ins Finale", gibt sich auch 2,29-Meter-Center Shawn Bradley zuversichtlich. Beim Ausflug am freien Donnerstag zur Blauen Moschee in Istanbuls Altstadt war der NBA-Star neben Nowitzki nach kurzer Zeit von Menschen-Scharen umringt. Denn die deutschen "Riesen" sind nach ihrem Husarenritt ins Halbfinale keine unbekannte Größe mehr. "Respekt" ist trotz aller Stimmungsmache das meistbenutzte Wort in den türkischen Medien.

Nur sechs Tickets für den DBB


Noch 40 Minuten trennen Deutschland vom zweiten Einzug in ein EM-Endspiel nach dem sensationellen Titelgewinn von 1993. Gegner wäre am Sonntag (20.15 Uhr) der Sieger aus dem zweiten Halbfinale zwischen Spanien und Weltmeister Jugoslawien, dem Team des vor acht Jahren erfolgreichen Bundestrainers Svetislav Pesic. "Die Jungs sind gut drauf und wild entschlossen", berichtet DBB-Coach Henrik Dettmann, dessen Vertrag sich mit dem Erreichen des WM-Tickets bis zum Turnier 2002 in Indianapolis verlängert hat. "Es ist nur wichtig, dass wir die Spannung bis Samstag halten", fordert Nowitzki.

Auf Unterstützung von den Rängen wird das DBB-Team aber verzichten müssen. Nur sechs Karten wurden dem Deutschen Basketball Bund (DBB) zugeteilt, was international unüblich ist. Ein Fauxpas des Ausrichters, aber auch des Weltverbandes Fiba, der bei der Vergabe entsprechende Auflagen erteilen sollte. Die Antwort wollen Nowitzki und Co. auf dem Feld geben.

Türkische Stars angeschlagen


Im Gegensatz zu den deutschen Korbjägern konnten die Türken in den bisherigen 31 EM-Turnien seit 1935 noch nie eine Medaille gewinnen. "Unsere zwölf Riesen werden deshalb kämpfen wie die Löwen", versprach der türkische Verbands-Boss Turgay Demirel vor laufenden Fernsehkameras, obwohl gleich drei Spieler angeschlagen sind. Die Lokalmatadoren Mehmet Okur und Kerem Tunceri (Efes Pilsen Istanbul) und NBA-Profi Hidayet Türkoglui (Sacramento Kings) laborieren an Verletzungen im Sprunggelenk aus der Nervenschlacht gegen Kroatien.