Basketball-EM: "Sind das wirklich alles Deutsche?" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Basketball-EM "Sind das wirklich alles Deutsche?"

Am Mittwochabend (20.15 Uhr) trifft die deutsche Basketball-Nationalmannschaft im EM-Viertelfinale auf Frankreich. Die bisherigen Leistungen der DBB-Auswahl verblüfften die Fachwelt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Istanbul - Sie heißen Stephen Arigbabu, Shawn Bradley, Mithat Demirel, Ademola Okulaja, Marvin Willoughby, Stefano Garris, Robert Garrett, Marko Pesic, Stipo Papic oder Drazan Tomic. Die Namen klingen ebenso wenig deutsch, wie die in Nordamerika erfundene Sportart unbedingt eine deutsche Spezialität ist. Aber bei der 32. Basketball-Europameisterschaft in der Türkei repräsentieren sie mit bemerkenswerten Erfolgen Deutschlands Nationalmannschaft.

"Sind das wirklich alles Deutsche?", lautet die meist gestellte Frage ausländischer Journalisten angesichts des farbigen Multikulti-Ensembles, das im Trikot mit dem Bundesadler die Fachwelt in Erstaunen versetzt. Ochsenfurt (Garrett), Paderborn (Garris) oder Landstuhl (Bradley) - die Aufzählung der Geburtsorte bringen die Zweifel bei aller Skepsis zum Verstummen. "Die Zusammensetzung unseres Team ist auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft", sagt der Sportdirektor des Deutschen Basketball Bundes (DBB), Wolfgang Brenscheidt.

"Demirel bringt die Türken auf unsere Seite"


Der in Nigeria geborene Okulaja beispielsweise, neben dem Würzburger NBA-Star Dirk Nowitzki einer der Leistungsträger des EM-Teams, startete seine Karriere bei Alba Berlin. Der im bosnischen Sarajewo geborene Pesic begann nach dem Bundestrainer-Engagement seines Vaters Svetislav bei Brandt Hagen, ehe er im Berliner Schmelztiegel auf weitere künftige Nationalspieler stieß.

So auf den gebürtigen Afrikaner Arigbabu, der mittlerweile in Griechenland (Dafni Athen) auf Korbjagd geht, und den gebürtigen Kroaten Stipo Papic. Oder auf die Youngster Mithat Demirel (23) und Stefano Garris (22), der italo-amerikanischer Abstammung ist. Beide spielten sich mit gehörigem Talent und für ihr Alter beeindruckender Kaltschnäuzigkeit schnell in die erste Fünf. Der nur 1,80 Meter große Demirel, der von dem im pfälzischen Landstuhl geborenen 2,29-Meter-Riesen Shawn Bradley vom NBA-Club Dallas Mavericks um zwei Haupteslängen überragt wird, ist in der Heimat seiner türkischen Eltern besonders motiviert. "Er bringt das türkische Publikum auf unsere Seite", sagt Bundestrainer Henrik Dettmann.

Der Würzburger Willoughby hat amerikanische Wurzeln und wechselte einst von Rist Wedel nach Würzburg. Tomics Wiege stand zwar in Kroatien, doch die ersten Wurfversuche machte er 1987 beim Streetball auf dem Innsbrucker Platz in Berlin-Schöneberg. Auch ihn fürchteten am Mittwochabend die Franzosen im Viertelfinal-Spiel aus gutem Grund. Der in der kommenden Saison für Bundesliga-Aufsteiger RheinEnergy Köln spielende Ex-Bonner und Ex-Berliner stand zuletzt beim französischen Erstligisten Elan Chalons unter Vertrag.