Basketball-EM Teurer Sieg für das Nowitzki-Team
Superstar Nowitzki: Der Kader schrumpft weiter
Foto: AP/dpaDer Bundestrainer versuchte, den Schock mit Galgenhumor zu überspielen: "Offensichtlich ist es sehr gefährlich, in diesem Sommer als Power Forward für Deutschland spielen", sagte Chris Fleming nach dem 71:65-Sieg seines Teams gegen Island. Power Forward: Das ist die Position, auf der Dirk Nowitzki spielt.
Und beim Start in die Europameisterschaft verletzte sich nun mit Robin Benzing bereits sein vierter Ersatzmann: Der 2,08 Meter große Nationalspieler knickte zu Beginn des vierten Viertels um und wand sich vor Schmerzen. Eine Diagnose stand am Abend noch aus, aber Benzing wird mindestens beim Spiel gegen Serbien am Sonntag fehlen (15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ZDF). Sicher ist, dass auch bei einem längeren Ausfall kein Spieler nachnominiert werden darf.
"Das ist sehr bitter", sagte Nowitzki nach der Partie. "Wir sind auf den großen Positionen ohnehin dünn besetzt." Vor der EM hatten bereits Maximilian Kleber, Daniel Theis und Elias Harris verletzt absagen müssen. Aufbauspieler Dennis Schröder gab zu, dass die Verletzung von Benzing das Team schockiert habe. Die Gastgeber verloren in der Schlussphase komplett die Kontrolle und verspielten eine 59:43-Führung fast noch. Island kam kurz vor Schluss bis auf sechs Punkte heran und vergab dann mehrere offene Würfe. "Wir haben es verpasst, den Sack zuzumachen", kritisierte Nowitzki.
So fiel die Freude über den Sieg beim deutschen Team sehr verhalten aus. Die schwache Schlussphase und die Verletzung eines weiteren Spielers überdeckten die positiven Eindrücke, von denen es durchaus einige gab: Nowitzki und Schröder wurden ihrer Führungsrolle mit jeweils 15 Punkten gerecht, Alex King und Anton Gavel überzeugten in der Verteidigung und Ersatz-Center Johannes Voigtmann setzte sich gut durch.
Schwacher Tag von Pleiß
Doch Island ist eben Island. Ein Gegner, den das DBB-Team auch ohne Nowitzki schlagen müsste. Der größte Akteur, der Spielzeit bekam, ist gerade mal 2,02 Meter groß - elf Zentimeter kleiner als Nowitzki. Alle anderen Gruppengegner haben nicht nur größere Spieler, sondern auch deutlich talentiertere. Vor allem Vizeweltmeister Serbien und Spanien dürften die deutschen Schwächen unter dem Korb erbarmungslos aufdecken. Aber auch Italien und die Türkei haben starke große Spieler.
Deutsches Basketball-Team: Nowitzki, Schröder, Pleiß und Co.
Um da einigermaßen dagegenhalten zu können, muss Tibor Pleiß sich steigern. Der 2,18 Meter große Center, ab der kommenden Saison beim NBA-Klub Utah Jazz unter Vertrag, erwischte gegen Island einen schwachen Tag: vier Punkte, fünf Rebounds, zwei Ballverluste.
Pleiß tut sich gegen kleinere, athletische Gegenspieler häufig schwer, er braucht Gegner, die nicht nur sprichwörtlich auf Augenhöhe sind. Davon wird er in den kommenden Spielen einige sehen.
Nervosität und Wurfschwäche
Die Partie gegen Island zeigte, wie unerfahren und wenig eingespielt das deutsche Team ist. Trotz klarer Führung und einigen guten Phasen wirkten die Spieler nicht souverän, sondern nervös. Der 21-jährige Paul Zipser von Bayern München etwa verlor nach einer guten ersten Halbzeit seine Zuversicht und verweigerte offene Würfe.
Point Guard Schröder, der von Fleming zum Führungsspieler gemacht wurde, nahm ihn einmal auf dem Feld zur Seite und sprach ihm Mut zu: Zipser solle doch einfach werfen, wenn er frei sei.
Mit Selbstvertrauen hat Schröder kein Problem. So will der NBA-Profi auch nichts davon hören, dass sein Team gegen Serbien klarer Außenseiter ist: "Wir werden 40 Minuten hart verteidigen", sagt er, "und dann schauen wir mal." Mal sehen, ob das reicht.
Punkte: Nowitzki (15), Schröder (15), Gavel (7), Zipser (6), Voigtmann (6), Benzing (6), Giffey (6), King (6), Pleiss (4).