Basketball-WM: Demut nach der Schmach - DER SPIEGEL
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Basketball-WM Demut nach der Schmach

Wie geprügelte Hunde fühlten sich die NBA-Stars der USA nach dem vorzeitigen Aus bei der Basketball-WM in Indianapolis. Doch das Ende einer Ära kann der Beginn einer hoffnungsvolle Zukunft für den Basketballsport sein.
Von Andreas Lampert
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Indianapolis - Am Morgen nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Team USA bei der Basketball-WM präsentiert sich Indianapolis, als sei der Alptraum um das "Dream Team" nicht wirklich passiert. Im RCA Dome, einem der zwei Veranstaltungsorte dieser WM, ist das Spielfeld bereits abgebaut, das Medienzentrum geräumt, und in den Gängen des anliegenden "Indiana Convention Center" weist bereits alles auf die nächste Veranstaltung hin: eine Baumesse.

Zwei Straßenblöcke weiter sitzt Jugoslawiens Point Guard Marko Jaric, unter Vertrag beim NBA-Team Los Angeles Clippers und einer der Helden, die am Abend zuvor mit 82:79 über das Team USA gesiegt haben, kaum beachtet in einem der Straßencafes zum späten Frühstück und unterhält sich mit zwei jugoslawischen Fans. Neben ihm weht eine blaue Colts-Fahne im Wind. Am Wochenende beginnt die NFL-Saison, und die Colts sind das Team der Stadt.

Aufruhr in den Redaktionsstuben


Doch so friedlich sich die Stadt am White River an diesem Freitagmorgen präsentiert, in den Redaktionsstuben der nationalen Medien kocht zeitgleich amerikanische Seele. Gedemütigt, geschlagen, beleidigt, schlimmer geht es nicht. Wurde die historische Niederlage der amerikanischen Basketballnationalmannschaft am Mittwoch gegen Argentinien noch als ärgerlicher "Wake-up-call" registriert, der die eigenen Jungs schon noch auf Trab bringen würde, kam das Ausscheiden im Viertelfinale gegen Jugoslawien als unerwarteter Schock.

Galt bisher die Niederlage der US-Basketballer gegen Russland im Olympiafinale von 1972 als schlimmste Demütigung - die Silbermedaillen für die USA liegen heute immer noch beim olympischen Komitee, weil sie aus Protest von den Amerikanern nicht angenommen wurden -, hat das Auftreten des mittlerweile siebten "Dream Teams" bei der WM 2002 in Indianapolis eine neue Stufe der Erniedrigung erklommen.

"Den Arsch auf dem Tablett serviert bekommen"


"Bringen wir es auf den Punkt: Wir sind hier hergekommen, und man hat uns unseren eigenen Arsch auf dem Tablett serviert. Es gibt keine Entschuldigung dafür", musste Ben Wallace nach dem Spiel zerknirscht feststellen. Und Teamkamerad Paul Pierce fügte hinzu: "Ich bin sehr enttäuscht, dass wir unser Land im Stich gelassen haben - und das auf eigenem Boden." Zur allem Übel müssen die US-Basketballer nun noch ein Playoff mit Puerto Rico, Spanien und Brasilien um den fünften Platz spielen. Eine zusätzliche Schmach über zwei weitere Partien. Immerhin besiegte das Team USA Puerto Rico am Freitagabend mit 84:74 und trifft nun auf Spanien, das Brasilien mit 105:89 bezwang.

"Was gibt es für einen fünften Platz zu gewinnen? Eine Kiste Pabst Blue Ribbon, etwa?", schimpfte der NBC-Kommentator David Aldridge am Freitag in seiner Kolumne auf ESPN. Zur Aufklärung: Pabst Blue Ribbon ist eine amerikanischen Billigbiermarke, und NBC hat im Vorfeld die Fernsehrechte für die Halbfinal- und Finalspiele am Wochenende gekauft und muss nun gegen NFL, College Football und US Open antreten. Eine katastrophale Einschaltquote dürfte programmiert sein.

"Man kann nicht so spielen wie in der NBA"


Nun wird ein Schnitt gefordert. "Unsere NBA-Spieler beherrschen das internationale Spiel nicht", lautet ein Fazit für das unerwartete Aus bei dieser WM. Ein Programm für internationale Turniere wie diese WM soll zukünftig installiert werden. Eine läppische Vorbereitung wie dieses Mal, als sich die zwölf ausgewählten NBA-Stars zehn Tage vor Turnierbeginn in San Francisco zum Trainingslager getroffen haben, wird es in Zukunft nicht mehr geben. "Man kann (bei einer WM) nicht so spielen, wie in der NBA", weiß inzwischen auch Andre Miller, Aufbauspieler des US-Teams bei dieser WM. "Man muss den Ball mehr verteilen und variabler sein. Wir haben den Ball viel zu lange gehalten."

Immerhin geben sich die Spieler, die diese WM zum Teil wie ein Allstar-Wochenende gesehen haben und mehr Zeit in den stadtbekannten R'n'B-Clubs verbrachten als beim Training, nach den zwei Niederlagen in Folge mit einem Mal einsichtig. "Ich glaube, im tiefsten Inneren haben wir bei diesem Turnier auch etwas über das Basketballspiel gelernt", beichtete Center Antonio Davis von den Toronto Raptors. "Wir sind hier nach Indianapolis gekommen, ohne zu wissen, wie wichtig diese WM für die anderen Teams ist und wie wichtig sie für uns hätte sein sollen. Nicht nur um unser Land würdig zu vertreten, sondern um auch das Basketballspiel genügend Respekt entgegen zu bringen."

Fest für den Basketballsport


Auch US-Coach George Karl, der auf der Pressekonferenz nach dem Aus gegen Jugoslawien den Tränen nahe war, fand wenigstens etwas Trost in der Niederlage. "Ich bin mir nicht sicher, ob dies das Ende einer Ära ist, oder gleichzeitig ein Fest für den Basketballsport", philosophierte Karl. "Viele Nationen lieben inzwischen diesen Sport und spielen ihn voller Leidenschaft und Begeisterung. Auf seltsame Weise sollten wir Amerikaner stolz auf diese Errungenschaft sein."

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