Basketball-WM "Dirk, Dirk, Dirk"
Indianapolis - Die Bürger von Indianapolis haben sich alle Mühe gegeben, die Besucher der Basketball-WM in diesen Tagen willkommen zu heißen. Wer beispielsweise am Flughafen eintrifft, wird mit mehreren Plakaten und Informationsständen begrüßt und sogar kostenfrei ins Zentrum der mit 1,6 Millionen Einwohnern zwölftgrößten Stadt der USA kutschiert. Noch nicht einmal Trinkgeld nehmen die Fahrer an.
Dort, in "Downtown Indy", findet ab Donnerstag zum 14. Mal die Weltmeisterschaft der Basketballer statt. Die zwei Hallen, in denen gespielt wird, liegen nur wenige hundert Meter von einander entfernt. Auch die großen Hotels, wo Mannschaften, Journalisten und Fans logieren, befinden sich in den wenigen Blocks der Innenstadt. Ein Turnier, bei dem man alles zu Fuß erreichen kann - und dies im Herzen der sonst so motorisierten USA.
Eine Stadt im WM-Fieber. In Indianapolis, der inoffziellen Basketballhauptstadt der USA, lesen sich derzeit sogar die Fußgängerampeln wie Shotclocks eines Basketballspiels: Die Sekunden werden angezeigt, bis die Ampel wieder auf Rot springt. "One Planet, One Title" lautet das Motto des Turniers, und schon die gemütliche Eröffnungsfeier gestaltete sich wie ein überschaubares Familienfest.
Unter freiem Himmel auf der zwischen dem 35.669 Zuschauer fassenden "RCA Dome" und etwas kleineren "Conseco Fieldhouse" (17.515 Plätze) gelegenen Pan American Plaza war eine kleine Bühne aufgebaut, vor der sich die Besucher einfanden. Zwischen ihnen standen, kaum zu übersehen, die Nationalteams Algeriens (letzter Gruppengegner der Deutschen) und Spaniens. Hände wurden geschüttelt, Fotos gemacht und Autogramme abseits aller Starallüren gegeben.
Insgesamt zehn Cheerleader-Gruppen (je zwei für jeden Kontinent) waren im Einsatz, um die 16 Teilnehmerländer schon vor dem ersten Tip-off anzufeuern. Europa wurde von der "Carmel High School" und der "Ben Davis High School" vertreten. "Germany, Germany - Fight! Fight! Fight!" schrillte es aus hellen Mädchenkehlen, dazu flogen Zöpfe, wurden Arme in die Luft geworfen und Pyramiden gebildet.
Lücke in der chinesischen Mauer
Die deutschen Basketballer waren bei der Eröffnungszeremonie leider nicht anwesend, denn Bundestrainer Henrik Dettmann hatte zeitgleich zum Abschlusstraining für das wichtige Auftaktspiel gegen die Chinesen (Freitag um 0.30 Uhr MESZ) gebeten. Ein Sieg über die Riesen aus dem Reich der Mitte könnte Richtung weisend für den Turnierverlauf der DBB-Schützlinge sein.
Angenehme Nachrichten gab es für Dirk Nowitzki & Co. bereits zum Frühstück zu vermelden. Die Tageszeitung "USA Today" berichtete, dass der chinesische Verband einen der drei Bausteine der legendären "wandelnden chinesischen Mauer", Wang Zhi Zhi von den Dallas Mavericks, bei der WM nicht einsetzen will. Der 2,16-Meter-Hüne soll sich weigern, im Oktober an den Asien-Spielen im koreanischen Pusan teilzunehmen und möchte statt dessen die Vorbereitung für die NBA-Saison mit den Mavericks mitmachen.
Larry Bird lobt Nowitzki
Doch obwohl die deutschen Korbjäger bei den Eröffnungsfestivitäten fehlten, war einer von ihnen in aller Munde. Wurde man als deutscher WM-Besucher erkannt, war Nowitzki sofort das Gesprächsthema. "Dirk, this dude, is
amazing", ein Alleskönner, einer der besten in der NBA, hieß es von allen Seiten. Auch Larry Bird, aufgewachsen in French Lick/Indiana und einer der umjubelten Ehrengäste der Veranstaltung, konnte nicht umhin, den Würzburger schon vor dem ersten Spiel zu loben.
"Dirk ist ein phantastischer Spieler, er hat fast alles drauf, was ich auch konnte. Und dann sieht er auch viel besser aus als ich", scherzte der ehemalige Star der Boston Celtics und Olympiasieger von 1992 im legendären Dream Team zum fröhlichen Gelächter aller Anwesenden. Die Eröffnungsfeier in Indianapolis hätte aus deutscher Sicht kaum besser beginnen können.