Baumann-Interview "Ich habe keine Rechte"
Herr Baumann, Sie haben heute eine weitere Runde im Kampf gegen Ihre Suspendierung verloren. Was bedeutet das Urteil für Sie?
Baumann:
Ich muss damit leben. Wir haben heute verloren, wir können aber etwas Positives mitnehmen. Es geht nicht mehr um die Beweislastumkehrung, die immer im Spiel war. Es geht um den Anscheinsbeweis. Das ist für alle zukünftigen Dopingverfahren deutlich geworden. Diese Rechtssicherheit ist ab heute da, das muss auch der Rechtsausschuss würdigen. Ich bin natürlich enttäuscht, denn ich habe keine Rechte.
Wie gehen Sie jetzt vor?
Baumann: Wir werden uns jetzt zusammensetzen, das heutige Urteil analysieren und dann entscheiden. Ich bin aber ganz auf den Rechtsausschuss angewiesen, das könnte mich meine Olympia- Qualifikation kosten. Ich kann nicht absehen, dass der Rechtsausschuss in den nächsten zwei Wochen entscheidet.
Sehen Sie überhaupt noch eine Olympia-Chance?
Baumann: Es ist keine Diskussion, ob ich die Qualifikationsleistung erbringe, sondern es ist meines Erachtens eine Diskussion um eine vernünftige Vorbereitung. Es geht nicht darum, bei Olympia um des Laufen willens zu laufen. Es ist physisch und psychisch derzeit fast unmöglich, mich vernünftig vorzubereiten. Ich habe keine Ahnung, ob Sydney ein realistisches Vorhaben ist. Aber es geht nicht nur um Olympia, es geht auch um meine Existenz.
Wie kommen Sie mit der jetzigen Situation zurecht?
Baumann: Es geht mir psychisch manchmal sicherlich nicht gut. Was positiv an diesen Verfahren ist: Man lernt etwas daraus, und ich habe eine Menge gelernt. Es hat sich auch deutlich gezeigt, wo meine Freunde sitzen und wo meine Feinde sitzen. Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass ich so viele Feinde habe.
Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?
Baumann: Ich werde einer Tat beschuldigt, die ich nicht begangen habe. Es ist klar, dass es um einen Anschlag geht. Aber wir werden vor dem Rechtsausschuss um meine Unschuld kämpfen. Wir haben lediglich die Qualifikation für die 10.000 Meter verloren, aber nicht Olympia grundsätzlich verpasst.
Aufgezeichnet von Günter Müller und Ulrike John