Baumann-Kritik "Unser System fördert das Mittelmaß"
Berlin - "Viele Athleten haben erkannt, dass sie es bis ganz oben nicht schaffen und dabei für sich eine Nische entdeckt, in der es sich bequem leben lässt", kritisiert der 5.000-Meter-Olympiasieger von Barcelona in einem gemeinsamen Beitrag für die "taz" und die "Stuttgarter Zeitung".
Junge deutsche Athleten könnten dank der Gießkannen-Förderung "auch ohne internationale Klasse ein Studium finanzieren oder einige Jahre "auf Profi machen", schreibt der Olympiasieger.
Das Problem der Leistungsmisere werde durch die Förderstruktur in Deutschland verursacht: "Unser Sportsystem fördert das Mittelmaß", schreibt Baumann. Beim DLV würden weit mehr als 600 Athleten in verschiedenen Kadern geführt und gefördert, ohne dass sie der Elite zuzurechnen seien. Leistungssport funktioniere aber nach dem "Elitegedanken". Dahin müsse man zurückkehren.
Baumann glaubt nicht, dass ein Profiteam aus DLV-Vertragsathleten oder eine Zentralisierung die deutsche Leichtathletik aus ihrer Misere befreien kann - "Im Gegenteil". Das Problem: Die Basis der ehrenamtlichen Trainer würde weg brechen, wenn "Athleten dem Zugriff des Verbandes ausgeliefert wären, sobald sie gewisse Leistungsstandards erreicht hätten."
Leichtathletik sei von Individualisten geprägt, deshalb müsse man gezielt "die Individualität fördern." Baumanns Vorschlag: Dezentrales Fördersystem wie bei den erfolgreichen Schweden, in die Förderung von Heimtrainern investieren, die hauptamtlichen Bundestrainer in "Disziplinmanager umwandeln".