Baumann-Vorwürfe: Wollte der DLV Doping-Affäre vertuschen? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Baumann-Vorwürfe Wollte der DLV Doping-Affäre vertuschen?

5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann erhebt in seinem Buch "Lebenslauf" schwere Vorwürfe gegen den jetzigen Präsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Stuttgart - Baumann rechnet in seinem Buch "Lebenslauf", das am Freitag vorgestellt werden soll, mit DLV-Präsident Clemens Prokop ab. Der Langstreckenläufer aus Tübingen wirft Prokop, vor, er habe ihm nach Bekanntwerden seiner positiven Dopingtests angeboten, den Fall nicht zu veröffentlichen, wenn er seine Karriere beende. Dies berichtet die "Welt am Sonntag".

In der Vorabveröffentlichung geht es um Baumanns Anhörung vor der Antidoping-Kommission des DLV im November 1999 in Darmstadt, wo der des Dopings angeklagte Läufer mit seinem Anwalt Michael Lehner (Heidelberg) und seinem medizinischen Betreuer Hans-Hermann Dickhuth (Tübingen) erschienen war. Prokop, damals Vizepräsident Recht beim DLV, habe betont locker, fast schon fröhlich den Raum betreten. "Prokop war auf den Vorteil des Verbandes bedacht, auf seinen Vorteil, nicht wirklich daran interessiert mir zu helfen", kritisierte Baumann, der am nächsten Wochenende sein Comeback beim Hallen-Sportfest in Dortmund geben will.

"Es war eine Falle"


Der Funktionär habe ihm versichert, er glaube ihm, dass er nicht wisse, wie der positive Befund zu Stande gekommen sei. "Sein Gesicht wirkte wie eine Maske. Aalglatt. Noch nie war mir diese berechnende Kälte an ihm aufgefallen. Es war eine Falle. Worauf wollte er Hinaus?", schreibt der Schwabe und zitiert den Amtsrichter und heutigen DLV-Chef mit folgenden Worten: "Wir als Antidoping-Kommission können nur ein Verfahren gegen dich einleiten, wenn du Mitglied eines Vereins bist. Du bist doch schon fast 35."

Baumann verstand dies als Angebot, den Fall zu vertuschen, wenn er seine Laufbahn beende. "Hatte ich das richtig verstanden? Prokop bietet mir an, ich solle den Leistungssport beenden, aus dem Verein austreten und bliebe dafür unbehelligt? Keine Veröffentlichung, kein Verfahren, einfach Schluss, wenn ich mitspiele und mich davonstehle. Ich war wie vom Donner gerührt."

Prokop selbst wollte sich am Sonntag nicht zu Baumanns Buch äußern, "weil ich es nicht kenne". Der Jurist aus Saal an der Donau erklärte lediglich, dass der Läufer bei der Anhörung auf die damalige Rechtslage hingewiesen worden sei: "Nach den damaligen Regularien konnten Athleten, die aus einem Verein ausgetreten sind, nicht vom Verbandsgericht mit Sanktionen belegt werden."