Bernhard Langer: Der lange Kampf gegen Golfbunker - DER SPIEGEL
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Bernhard Langer Der lange Kampf gegen Golfbunker

Mit 43 Jahren gehört Bernhard Langer zu den älteren Spielern auf der Profitour. Doch Deutschlands bester Golfer erlebt gerade einen erneuten Frühling.
Von Andreas Lampert
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

St. Leon-Rot - Bernhard Langer wirkt erleichtert. Darüber, dass er nicht mehr der Mittelpunkt eines Profigolfturniers in Deutschland ist, und auch darüber, dass er nicht mehr jede Frage zur Lage der Golfnation beantworten muss. Einen Tag vor Beginn der Deutsche Bank/SAP Open in der Nähe von Heidelberg heißt der Star nicht Langer, sondern Tiger Woods. Und im mächtigen Windschatten des Weltranglistenersten lässt es sich bestens auf das höchstdotierte Golfturnier seines Heimatlandes vorbereiten. Noch dazu, wenn man sich ohnehin schon in guter Form befindet.

Das letztjährige Debakel vergessen machen

Vor Jahresfrist war das ganz anders. Da nahm Tiger Woods zwar ebenfalls an den Deutsche Bank/SAP Open teil, aber Langer war auf Gut Kaden bei Hamburg weit von so etwas wie Form entfernt. Vor heimischem Publikum erlebte Deutschlands Vorzeigegolfer ein Debakel: Er verpasste den Cut. Enttäuscht über sich und die Welt verließ der neunfache Ryder-Cup-Spieler fluchtartig die Anlage im schleswig-holsteinischen Alveslohe.

Denn den Cut zu verpassen ist eine peinliche Angelegenheit. Kein Profigolfer ist gegen derlei Missgeschick gefeit, das liegt in der Natur des Spiels. Aber im Fall Langers glaubten alle Bescheid zu wissen. 1997 hatte er sein letztes Turnier gewonnen, und das Trauma im Vorfeld des Ryder Cup 1999, als Teamkapitän Mark James ihm die sicher geglaubte Wild Card verweigerte, habe der Anhausener ohnehin nie verwunden. Wollte man den Mahnern Glauben schenken, neigte sich Bernhard Langers Karriere im Mai 2000 deutlich dem Ende zu.

Eines der schönsten Karrierejahre


Ein Jahr später in St. Leon-Rot haben Langers Kritiker die Wende vollzogen. Plötzlich sprechen alle voller Bewunderung über den fleißigen Schwaben, der im Augenblick in der Weltrangliste auf Rang 45 positioniert ist. Obwohl er seit 1997 immer noch kein Turnier hat gewinnen können, loben alle die Kraft, mit der Langer sich immer wieder aus schlimmsten Krisen herausgekämpft habe. Zweimal schon hatte er den berüchtigten Yips überwinden können, jenes unkontrollierte Zucken der Hände und die absolute Katastrophe für jeden Golfer. Heute erst kommt das vielen wieder in Erinnerung.

Zwischen all den Lobhudlern macht Langer einen stoischen und nervenstarken Eindruck. Er erlebt eines der schönsten Jahre seiner Laufbahn. Zu Anfang der Saison wurde er in die "Hall of Fame" seines Sports gewählt. Verdienter Lohn für jahrzehntelangen Einzelkampf gegen die Bunker des Profigolfs. Die Art und Weise, wie er sich an die Reichweiten der jüngeren Generation herangearbeitet hat, erinnert an Clint Eastwood in seinen besten Rollen. Neue Schläger und der Wechsel der Ballmarke haben ihm dabei geholfen, aber das ist nicht das ganze Geheimnis von Langers derzeitigem Hoch.

Ausgeglichen und locker

"Ich habe zuletzt viele kleine Veränderungen in meinem Spiel vorgenommen", erläutert ein sichtlich entspannter Langer in St. Leon-Rot, "zum Beispiel die Wirbelsäulenhaltung. Dadurch ergibt sich ein anderer Schwung." Vielleicht war aber auch die Entscheidung, den ersten Teil der Saison im Kreise der in Florida lebenden Familie zu verbringen und bevorzugt in den USA zu spielen, die richtige.

Zu der bekannten Ausgeglichenheit hat Langer eine Portion Lockerheit hinzugewonnen. Das liegt möglicherweise daran, dass er unter der Woche seine vier Kinder zu deren Sportaktivitäten begleiten kann und nicht wie ein einsamer Wolf in einem Hotelzimmer irgendwo in der Welt ausharren muss.

Saisonziel Ryder Cup

Die Ergebnisse Langers in diesem Jahr bestätigen ihn, auf dem richtigen Weg zu sein: Zwei dritte Plätze auf der US-Tour und der sechste Rang bei den Masters als bester Europäer sind nicht zu übersehende Ausrufezeichen. "Die Konkurrenz mit den starken Amerikanern hat mein Niveau erhöht", sagt Langer. "Man ist gezwungen, bis an die Grenzen zu gehen, sonst geht man unter."

Während die anderen Spieler seiner Generation wie Ballesteros, Faldo, Lyle und Woosnam verzweifelt den glücklicheren Tagen ihrer Karriere hinterherjagen, genießt Langer seinen derzeitigen Lauf. "Ich möchte wieder ins Ryder-Cup-Team", nennt er sein vorderstes Saisonziel. Dass ihm durch seinen Amerika-Aufenthalt einige Qualifikationspunkte entgangen sind, hat er bewusst in Kauf genommen. Derzeit liegt Langer auf Rang 14 der europäischen Ryder-Cup-Wertung. Die ersten Zehn qualifizieren sich für den Kontinentalvergleich mit den besten zwölf Golfern der USA im September in England automatisch, für zwei zusätzliche Spieler stehen Wild Cards bereit.

Die wird Europas Kapitän Sam Torrance nach der BMW International Open im August vergeben, und der Schotte hat schon angedeutet, dass er neben dem in den USA lebenden Spanier Sergio Garcia im Augenblick Bernhard Langer favorisiert. "Ich hoffe, er schafft es aus eigener Kraft, das würde mir die Sache extrem erleichtern", so Torrance. Deutschlands Vorzeigegolfer ist auf dem besten Weg Richtung Ryder Cup.