Bernhard Langer Rückzug auf Raten
Frankfurt am Main - Mit dem Rückzug auf Raten von der europäischen Golf-Tour Richtung USA hat Bernhard Langer zum Saisonbeginn einen neuen Einschnitt in seiner langjährigen Profikarriere eingeleitet. "Bernhard konzentriert sich bis Juni ausschließlich auf die USA-Tour und kommt dann bis August nach Europa. Er will sich einfach nicht mehr den Stress mit der vielen Flüge zwischen den Kontinenten antun und lässt dafür seine Tourkarte für die USA wieder aufleben", erklärt sein Bruder und Manager Erwin Langer das Fernbleiben von Deutschlands Vorzeigegolfer beim Saisonstart der European Tour in Südafrika.
Der 43-jährige Bernhard Langer ist zur Zeit direkt nicht erreichbar. Sein familiärer Freund Erwin blockt bewusst den unmittelbaren Kontakt ab und verweist auf die Hilfsmittel Fax, Internet oder E-Mail, um authentische Statements sofort zu erhalten. Die Familie fordere ihr Recht, heißt es, weil er wie immer im Winter in seiner Wahlheimat Florida mit Gattin Vikki und den vier Kindern Kraft für die neue Saison tankt.
"Wir verhandeln noch"
Der neunte Rang vor einer Woche in Tucson/Arizona war die erste
Antwort auf den Saison-Fehlstart mit dem Erstrunden-Aus bei der
Lochspiel-WM Anfang Januar in Australien. Bei einem Blick in seinen
im Internet veröffentlichten Turnierplan aber sind bisher nur Termine
bis Ende April ausschließlich in USA fixiert. Noch steht nicht fest,
ob er im Mai bei der Deutsche Bank - SAP Open in St. Leon-Rot gegen
Tiger Woods oder bei den BMW Open als letztem Nominierungswettkampf Ende
August in München Nord-Eichenried startet.
"Wir verhandeln noch", sagt Erwin Langer, wohlwissend, dass der
Marktwert von Langer in Deutschland nach wie vor absolut top ist,
nachdem Bernhard spätestens seit seinem zweiten Masterssieg 1993 den
Ruhm seiner inzwischen 63 Siege weltweit ausgekostet hat und er
allein in Europa mit 17 Millionen Mark an Prämien zu Buche steht.
Aber es ist auch klar, dass das Zuschauerinteresse an dem immer noch
einzigen deutschen Vorzeigeprofi nachlässt - je häufiger einer wie
Tiger Woods in Europa auftaucht und je länger der seit 1997 sieglose
Langer keine Erfolgserlebnisse aufweisen kann.
Dazu ranken sich wie immer im Herbst einer Karriere eines Topstars
wie Langer Gerüchte um die Zukunftspläne. Sein jüngstes Engagement
als Sprecher einer Interessengruppe innerhalb der Spielergewerkschaft
PGA of Europe hat nicht unbedingt das Wohlwollen der eigenen
Organisation gefördert. Mit der ist der Unternehmer Langer wegen der
von ihm finanziell mit über fünf Millionen Mark ausgestatteten
"German Masters" ohnehin nicht immer auf einer Linie.
The Gang of Four
Zusammen mit den Kollegen Severiano Ballesteros, José Maria
Olazabel und Nick Faldo - im Volksmund "The Gang of Four" genannt - hatte Langer die PGA aufgefordert, ihr Finanzgebaren transparent für die Tourspieler zu machen. Unter anderem soll die PGA mit Chef Ken Schofield an der Spitze erklären, wie die etwa 250 Millionen Mark Einnahmen aus dem Ryder Cup und aus TV-Rechten verwendet werden. Schofield hat mittlerweile Bereitschaft zur Kooperation signalisiert.
"Es ist einfach falsch, dass Bernhard im Zorn und vor Wut über
sein angeblich angespanntes Verhältnis zur PGA der Tour den Rücken
kehrt", behauptet Erwin. Aber ein Blick in den Terminkalender des
Multimillionärs Bernhard genügt, um zwischen den Zeilen die feinen
Tönen der Schwerpunkt-Verlagerung herauszufiltern. Selbst die
Teilnahme im September am Ryder Cup gehört nicht mehr zur höchsten
Priorität für ihn. Dafür müsste er Punkte in Europa sammeln. Bei,
maximal neun Turnieren auf dem Alten Kontinent ist das kaum machbar.
Von Rainer Fülscher, dpa